Was macht eigentlich ein Locationscout?

Roland Gerhardt
© Bernd Diekjobst/dpa-tmn

Sie sind immer auf der Jagd nach dem besten Motiv: Locationscouts suchen Drehorte für Spielfilme oder Werbespots. Doch nur wenige können von dem Job allein leben.

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Berlin (dpa/tmn) - . Eine Maisonette-Wohnung mit Stuckdecke, ruhig, aber zentral gelegen - und bitte mit Parkplätzen vor der Haustür. Was wie die etwas realitätsferne Vorstellung eines Menschen auf Wohnungssuche klingt, ist für Roland Gerhardt ein ganz normaler Arbeitsauftrag.

Der 58-Jährige ist Locationscout und sucht seit über zwanzig Jahren Drehorte für Spielfilme oder Werbeaufnahmen. Ein Nischenberuf, für den es Vorstellungskraft braucht und Reiselust. Wie er zu seinem Job gekommen ist - und wie er die passenden Drehorte aufspürt, erzählt Gerhardt im Job-Protokoll.

Mein Weg in den Beruf:

Im Jahr 1991 habe ich das erste Mal beim Film gearbeitet, als Set-Runner bei einer ZDF-Serie. Die Filmlandschaft war damals im Umbruch. Traditionell waren Szenenbildner dafür zuständig Drehorte zu suchen und vorzubereiten, aber die Anforderungen wurden immer komplexer und die Vorbereitungszeit kürzer. Es hieß dann, früher oder später werde es in Deutschland wie in Amerika sein, man werde Locationscouts brauchen. Das hat mich hellhörig gemacht.

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Ein paar Jahre später habe ich mich für den Beruf des Locationscouts entschieden und so lange rumtelefoniert, bis ich meinen ersten Job hatte. Ich habe eine große Affinität zur Fotografie. Dass das beim Film gebraucht wurde, war eher ein Zufall. In einem anderen Leben wäre ich vielleicht Fotograf geworden.

Meine Aufgaben:

Filme werden oft an Orten gedreht, die eigentlich einen anderen Zweck erfüllen. Locationscouts suchen diese Orte und führen Vorverhandlungen, ob dort überhaupt gedreht werden darf.

Am Anfang lese ich das Drehbuch und unterhalte mich mit Regie, Kamera und Szenenbild darüber, was für einen Look der Film bekommen soll. Man muss versuchen in die Welt einzutauchen, in der sich der Film visuell bewegen soll. Es kann sein, dass man zuerst im eigenen Archiv nach geeigneten Drehorten sucht oder eine Internetrecherche macht. Manche Orte findet man nur durch Herumfahren oder Erfragen. Es geht bei dem Beruf sehr stark darum, die richtige Art der Suche herauszufinden - abhängig davon, was angefragt ist.

Sehr unterschiedlich ist, wie viele Vorschläge ich mache. Während man für einen Spielfilm vielleicht fünf Motive vorschlägt, sind es bei der Werbung schnell mal zwölf bis 15 Orte.

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Wie man Locationscout wird:

Locationscouts sind grundsätzlich Quereinsteiger, da es keine berufliche Ausbildung gibt. Man muss wissen, dass es sich um einen Nischenberuf handelt. Es gibt nur ganz wenige Locationscouts in Deutschland, die wirklich davon leben können. Der Bundesverband der Berufsgruppe hat rund 60 Mitglieder. Insgesamt gibt es vielleicht hundert Locationscouts in Deutschland, die nicht alle in Vollzeit davon leben können. Der Bedarf an neuen Locationscouts ist relativ gering, es sind im Jahr vielleicht bis zu vier Leute, die der Markt verkraften kann.

Wer den Beruf ausüben will, sollte vorab einen Job oder ein Praktikum an einem Filmset, zum Beispiel in der Motivaufnahmeleitung, machen. Dabei lernt man, wie ein Filmset aussieht, wie es organisiert ist, wie der Filmdreh abläuft und welche Anforderungen es gibt.

Außerdem bietet der Bundesverband Locationscouts Fortbildungen an, allerdings nicht regelmäßig und nur für Leute, die bereits eine Vorbildung im Medienbereich haben.

Will man in dem Beruf arbeiten, muss man ein gutes visuelles Vorstellungsvermögen haben. Man sollte gut fotografieren können, keine Angst vor Menschen haben und flexibel sein.

Die schönste Seite des Berufs:

Die Abwechslung macht am meisten Spaß. Es gibt Tage an denen ich nur im Büro sitze und Listen schreibe. An anderen Tagen gehe ich im Regen durch den Wald und es gibt Tage, an denen ich mit Menschen spreche, mit denen ich sonst nie sprechen würde. Man ist ein ständig Reisender. Da ich immer schon gerne gereist bin, gerne mit Menschen arbeite und gerne fotografiere, ist es diese Abwechslung, die den Beruf für mich ausmacht.

Der Verdienst:

Locationscouts arbeiten in der Regel als Freelancer und verdienen 400 bis 600 Euro täglich. Dafür geht etwa die Hälfte für Steuern und Sozialversicherungen ab. Wenn man etwa 15 bezahlte Tage im Monat hat, kommt man damit gut klar.

Wenn man in Saarbrücken sitzt, ist es natürlich schwerer als in Berlin. Kollegen, die in Gegenden arbeiten, wo nicht so viel gedreht wird, haben meistens noch andere Beschäftigungen.

Die Aussichten:

Ich glaube der Beruf des Locationscouts wird noch lange wichtig sein für Film- und Fernsehproduktionen. Selbst wenn inzwischen teilweise mit virtuellen Hintergründen gedreht wird, muss auch diese Hintergründe jemand suchen, denn sie sind normalerweise aus realen Bildern zusammengebaut.

Ich hoffe aber, dass der kreative Input, den Locationscouts geben können, von den Produktionsfirmen künftig noch mehr gewollt wird - und Szenenbild, Regie und Locationscouts besser kreativ zusammenarbeiten.

Karten
Locationscouts finden Orte, die später als Filmschauplätze dienen. Ein Blick in die Karte kann bei der Suche nicht schaden.
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Archiv
Wissen, wo man am besten sucht: Auch der Blick ins eigene Archiv gehört zum Job eines Locationscouts.
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Roland Gerhardt
Kein reiner Schreibtischjob: Um die passenden Drehorte für Filme und Werbespots zu finden, schwingt sich Roland Gerhardt auch mal aufs Rad und recherchiert vor Ort.
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Roland Gerhardt
Raus ins Grüne: Locationscouts wie Roland Gerhardt sind viel unterwegs, um die passenden Orte für einen Dreh zu finden.
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Roland Gerhardt
Roland Gerhardt ist Präsident des Bundesverbands Locationscouts.
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Roland Gerhardt
Blick fürs spätere Bild: Wer wie Roland Gerhardt als Locationscout arbeiten will, braucht ein gutes visuelles Vorstellungsvermögen.
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Telefonat
Ohne Kommunikation geht es nicht: Locationscouts müssen sich unter anderem mit Regie, Kamera und Szenenbild abstimmen.
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