Rüdesheim: Mechanisches Musikkabinett

Ahnensaal von Siegfried´s Mechanischem Musikkabinett. Foto: MMK

Das Mechanische Musikkabinett in Rüdesheim am Rhein präsentiert seinen etwa 90.000 Besuchern pro Jahr seine 350 selbstspielenden Instrumente aus drei Jahrhunderten.

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Rüdesheim. In Siegfrieds Mechanischem Musikkabinett in Rüdesheim am Rhein fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Sammlung ist eine der größten und schönsten ihrer Art. Der Besucher - etwa 90.000 pro Jahr - kann insgesamt über 350 selbstspielende Musikinstrumente aus dem 18. bis 20. Jahrhundert bewundern, von der zarten Spieluhr bis zum riesigen Konzert-Piano-Orchestrion.

Mechanische oder selbstspielende Musikinstrumente funktionieren wie Computer. Sie haben einen Datenspeicher und eine Anlage, die gespeicherte Informationen zielgerecht umsetzen kann. Dabei ist von untergeordneter Bedeutung, ob nur ein einzelner Ton, ein Signal oder eine Tonfolge zum Erklingen gebracht wird. Zwar war der Begriff "Datenspeicher" zur Blütezeit selbstspielender Musikinstrumente - vom 17. Jahrhundert bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts - unbekannt aber selbst das älteste Datenspeichersystem, die bestiftete Walze, arbeitet nach dem selben Ja/Nein-Prinzip wie der moderne PC. Stift in der Walze bedeutet Ton, kein Stift in der Walze bedeutet kein Ton.

Entwicklungsgeschichte des Kulturgutes "Mechanische Musik"

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Die kulturelle Aufgabe des Museums besteht in der Erforschung, Erhaltung und Pflege mechanischer Musikinstrumente im wissenschaftlich-technischen und musikalischen Bereich. Siegfrieds Mechanisches Musikkabinett ist zugleich der Versuch, die Entwicklungsgeschichte des Kulturgutes "Mechanische Musik" möglichst lückenlos durch funktionsfähige Instrumente darzustellen.

Nimmt man Platz auf einem Biedermeierstuhl, ertönt ein sachte klingendes Spielwerk aus dem Innern. In der Kapelle des Brömserhofes ist eine zweiläufige Pistole zu bewundern, die reichlich mit Intarsien verziert ist. Auch hier treiben unsichtbare Gespenster ihren Schabernack. Drückt man ab, so hüpft ein kleiner metallener Singvogel aus den Läufen und zwitschert ein munteres Liedlein.

Die Idee kam Museumsgründer Siegfried Wendel auf seiner Hochzeitsreise. Zusammen mit Frau Gretel besuchte er Mitte der 60er Jahre ein Freilichtmuseum in der Nähe von Los Angeles. Dort beeindruckte die Touristen aus Germany vor allem ein Haus, das von außen wie ein Saloon aussah, in dessen Innerem sich aber ein ganzes Arsenal mit Player-Pianos und anderen Automaten-Instrumenten befand. Über Hochheim, wo Wendel am 17. Oktober 1969 das "Erste Deutsche Museum für mechanische Musikinstrumente" eröffnete - der Raum im Heimatmuseum wurde aber bald zu klein - kam Wendel in den Brömserhof nach Rüdesheim. Ein alter Rittersitz, knapp fünfzig Meter entfernt von dem Touristenmagneten Drosselgasse.

Beim Gartenfest von Helmut Schmidt

Bundesweit bekannt wurde Siegfried Wendels Sammlung, als ihn der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zu seinem Gartenfest nach Bonn einlud. Von acht Uhr abends bis morgens um vier gaben Wendel und seine Mitarbeiter im Palais Schaumburg ein Konzert mit mechanischen Musikinstrumenten.

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Nach dem Rundgang im Musikkabinett lohnt sich ein Besuch in unserem angegliederten Museums-Shop. Hier finden Sie neben modernen Spieluhren auch Nachbildungen von Automaten, Instrumenten, Spieldosen, Tabakdosen und Vogelkäfigen. Postkarten, Bücher, CDs und Musikkassetten gibt es in grosser Auswahl. Für jedes Portemonaie ist etwas dabei: von der Postkarte zu 60 Cent bis zum Singvogel zu 2.600 Euro.