Opel-Sanierung kostet Rüsselsheimer Stammsitz rund 3000...

Der neue Eigentümer PSA setzt nun viel Geld ein, um größere Teile der Belegschaft loszuwerden. Symbolfoto: dpa

Wegen der Übernahme von Opel durch die neue Mutter PSA sollen Stellen abgebaut werden. Von den insgesamt 3700 abzubauenden Arbeitsplätzen entfallen laut dem vorliegenden...

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RÜSSELSHEIM. Von den 3700 Stellen, die Opel an seinen deutschen Standorten abbaut, entfallen allein rund 3000 Arbeitsplätze auf den Stammsitz in Rüsselsheim. Dies geht aus dem von Management und Betriebsrat unterschriebenen Eckpunktepapier zur Sanierung hervor, das dieser Zeitung vorliegt. Aktuell beschäftigt der Autobauer an seinem hessischen Sitz rund 14.000 Mitarbeiter. Im Zuge der Sanierung würden somit in Rüsselsheim etwa 21 Prozent der Stellen wegfallen.

Jobabbau gilt bereits als nahezu abgeschlossen

Dem Eckpunktepapier zufolge werden in Rüsselsheim im Entwicklungszentrum (Bereich Engineering) 1400 der rund 7700 Jobs und im Pkw-Werk 600 Stellen gestrichen. Der Bereich Verwaltung (inklusive zum Beispiel Marketing, Vertrieb und Einkauf) verliert 730 Arbeitsplätze. Hinzu kommen am Stammsitz noch einmal mehr als 300 Stellen, die sich auf den Prototypenbau (100 Jobs), den Werkzeugbau (120) und das Teilelager (100) verteilen. Das Rüsselsheimer Getriebewerk bleibt verschont. Auf die Standorte Eisenach und Kaiserslautern entfallen dem Dokument zufolge 450 beziehungsweise 200 der Stellen, die abgebaut werden sollen.

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Der Jobabbau in Deutschland erfolgt über Altersteilzeit-, Vorruhestands- sowie freiwillige Aufhebungsverträge und gilt bereits als nahezu abgeschlossen, da die betreffenden Mitarbeiter die Verträge schon zum weitaus größten Teil unterschrieben haben. Vor betriebsbedingten Kündigungen sind die Mitarbeiter bis Sommer 2023 geschützt. Opel wollte sich zur Aufteilung, der Streichungen auf Standorte und Bereiche nicht äußern.

Wie es in dem Papier weiter heißt, verpflichtet sich Opel zu hohen Investition in alle deutschen Betriebe zur Bestandserhaltung und Beschäftigungssicherung. „Dies umfasst Ausgaben in Milliardenhöhe während der Laufzeit der noch abzuschließenden Tarifverträge“, heißt es weiter.

Erhebliche Kostenvorteile durch Entwicklungsverbund

Der Autobauer Opel zieht nach eigenen Angaben erhebliche Kostenvorteile aus dem Entwicklungsverbund mit der neuen Mutter PSA. Der für das kommende Jahr geplante Nachfolger des Kleinwagens Corsa werde im Vergleich zum Vorgänger für rund die Hälfte der Kosten entwickelt, berichtete das Unternehmen am Montag in Rüsselsheim.

„Dank gemeinsam genutzter Konzernplattformen werden wir bei der Entwicklung jedes neuen Opel/Vauxhall-Modells zwischen 20 und 50 Prozent der Entwicklungskosten einsparen - abhängig vom Modell und verglichen mit dem jeweiligen Vorgänger. Und das bei weiter gesteigerter Qualität“, betonte Opel-Chef Michael Lohscheller bei einer Veranstaltung des Unternehmens. Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim werde im Konzern eine wichtige Rolle spielen und den markenspezifischen Charakter von Opel erhalten. In Rüsselheim könnten weiterhin Fahrzeuge von Grund auf entworfen werden, ergänzte Entwicklungschef Christian Müller.

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Im modernen Automobilbau drehe sich heute fast alles um den Begriff Effizienz, so Müller. „Bereits die Basisstruktur entscheidet darüber, wie wirtschaftlich, wie dynamisch und wie umweltfreundlich ein Fahrzeug ist. Und wie kosteneffizient in der Fertigung.“ Die jeweilige Plattform eines Modells habe großen Einfluss auf die Effizienz. „Sie macht immerhin rund 60 Prozent der Materialkosten aus, also fast zwei Drittel“, so Müller.