AMG GT, Jaguar XE , Volvo XC90 - die Zeit der Weltpremieren

aus Im Auto Mobil

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Ungeschriebenes Gesetz: Bei einer ordentlichen Weltpremiere raucht es und ein mehr oder weniger großes Feuerwerk wird abgebrannt. Foto: dpa

Vielleicht kommt es mir ja nur so vor, aber kann es sein, dass in der Autobranche der Begriff der Weltpremiere ein wenig überstrapaziert wird? Gerade in jüngster Zeit vergeht...

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. Früher habe ich mich eigentlich nur auf den (zweitklassigen) Automessen darüber amüsiert, dass die Veranstalter im Vorfeld "mehr als 50 Welt-, Europa- und Deutschlandpremieren" ankündigten (bei dieser Formulierung ist dann auch klar, um welches Land und um welche Messe es sich handelt, kleiner Tipp: Die IAA in Frankfurt ist nicht gemeint) - und dann entpuppten sich diese "Weltneuheiten" als Sondermodelle mit in Wagenfarbe lackierten Außenspiegeln oder extensivem Chromeinsatz, die - höchstens - eine Feier beim lokalen Autohändler, nicht aber den ganz großen Mummenschanz mit 60-Sekunden-Countdown, Donnergrollen und Hast-Du-Nicht-Gesehen verdient hätten.

Offensichtlich haben die Autohersteller gemerkt, dass ein Messetag mit zehn oder 20 "Weltpremieren" jede einzelne davon in den Hintergrund treten lässt. Deshalb kommt es jetzt nicht wie früher alle Jubeljahre, sondern ziemlich regelmäßig vor, dass ein neues Automodell abseits der Messen im ganz großen Stil vorgestellt wird. Bei einem wirklich neuen Auto wie aktuell dem Jaguar XE oder dem AMG GT mag der unglaubliche Aufwand ja noch irgendwie nachvollziehbar sein - aber auch neue Generationen eines bereits bestehenden Modells - aus Datenschutzgründen nenne ich hier einmal keine Namen - werden immer häufiger mit einer Weltpremiere geadelt.

Die große Party steigt nicht im Stadttheater

Nun sollte niemand glauben, dass Mercedes, BMW und Co ins, sagen wir: Stadttheater, einladen, dort ein bisschen Lightshow machen und dann das Auto präsentieren. Neulich habe ich leider die Weltpremiere des Jaguar XE verpasst (hauptsächlich, weil ich nicht eingeladen war). Die, die dabei waren, erzählen von einer gigantischen Show mit London als Bühne. Kleiner Eindruck gefällig? Bitteschön. Die Mittelklasselimousine wurde erst mit einem Hubschrauber über die Tower Bridge geflogen, dann auf einem Boot über die Themse am London Eye vorbeitransportiert (was für Bilder?), Emeli Sandé sang live den Jaguar XE-Song und in einem extra für das Ereignis gedrehten XE-Film trat AC/DC-Sänger Brian Johnson auf.

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Überraschungsgast im Fond

Die möglicherweise gigantischste Weltpremierenfeier der jüngeren Vergangenheit hat sich indes Mercedes geleistet. Als die neue S-Klasse-Generation präsentiert wurde, wählte man das Airbus-Werk in Finkenwerder als Location, baute eigens für den Anlass eine temporäre Erweiterungshalle, um die Gäste aus aller Welt unterbringen zu können. Die Luxuslimousine wurde angeblich abends live aus Stuttgart eingeflogen (zu dumm allerdings, dass der Frachtjet bereits nachmittags auf dem Gelände stand…), fuhr dann mit einem A380 im Hintergrund und flankiert von der kompletten Mercedes-Modellpalette (und die ist inzwischen so groß, dass man mit ihr einen kleinen Privatstau organisieren kann) vor. Aus stieg vorne - nicht gerade überraschend - Mercedes-Chef Dieter Chef, der eine Fond-Tür öffnete und - Überraschung - Alicia Keys aus dem Auto half. Die sang für einen kolportiert sechsstelligen Betrag (die Sache wird nicht unbedingt besser dadurch, dass es sich um Dollar gehandelt haben soll) ein paar Lieder.

Messepremiere nach der Weltpremiere

Aber ich schweife ab. Die vielen Weltpremieren dieser Tage haben einen interessanten Nebeneffekt. Die Messe in Paris steht vor der Tür - und viele der Modelle, die sich eigentlich für einen ersten Auftritt an der Seine geeignet hätten, sind nun einmal schon der Öffentlichkeit präsentiert worden (Namen gefällig? Okay: AMG GT, Mazda MX-5, Volvo XC 90, Hyundai i20, Jaguar XE,…). Natürlich möchten die Hersteller nun aber auch nicht den Eindruck erwecken, die Teilnahme an der wichtigsten europäischen Herbst-Automesse sei nur eine lästige Pflichtübung. Also gibt es jetzt zusätzlich zu den Welt- und Europapremieren auch noch die Messepremieren. DAS wiederum klingt in meinen Ohren längst nicht so glamourös, wie es sich die Erfinder des Begriffs vielleicht vorgestellt haben.