Mit dem Panamera Sport Turismo beantwortet Porsche die K-Frage

aus Im Auto Mobil

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Ein Kombi von Porsche - auch wenn er offiziell nicht so bezeichnet wird: der Panamera Sport Turismo. Foto: Porsche

Für die einen ist es nur eine weitere Karosserievariante des Panamera – doch tatsächlich bedeutet der Panamera ST eine kleine bis mittelgroße Revolution bei Porsche....

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. Stellen wir uns kurz einmal vor, durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum oder ein Wurmloch oder etwas ähnlich Wahrscheinliches würde Ferdinand Porsche plötzlich in der Führungsetage des von ihm gegründeten Unternehmens auftauchen und stände dem heutigen Chef Oliver Blume gegenüber. „Und“, fragt Ferdy, „was gibt es Neues?“ „Wir bringen gerade unseren ersten Kombi auf den Markt.“ Die Reaktion des passionierten Sportwagenbauers (1875 – 1951) mag sich jeder selbst ausmalen.

So wahrscheinlich wie ein Sportwagen von MAN

Ein Kombi von Porsche – das war bislang in etwa so wahrscheinlich wie ein Siebensitzer von Smart oder ein Sportwagen von MAN. Die Zuffenhausener haben sich der Beantwortung der K-Frage deshalb auch ganz, ganz vorsichtig angenähert. Bereits auf dem Pariser Auto Salon zeigte Porsche eine Shooting-Brake-Studie auf Basis des damals aktuellen Panamera. Erst fünf Jahre später kommt nun der Sport-Turismo auf die Straße. Die Neuvorstellung bietet, wie es bei der zugehörigen Fahrveranstaltung heißt, einen noch höheren Nutzwert und eine noch höhere Vielseitigkeit als der reguläre Panamera. Nur spitzfindige Zeitgenossen würden hier vielleicht einwenden, dass bei der Präsentation der neuen Panamera-Generation 2016 gerade dessen Nutzwert und Vielseitigkeit über den grünen Klee gelobt wurden – wie das bei solchen Veranstaltungen nun einmal so ist. Tatsächlich aber ist es nicht nur das auf 520 Liter aufgepumpte Laderaumvolumen, das den regulären Panamera gewissermaßen ein wenig alt aussehen lässt. Erstmals gibt es mit dem Panamera ST (ab 97557 Euro) die Reiselimousine auch als Fünfsitzer. Wobei: Ein wenig schämt sich Porsche offensichtlich schon, den mittleren Platz als vollwertig anzubieten – offiziell heißt es deshalb 4+1-Sitzer. Und wer von vorneherein weiß, dass hinten sowieso nie mehr als zwei Passagiere Platz nehmen werden, kann den Panamera ST auch gleich als Viersitzer ordern.

Eigentlich sagt schon der Name, dass der ST ein Derivat der berühmten Sport-Reiselimousine aus dem Hause Porsche ist. Tatsächlich aber wurde die Neuvorstellung ab der B-Säule komplett eigenständig designt. Wer also bei einer Profilaufnahme des Panamera ST die Bildhälfte mit dem Vorderteil abdeckt, erkennt den Kombi nicht unbedingt sofort als Derivat. Dass das Ganze nicht als Flickschusterei zwischen Bewährtem und Neuem wirkt, liegt daran, dass der Panamera ST nicht aus dem regulären Panamera abgeleitet wurde. Vielmehr durchliefen beide Modellvarianten ihren Entwicklungsprozess parallel.

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Mal schnell zum Baumarkt - im wahrsten Wortsinn

Mal schnell ein paar sperrige Sachen vom Baumarkt holen – dieses Vorhaben kann man mit dem Panamera ST, dessen Laderaumvolumen sich bei umgeklappten Sitzen auf bis zu 1390 Liter erweitern lässt, im wahrsten Wortsinne umsetzen. Schon der – wollen wir ihn wirklich so nennen? - Basismotor leistet 243 kW/330 PS. Das obere Ende des Leistungsspektrums liegt bei 404 kW/550 PS. Die Einzelteile für den neuen Schuhschrank lassen sich so in 3,6 s (Panamera Turbo Sport Turismo) aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Bei einer Spitzengeschwindigkeit von 304 km/h muss man nach dem Großeinkauf wohl aufpassen, dass die Milch im Kofferraum nicht sauer wird…

Freunde von Autos mit ausgeprägtem Kombi-Fahrverhalten werden am Pamamera ST keine rechte Freude haben. Bei unseren Testfahrten vergaßen wir nach wenigen Kilometern, in was für einer Art Auto wir saßen. Der Kombi-Panamera zeigt sich nicht nur so agil wie der „klassische“ Bruder in der Modellfamilie, das Handling und die famose Abstimmung erinnern tatsächlich eher an einen Sportwagen als an einen Lastenträger. Maßgeblichen Anteil an der Bändigung der Kraft hat der innovative Heckspoiler. Es ist, wie Porsche betont, der erste adaptiv ausfahrende im Segment. Er wird, abhängig vom gewählten Fahrmodus und der Geschwindigkeit, in drei Stufen von -7 bis +26 Grad ausgefahren und erzeugt einen maximalen zusätzlichen Abtrieb von 50 Kilogramm.

Fast ebene Ladefläche - bei einem Porsche

Zwei weitere Fakten, die man so vermutlich so auch noch nicht in der Pressemappe zu einem Porsche-Produkt gelesen hat: Die Ladekante ist nur 63 Zentimeter hoch und nach Umklappen der Rücksitze (40:20:40) entsteht eine nahezu ebene Ladefläche.

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Doch zurück zu unserem Zeitraum-Wurmloch-Szenario. Nachdem sich Ferdinand Porsche von dem Schock erholt hat, dass es in dem von ihm gegründeten Unternehmen nun einen Lastenträger gibt, lässt er sich von Oliver Blume etwas versprechen: „Bitte nennt den Panamera Sport Turismo niemals Kombi“. Blume verspricht´s – und er und sein Team halten sich daran.

Zumindest bei der Präsentation und in der Pressemappe.