Anschnallen, bitte: Die Gurtpflicht hat Geburtstag

aus Im Auto Mobil

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Am 1. Januar 1976 wurde in Deutschland die Gurtpflicht im Auto eingeführt. Foto: HUK Coburg

Wer jünger ist als, 40, 45, könnte denken, die Anschnallpflicht in Autos bestehe schon ewig. Tatsächlich aber besteht erst seit 1974 eine Verpflichtung zum Einbau der...

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. Fast jeder, der heutzutage in einen Wagen einsteigt, greift wie selbstverständlich zunächst nach dem Sicherheitsgurt. Einer der vielleicht wichtigsten Lebensretter bei Unfällen (oder wenigstens zur Minderung der Verletzungsschwere) feierte zu Jahresbeginn ein bedeutendes Jubiläum: Seit dem 1. Januar 1976, also seit 40 Jahren, herrscht in Deutschland Anschnallpflicht – wenn auch anfangs nur auf den vorderen Plätzen.

Heftige Diskussion

Aus heutiger Sicht kaum zu glauben. Im Umfeld der Gurtpflicht-Einführung gab es tatsächlich eine heftige Diskussion im Land, ob das Utensil tatsächlich Leben retten könne oder vielmehr nicht selbst eine Gefahr für Leib und Leben der Autoinsassen sei. Hinzu kam die Frage, wie weit der Staat seine autofahrenden Bürger bevormunden dürfe. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ war das Gerangel um den Sicherheitsgurt sogar eine Titelgeschichte wert.

Schwieriger Widerstand

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Bis heute gibt es Verkehrsteilnehmer, die sich gegen die Gurtpflicht wehren. Kein einfaches Unterfangen, denn die nervtötenden Warngeräusche, wenn man den Lebensretter nicht angelegt hat, bringen nur Hartgesottene nicht um den Verstand. So kommt es dazu, dass hartnäckige Verweigerer den Gurt hinter ihrem Rücken entlangführen und in das Schloss einrasten lassen, um den elektronischen „Nicht-angeschnallt-Warner“ zu überlisten. Andere kaufen sich angeblich ein separates Gurt-Metallende, das sie dauerhaft in der zugehörigen Peitsche stecken lassen. Der einfachere Weg, den Gurt einfach wie vorgesehen zu benutzen, scheint hier keine Option zu sein.

Gurtmuffel besonders in Italien und Griechenland

Die Zahl dieser Verweigerer ist zwar nicht unerheblich, die erdrückende Mehrzahl – 97 Prozent – der Deutschen akzeptiert und nutzt den Gurt allerdings als potenziellen Lebensretter (egal, ob im Auto vorne oder hinten sitzend). Das sieht in anderen Ländern anders aus, ermittelte der Autoverleiher Sunny Cars anlässlich des Anschnallpflicht-Jubiläums. In Italien beispielsweise sichern sich nur 70 Prozent der im Auto vorne Sitzenden mit dem Gurt, hinten legt ihn gar nur jeder zehnte Mitfahrer an. Kaum gurtfreudiger sind die Griechen. Knapp jeder vierte hellenische Fahrer (oder auch knapp jede vierte Fahrerin), lässt bei der Sache mit dem Anschnallen Fünfe gerade sein, bei den Mitfahrern halten sich nur 23 Prozent an die Gurtpflicht.

In Spanien werden 200 Euro fällig

Wer als Gurtmuffel nicht von den teilweise drakonischen Strafen bei Nichtanlegen des Lebensretters (hierzulande ab 30 Euro, in Spanien 200 Euro) abschrecken lässt, sollte vielleicht über diese Information nachdenken: Eine Analyse der von der OECD gegründeten International Traffic Safety Data and Analysis Group aller tödlichen Unfälle im Straßenverkehr ergab, dass 60 Prozent aller Verunglückten weltweit trugen keine Sicherheitsgurte trugen.