Siefersheim: Keltenring und Kuhkapellen

Der Weinort Siefersheim liegt inmitten desRebenmeeres der rheinhessischen Schweiz. Foto: Wolfgang Blum

Die Gegend rund um Siefersheim wird auch rheinhessische Toscana genannt. Der Grund hierfür ist das milde Klima. Wolfgang Blum war auf der Bänkelches-Route unterwegs. Er...

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Siefersheim. Eine Landschaft, die etwas auf sich hält, hält sich eine Schweiz. Die von Rheinhessen schließt sich nördlich an das Pfälzer Bergland an und lockert die Monotonie des Reblandes mit Bergen und Bächen, Wäldern und Wiesen auf. Die Gegend rund um Siefersheim ist auch als rheinhessische Toscana bekannt - ein Hinweis auf das milde Klima.

Inmitten dieser mediterran anmutenden Landschaft haben Rheinhessen die Bänkelches-Route angelegt. Die neun Kilometer lange Strecke läuft auf schönen Wiesenwegen und verschlungenen Pfaden durch den Vorderhang der Heerkretz und am Ajaxturm vorbei um den Galgenberg herum hinauf zum sogenannten Horn. Das Naturschutzgebiet rund um die Kuppe, die einst ein keltischer Kultplatz war, erinnert mit seinen Mager-Trocken-Rasen an die Lüneburger Heide. Unterwegs laden Ruhebänke an 15 Stellen mit herrlichem Blick zur Rast ein.

Liebesgeschichte ohne Happy-End

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Mit dem Ajaxturm verbindet sich eine romantische Liebesgeschichte - leider ohne Happy-End. Ein Bauernsohn aus Siefersheim liebte die Tochter eines Müllers aus Neu-Bamberg. Dieser billigte die Liaison nicht und verheiratete das Mädchen mit einem reichen, aber trunksüchtigen Weinhändler. Der Liebende indes, der unverheiratet blieb, vergaß seine Angebetete nie.

Zur Erinnerung an die unglückliche Liebe errichtete er in der Gemarkung einen Turm. Da er Jäger war und sein Hund Ajax ihn immer begleitet hatte, ließ er dessen Nachbildung als Zeichen immerwährender Treue auf die Zinnen setzen. Dort hält Ajax noch heute sehnsüchtig nach einem Frauchen Ausschau.

Hexen und Kuhkapellen

Auf halbem Weg lohnt sich ein Abstecher in das 750 Jahre alte Dorf Neu-Bamberg. Sehenswert sind die evangelische Sankt-Georgs-Kirche, das einzig erhaltene Gebäude des ehemaligen Dorfes Salesheim, sowie die katholische Kirche St. Dionysius neben den Ruinen der Burg auf dem Bergkegel.

Eine besondere Variante, die Bänkelches-Route zu erkunden, bieten die drei "Kräuterhexen" Christine Moebus, Karin Mannsdörfer und Martina Schmitt: Sie berichten von der Mystik des mittlerweile fast verlorenen Kräuterwissens.

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Und noch eine Besonderheit zeigen die Hexen ihren Gästen gerne: kreuzgewölbte Ställe, sogenannte Kuhkapellen. Der Nordpfälzer Maurermeister Franz Ostermayer hat die besondere Bautechnik Mitte des 19. Jahrhunderts erdacht, nachdem die holzgedeckten Ställe immer öfter ein Opfer der Flammen wurden. Heute sind aus den tierischen Schlafplätzen schicke Weinstuben geworden. Ihre Säulen, Bögen und Kapitelle bilden die Kulisse für Konzerte, Lesungen und Feiern - oder auch einfach nur zum Weingenuss.