Mein erstes Mal...mit Audi in der virtuellen Realität

aus Im Auto Mobil

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Martin Schulze Beerhorst zeigt die VR-Brille. Die silbernen Punkte dienen dem Headtracker auf dem Rücksitz dazu, die Kopf- und damit die Augenbewegungen des Fahrers in die virtuelle Szenerie zu übertragen. Foto: Chowanetz

Wem es in der richtigen Welt gerade nicht gefällt, der kann mit einem A4 durch eine wesentlich schönere virtuelle fahren - vorausgesetzt, man ist Verkäufer für die...

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. Unbestritten: Die City-Notbremsfunktion, die Audi wie viele andere Fahrzeughersteller im Sortiment hat, kann Leben retten. Dumm nur, wenn der Kunde – beispielsweise aus Kostengründen, weil nicht serienmäßig – darauf verzichtet, sie für seinen Neuwagen zu bestellen. Der Händler kann hier natürlich im Beratungsgespräch Überzeugungsarbeit leisten (seien wir mal für ein paar Minuten in einer idealen Welt unterwegs und vergessen einmal, dass jedes abgesetzte Extra auch den Gewinn vergrößert…). Dafür aber muss der Verkäufer wissen, wovon er spricht.

Bis zu 20 neue Assistenzsysteme

Mit bis zu 20 neuen Assistenzsystemen, die beispielsweise beim Produktstart des neuen A4 oder des neuen Q7 verfügbar waren, wird es allerdings für jeden Autoverkäufer schwierig, den Überblick zu behalten. Damit der Handel professionell beraten kann, treibt Audi (wie natürlich jeder Wettbewerber auch) einen gigantischen Aufwand. Martin Schulze Beerhorst vom Audi-Produkttraining: „Wir haben jährlich zwei große zentrale Schulungsveranstaltungen auf dem Plan, an denen bis zu 20.000 Teilnehmer alle Einzelheiten über die Audi-Fahrzeuge und ihre Assistenzsysteme erfahren.“ Dabei gebe es sowohl Theorie- als auch Praxisanteile.

Wer will bei der City-Notbremsfunktion schon Testperson sein?

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Nun wäre es aber wohl schwierig, Freiwillige zu finden, die sich als Fußgänger zur Verfügung stellen, um die City-Notbremsfunktion zu testen (bei der das Fahrzeug bei einem Hindernis ohne Zutun des Fahrers stoppt). Deshalb geht man bei Audi einen neuen Weg – und setzt auf die virtuelle Realität. Die Schulungsanordnung sieht dabei zunächst unspektakulär aus. Auf einer riesigen Asphaltfläche steht ein handelsübliches Fahrzeug. Handelsüblich? Nur auf den ersten Blick. Der Kofferraum ist voll mit Rechnern, die nur einen Zweck haben: Dem Fahrer eine hochrealistische virtuelle Welt vorzugaukeln. Dazu genügt eine Virtual-Reality (VR)-Brille. Setzt die Person am Steuer diese auf, hat sie nicht mehr eine triste Asphaltfläche vor Augen, sondern befindet sich in einer Wohnsiedlung. Wenn der Kopf nach links schwenkt, verändert sich auch das Szenario entsprechend. Ein Headtracker auf dem Rücksitz „beobachtet“ die Position von silbernen Markern auf der Brille und setzt deren Bewegung in den Blickwinkel innerhalb der virtuellen Szenerie um. Und natürlich ist auch das Cockpit des A4 zu erkennen. Nur die Hand vor Augen (wenn man sie ins vermeintliche Blickfeld bewegt) sieht man nicht. Wie auch? Man bewegt sich ja in einer virtuellen Realität.

Der Name ist nicht gerade sexy...

Die Fahrt mit dem „Virtual Training Car“ (hätte Audi nicht einen griffigeren Namen wie „Laura“ oder „Tom“ wählen können?) ist hingegen real. Während man – natürlich unter Aufsicht eines Trainers auf dem Beifahrersitz – über die Asphaltfläche fährt, zeigt die VR-Brille weiter die Wohnsiedlung: Rechts spielen Kinder, dort biegt eine durchaus hübsche Frau um die Ecke, links fährt ein Radfahrer, strauchelt, fällt hin. Die Augen bleiben ein wenig zu lange an dieser dramatischen Szene hängen, versäumen es, den Fahrtweg im Blick zu behalten. Mit einem Ruck kommt da plötzlich der Audi zum Stehen. Vor der Motorhaube ein Fußgänger, der beinahe vom Wagen erfasst worden wäre. Wild gestikulierend, aber immerhin unverletzt, setzt der seine Überquerung der Straße fort – dank City-Notbremsassistent, der anstelle des Fahrers „in die Eisen“ gegangen ist. Virtuelle Realität oder nicht: Das Szenario ist so packend echt, dass man froh ist, das Auto jetzt abstellen zu können – vor dem nächsten „Erwe“-Markt (der Buchstabendreher ist, versichert Martin Schulze Beerhorst, gewollt). Brille abgesetzt – und ein trister Münchener Herbsttag ersetzt die sonnige virtuelle Realität.

Fahrschulen zeigen Interesse

Sechs Monate hat Audi nach den Worten von Martin Schulze Beerhorst an dem „Virtual Training Car“ entwickelt – und das buchstäbliche Ende der Fahnenstange sei noch lange nicht erreicht. Das Grundprinzip könne man beliebig ausbauen, ganze Städte oder Landschaften virtuell nachbilden, um auch gefährlichste Situationen auf ungefährliche Weise zu üben. „Noch ist unsere Virtuelle Realität ein wenig hemdsärmelig“, sagt Martin Schulze Beerhorst. Das aber werde sicherlich nicht so bleiben. Dem Audi-Trainer ist kein Konkurrenz-Autohersteller bekannt, der ein ähnliches Projekt verfolgt. Mit dem „Virtual Training Car“ erregt Audi entsprechend auch außerhalb der Branche für Aufsehen. Martin Schulze Beerhorst: „Wir haben schon Anfragen von Fahrschulen, die das Training in der Virtuellen Realität, aber bei einer echten Fahrt, in ihr Schulungsprogramm aufnehmen wollen.“ Noch muss Audi bei solchen Anfragen aber um Geduld bitten.