05-Präsident Hofmann: Eklat ist jetzt Chefsache

aus Mainz 05

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Stefan Hofmann ist Vorstandsvorsitzender von Mainz 05. Archivfoto: Lukas Görlach

Nach dem Spieler-Streik bei Mainz 05 hat sich Vereinschef Hofmann ausführlich geäußert. Er räumt Fehler im Fall Szalai ein und spricht über den viel diskutierten Gehaltsverzicht.

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MAINZ. Der große Eklat ist jetzt Chefsache: Nach dem Streik bei Mainz 05 hat der Vereinsvorsitzende Stefan Hofmann Gespräche mit den Spielern aufgenommen. Er führe diese gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Fußball-Bundesligisten, Detlev Höhne. „Wir wollen die gesamte Situation im Hinblick auf die grundlegenden, den Verein betreffenden Fragen gemeinsam klären. Die Mannschaft beschäftigen dabei Themen, die komplexer sind, als wir erwartet hätten“, erklärte Hofmann am Freitagabend. Daher gebe es auch „keine einfachen und schnellen Antworten. Bei der Mannschaft hatte sich eine große Emotionalität aufgebaut, die sich in der Frage der Trainingsbeteiligung von Adam Szalai spontan entladen hat“. Die 05-Profis hatten am Mittwoch geschlossen auf das Training verzichtet. Sportvorstand Rouven Schröder sagte am Donnerstag, die Spieler hätten dies getan, um sich mit dem freigestellten Stürmer Szalai solidarisch zu zeigen.

„Das Verhalten der Spieler, nicht zum Training anzutreten, ist ein Schritt, den ich persönlich nicht für möglich gehalten hätte. Dies hat den gesamten Verein erschüttert und wirkt immer noch nach. Deswegen können wir als Vereinsführung nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Wir sind dabei, diesen Vorgang gründlich aufzuarbeiten“, so Hofmann weiter. „Wir werden durch eine bessere interne Kommunikation künftig diesen Entwicklungen vorbeugen.“ Näheres will aber auch der Vereinschef nicht preisgeben. „Es sei der Wunsch des Mannschaftsrates, dass die von ihnen geäußerte Position allerdings auch intern bleibt und intern behandelt wird – und dass sich kein Spieler öffentlich darüber äußert. Ihnen sei das interne Signal wichtig gewesen, nicht das öffentliche. Wir bitten hier um Verständnis, dass auch wir zu Themen, die gerade unsere Fans brennend interessieren, daher selbst aktuell auch nicht so offen kommunizieren, wie es vielleicht angemessen und für das Verständnis förderlich wäre.“

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Diskussion um Gehaltsverzicht

Auch Hofmann ließ offen, ob der Streik ebenfalls etwas mit dem Corona-bedingten Gehaltsverzicht zu tun hatte. Informationen unserer Zeitung zufolge soll sich eine explosive Gemengelage in den vergangenen Wochen und Monaten am Bruchweg aufgestaut haben. Die Spieler sollen seit geraumer Zeit unzufrieden mit der Arbeit von Trainer Achim Beierlorzer sein, erst vor dem Leipzig-Spiel (1:3) hatte es nochmals eine Aussprache zwischen Mannschaft und Chefcoach gegeben. Als schließlich die Freistellung von Szalai erfolgte und die Rückzahlung der Gehälter ausgeschlossen wurde, habe sich das Team den Protest überlegt. Szalai soll laut Schröder allein aus sportlichen Gründen keine Rolle mehr beim FSV spielen. Dem Vernehmen nach kam es aber auch zum Streit zwischen dem Ungarn und Beierlorzer.

Hofmann bestätigt zumindest das Problem rund um das Thema Gehaltsverzicht: „Der Mannschaft ist in diesen Tagen kommuniziert worden, dass ihr der Gehaltsverzicht der vergangenen Saison nicht zurückerstattet werden kann. Dem hieraus entstehenden zusätzlichen Kommunikationsbedarf der Mannschaft kommen wir nach. Eine Rückzahlung war bei der ursprünglichen Vereinbarung im März für jenen Fall als Option erwogen worden, sollte sich die wirtschaftliche Situation für den Verein verbessern. Die wirtschaftliche Situation hat sich für Mainz 05 aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie aber tendenziell eher verschlechtert.“ Die Spieler hatten auf 15 Prozent ihres Gehalts verzichtet. Ursprünglich hatte es geheißen, dass das Geld zurückgezahlt werden könne, sobald die erste TV-Rate fließe.

Eklat hallt nach

Zum Fall Szalai gibt Hofmann zu Protokoll: „Zugegebenermaßen war unsere erste Kommunikation gegenüber Adam Szalai missverständlich, dies ist inzwischen klargestellt. Er trainiert weiter mit unserer U23.“ Szalai soll sich überrascht und verärgert gezeigt haben, als Beierlorzer und Schröder ihn am Montag über die Freistellung informierten. Aufgeben wird er jedenfalls nicht: Sein Berater sagte dieser Zeitung bereits am Donnerstag, dass er davon überzeugt sei, dass der 32-Jährige kommende Woche ins Mannschaftstraining zurückkehren dürfe. „Adam wird definitiv in Mainz bleiben und sich keinen neuen Verein suchen“, so Fischer.

Es bleibt abzuwarten, wie sowohl Spieler als auch Fans am Samstag (15.30 Uhr, Sky) im ersten Liga-Heimspiel der neuen Saison reagieren. Der Eklat hallt in jedem Fall noch nach.