St. Goarshausen/Mainz: Vorbei an Burgen und Felsen

Die Pfalz bei Kaub wurde urprünglich als Zollwache errichtet. Foto: Tobias Blank

Tobias Blank unternimmt eine Rheinschiffahrt. Vorbei an Biebricher Schloss, Rüdesheim und Binger Mäuseturm sowie der Pfalz bei Kaub bis zur Loreley. Dabei stellt er fest, dass...

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St. Goarshausen / Mainz. Zum Undank der Welt gehört, dass man für die Schönheiten vor der eigenen Haustür keinen Blick hat. So zählt für viele in der Region der Rhein ähnlich wie der eigene Gartenzaun zwar irgendwie zum Inventar, aber eines Blickes würdigt man ihn kaum. Also auf zum Rheinufer und das nächste Schiff stromabwärts bestiegen. Bis zum Schicksalsfelsen Loreley soll es gehen.

Hintergrundinfos in verschiedenen Sprachen

Ein bunt gemischtes Volk tummelt sich da an Deck. Neben Rentnern und Kegelclubs ergründen vor allem Amerikaner und Japaner, warum es am Rhein so schön ist. Bereits beim Biebricher Schloss haben die ersten ihre Antwort gefunden. Die prachtvollen Villen bei Eltville lassen bei manchem Passagier Tagträume gedeihen. Aus dem Lautsprecher klingt dezente Musik. Als das bekannte Stück aus "Titanic" erklingt, müssen einige an Deck schmunzeln.

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Immer wenn etwas Wichtiges ins Blickfeld kommt, gibt es Informationen dazu, auf Deutsch, Englisch, Japanisch oder Französisch. Die Ankündigung mancher Sehenswürdigkeit sorgt indes auch für Hilflosigkeit bei den Passagieren. Wo soll man zum Beispiel nach Schloss Johannisberg suchen? Dass es im Rhein so viele Inseln gibt, ist übrigens auch für viele deutsche Passagiere etwas Neues.

Blick auf den Binger Mäuseturm, die Pfalz bei Kaub …

Richtig voll an Bord wird es in Rüdesheim. Ein Teil der Passagiere kommt gleich mit dem Gepäck für die restliche Europarundreise an Bord. Der Binger Mäuseturm versetzt Mitreisende in stille Begeisterung. Die steigert sich noch, als mitten im Strom ein steinernes Schiff auftaucht. Die Pfalz bei Kaub bietet einen majestätischen Anblick.

Eine Rheinreise ist romantisch und bedächtig. Der Fahrtwind weht angenehm um die Nase. Die Landschaft nimmt den Betrachter gefangen, gerade wenn die Städte hinter ihm liegen und zu Füßen der Felshänge nur noch beschauliche Ortschaften liegen. Die Vielzahl der Burgen am Ufer überfordert auch den geschichtsbegeistertsten Reisenden irgendwann.

… und den legendären Loreley-Felsen

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Das Schiff nähert sich St. Goarshausen. Aus dem Lautsprecher ertönt Philipp Friedrich Silchers Vertonung von Heinrich Heines berühmtem Gedicht. Die Loreley ist erreicht. Da packt einige der Passagiere die Ehrfurcht. Manche versuchen, sich die legendäre Blondine auf dem Felsen vorzustellen.

Nach einer kurzen Erkundung in St. Goarshausen wartet das Schiff für den Rückweg. Wind, Wellen und Schiffsmotor sorgen für entspannte Stimmung und die richtige Empfänglichkeit für die Romantik des Rheins.