Im Auto mobil...mit dem "Mii by Mango" in Berlin

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Palmen und gleißendes Sonnenlicht in Berlin? Dieses Foto des Seat Mii by Mango wurde in Barcelona gemacht. Foto: Seat

Modischer Kleinwagen: Seat stellt das Sondermodell "Mii by Mango" vor. Der auf die weibliche Kundschaft abzielende Cityflitzer musste sich bei einer Testfahrt durch Berlin...

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. Für mich stand Mango bisher für eine köstliche Frucht, die besonders indische Gerichte adelt. Stichwort Mango-Lassi, Stichwort Mango-Chutney. Mich mit dem Bekleidungshaus gleichen Namens zu beschäftigen, kam mir bislang nicht in den Sinn. Nicht, weil ich ein Modemuffel bin (okay, vielleicht auch deshalb), sondern einfach, weil ich mir Jeans und/oder Jackett dann kaufe, wenn es mir gefällt - und nicht, weil es von einer bestimmten Kette angeboten wird. Außerdem hat sich der aus Istanbul stammende "Vater" von Mango, Isak Andic , erst 2008 und damit 24 Jahre nach der Gründung des Unternehmens auch der Herrenmode zugewandt - wenn das keine Diskriminierung ist!

Motoren und Mode

Nun aber wird Mango für mich zum Thema. Nicht etwa, weil ich meine Liebe zu dem spanischen rasant wachsenden Ladenkette entdeckt hätte, sondern in meiner Funktion als Motorredakteur. Die VW-Tochter Seat, die ihr Hauptquartier bei Barcelona fast um die Ecke vom Mango-Stammsitz hat, bringt das Sondermodell "Mii by Mango" des pfiffigen Kleinwagens auf den Markt. Die Autobauer luden jetzt nach Berlin ein, um den Mango-Mii sozusagen in seinem natürlich Biotop, der Großstadt, kennenzulernen. Der Beginn der hippen Partnerschaft von Seat (dessen Fahrzeuge deutlich jüngere Kunden ansprechen als im Branchendurchschnitt) mit dem jugendlichen Modekonzern Mango konnte natürlich nicht mit einer 08/15-Fahrpäsentation gefeiert werden. Stattdessen hatten die Location-Scouts von Seat vier außergewöhnliche und trendige Läden ausfindig gemacht, die es im Laufe des Tages anzusteuern galt.

Ein echtes Frauenauto

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Für mich als seit Jahrzehnten bekennenden Berlin-Fan war das natürlich ein Fest. Allerdings, ich gebe es offen zu, hatte ich gleichzeitig gewisse Berührungsängste, in ein Frauenauto einzusteigen. Ja, ja, ich weiß, die Grenzen verschieben sich auch in der Autobranche, die Damen der Schöpfung fahren heutzutage auch gerne und schnell mit hoch-PS-igen Sportwagen, während die Männer sich nicht zu fein dafür sind, ihre Kinder mit dem früher als feminin verschrienen Ford Ka (oder dem Nissan Micra) zum Sportunterricht zu bringen (das heißt: in vielen Fällen sind sie sich eigentlich zwar schon zu fein, aber wenn die Ehefrau die Transportbitte an den Gemahl heranträgt und dabei den Nike-Gesichtsausdruck - Just do it! - trägt, ist jeder Widerstand zwecklos). Das Wort Frauenauto ist also eigentlich aus dem Vokabular zu streichen - die Betonung liegt aber auf eigentlich. Wenn aber mehr als 0,0001 Prozent der "Mii by Mango"-Fahrer männlichen Geschlechts sind, wäre das für mich eine extrem große Überraschung.

Halter für die Handtasche

Zu den Ausstattungsmerkmalen, mit denen sich der "Mii by Mango" von seinen Serienkollegen unterscheidet, gehört nämlich, ich zitiere, die "Sonnenblende auf Fahrerseite mit Make-Up-Spiegel" und der "Handtaschenhalter im Bereich des Handschuhfachs". Obwohl, liebe Seat-Mango-ler, ein richtiges solches Aufbewahrungsaccessoire hattet Ihr wahrscheinlich nicht vor Augen, als Ihr diesen Griff entworfen habt. Erstens wirkt der Aufhänger so filigran, dass er eine ordentliche solche Handtasche, die bei optimaler Beladung ja durchaus das Gewicht eines Zwergplaneten erreichen kann, niemals wird lange halten können, zweitens baumelt diese Handtasche, so sie denn hängen bleibt, dem Beifahrer vor den Knien herum, dass es eine Freude sein dürfte.

Mit vor das Gesicht gehaltenem Aktenordner

Ich steige also mit vor das Gesicht gehaltenem Aktenordner (wie man es von der Strafprozessberichterstattung kennt) in den "Mii by Mango" mit der exklusiven Lackierung "Glam Beige" (stellen Sie sich ein Taxi - ohne Taxischild - vor, dessen Lack von der Sonne ausgebleicht wurde, und Sie bekommen eine ganz gute Vorstellung) ein - und bin sofort begeistert. Das liegt jetzt, sorry, Mango, gar nicht mal so sehr an der exklusiven Innenausstattung ("dunkle Alcantara-Sitze", "Lenkrad und Schaltknauf in Leder mit Nähten in Beige"), sondern vielmehr an dem Auto an sich. Natürlich bin ich den Mii und seine Konzernbruder Citigo (Skoda) und Up (VW) schon gefahren - aber ich hatte tatsächlich, wie geräumig es trotz der Minimallänge der Cityflitzer im Innenraum zugeht. Tatsächlich musste ich, was mir eher selten passiert, den Fahrersitz zurückstellen (dabei fällt mir der uralte Mantawitz ein: Oma auf dem Beifahrersitz: "Kannst Du mir mal den Sitz vorstellen?" Manni: "Gerne. Oma, das ist der Sitz, Sitz, das ist meine Oma" - hahaha). Und dann gleich die zweite Überraschung: Ungeahnt spritzig bringt mich der Mii durch den Berliner Stadtverkehr. Und das nicht etwa, weil Seat die Testfahrzeuge mit der Top-Motorisierung von 75 PS ausgestattet hätte. Tatsächlich bringt es das Triebwerk auf den Mii-Mindestwert von 60 PS. Finde nur ich es bemerkenswert, dass Seat bei einer nicht unbedingt zu erwartenden Millionenauflage des "Mii by Mango" dennoch alle beim "klassischen" Mii möglichen Motorisierungen inklusive der Erdgas-Variante auch für die Mangofreunde anbietet?

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Berliner Verkehrsregeln

Auf dem Weg zum ersten Stop komme ich aus dem Kopfschütteln über die rüden Berliner Verkehrsmethoden nicht mehr heraus. Ich hatte schon davon gehört, dass die Busspuren inzwischen als Allgemeingut anerkannt werden, wenn es auf den anderen nicht weitergeht (übrigens: das kostet auch ohne Behinderung eines Busses 15 Euro Bußgeld) - frei nach dem Motto: "Sollen die Nahverkehrler doch U-Bahn-Fahren." Dass man aber auch die Linksabbiegerspur nutzt, um elegant an dem Stau auf der Geradeausspur vorbeizufahren, um sich dann vor dieser wieder einzufädeln, war mir neu.

Bedienung spricht nur Englisch

Aber kommen wir zu den Locations, die man sich, sollte eine Berlin-Reise auf dem Programm stehen, merken sollte. Den Anfang machte bei meiner Rundfahrt "Till The Cows Come Home" (Schönhauser Allee 9). Das Steakmesser können Sie getrost wieder einpacken, denn trotz des Namens kommt in diesem Lokal nur vegetarisches Slow Food auf den Teller. Dafür sollten Sie Englischkenntnisse "im Gepäck" haben. Mich lässt die Bedienung jedenfalls erstmal drauflosplappern und -bestellen - um mich dann mit einem lockeren "In english, please?!?" satt auszubremsen. Zu meiner Ehrenrettung: Die Speisekarte gibt es auf Deutsch. "TTCCH" ist zunächst temporär in einem schmalen Container untergebracht, in dem man kaum ein Strandtuch quer auslegen könnte. Betreiberin Natalie sucht nun nach einer größeren Bleibe, zumal der Container Anfang 2015 wieder abgebaut werden muss. Ob es schmeckt? Bitte fragen Sie jemand anderes, denn ich wurde direkt nach meinem Besuch im "TTCCH" schon zum Mittagessen im Muse erwartet - da hätte ganz, ganz ehrlich ein vegetarischer Pre-Lunch nur gestört.

Was für ein köstliches Eis

Auf ins Muse also (Immanuelkirchstraße 31). Die beiden weitgereisten Köchinnen und das gesamte Team des Muse sprechen Deutsch. Warum aber, so frage sicherlich nicht nur ich mich, muss dann der Internetauftritt in englisch gehalten werden? Egal. Das Essen wird mir zwar nicht unbedingt unendlich lang in Erinnerung bleiben, wohl aber die typische Prenzlauer-Berg-Atmosphäre - und das köstliche, täglich wechselnde Eis. Für eine ähnlich köstliche Sorte wie "Haselnuss-Erdnussbutter", herrlich süß mit einer Andeutung von Salz, würde ich schon einen Umweg in Kauf nehmen. Gerne hätte ich noch eine zweite Portion bestellt, aber ich muss weiter ins

Princess Cheesecake (Tucholskystraße 37). Die Torten, die in dieser Bäckerei im Kuchenbüffet stehen, müsste man nachts wohl mit einer Kette - oder was sonst immer an Schlössern da ist - sichern (aber es bleibt ja eh nichts übrig in diesem immer vollen Café). Eine Torte sieht köstlicher aus als die anderen. Vor die Beantwortung der Frage, ob sie auch so gut schmecken, wie sie optisch wirken, hat irgendeine höhere Macht eine schwere Prüfung gesetzt. An dem für unsere Gruppe reservierten (und entsprechend markierten) Tisch hat sich eine "Dame" gesetzt, die eventuellen Diskussionen über die unrechtmäßige Platzbesetzung aus dem Weg geht, indem sie vorgibt, in ein Buch vertieft zu sein. Später wird sie an einen kleineren Tisch vertrieben. Da besagte "Dame" ganz sicher diesen Blog liest: Wir drei (zwei kuchenhungrige Kollegen sind mir in meiner Rückeroberung des reservierten Tisches zu Hilfe gekommen) haben genau gesehen, dass Du über heftigst über uns abgelästert hast. Schäm Dich! Der Kuchen ist denn tatsächlich so lecker wie erwartet. Allerdings: Zu einem klassischen Cheesecake gehört eigentlich eine Erdbeersoße.

Leider kein Experte für Kaffee

Bleibt noch, auf Bonanza Coffee Heroes (Oderberger Straße 35) hinzuweisen. Der Kaffee hier ist über die Kiezgrenzen hinaus berühmt. Zu Recht? Bei der Beantwortung dieser Frage muss ich passen. Da ich keinen Kaffee trinke (seit mir mein Interviewpartner im zarten Alter von 16 Jahren - also ich war 16 - einen Elite-Kaffee anbot und ich nach dieser Plörre für alle Zeiten dem Kaffee abzuschwören schwörte).