„Wir können Inhalte nicht verschenken“:...

Hans Georg Schnücker, Sprecher der Geschäftsführung der VRM GmbH & Co. KG. Foto: Sascha Kopp

Was Journalisten mit Bäckern gemeinsam haben, warum Artikel auch online Geld kosten und was Recherchen, Analysen und Einordnung wert sind - dazu äußert sich Hans Georg...

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REGION. Aufwendig recherchierte und produzierte Beiträge der VRM, zu der auch dieses Nachrichtenportal gehört, werden digital nur noch als kostenpflichtiger Premium-Inhalt angeboten. „Die Arbeit der Journalisten hat einen Wert und kann digital nicht verschenkt werden“, sagt Hans Georg Schnücker, Sprecher der Geschäftsführung der VRM GmbH & Co. KG, im Interview.

Herr Schnücker, die VRM setzt bei ihren digitalen Angeboten neben kostenlos verfügbaren Nachrichten nun stärker auf Premium-Inhalte, die als „Plus-Artikel“ kostenpflichtig sind. Warum ist dieser Schritt notwendig geworden?

Bei den Plus-Artikeln handelt es sich um Inhalte, die unsere Reporter aufwendig recherchiert und produziert haben. Sie liefern exklusive Informationen, fundierte Hintergründe, pointierte Meinungsbeiträge, Analysen und Reportagen, die auch digital aufbereitet werden. Sie bieten den Lesern und Usern eine klare und unabhängige Einordnung im zum Teil unübersichtlich gewordenen Angebot von wahren, aber auch gefälschten Nachrichten. Das alles kostet Zeit und erfordert Expertise. Unsere Journalisten sind vor Ort unterwegs und machen sich selbst ein Bild, haben regionale und lokale Kompetenz, die keine überregionale Nachrichtenagentur in dieser Form leisten kann. All das hat einen Wert und kann nicht kostenlos verfügbar sein.

Die User in Deutschland sind es aber aus der Vergangenheit gewohnt, dass sie zahlreiche journalistische Inhalte kostenfrei im Internet abrufen können. Das Bezahlsystem wird von manchen nicht akzeptiert …

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Ich antworte dann gern mit dem Beispiel vom Bäcker: Sie gehen auch nicht zum Bäcker und verlangen, dass er Ihnen seine Brötchen schenkt. Er steht seit dem frühen Morgen in der Backstube, bezahlt seine Mitarbeiter, bildet aus, hat Miet- und Stromkosten, muss Maschinen anschaffen. Das ist in einem Medienunternehmen nicht anders. Ob Inhalte in der gedruckten Zeitung am Kiosk oder per Abonnement im Briefkasten landen oder im Internet – die Kosten für das Erstellen der Inhalte durch gut ausgebildete und erfahrene Journalisten sind die gleichen und deshalb können wir sie nicht verschenken.

Im Bereich der Printmedien finden gewaltige Umbrüche statt – traditionsreiche Verlage haben in den vergangenen zehn Jahren Insolvenz angemeldet, wurden geschlossen oder verkauft. Zuletzt kündigte die Kölner Mediengruppe DuMont den Verkauf ihrer Regionalzeitungen an. In welcher Situation befindet sich die Branche in Deutschland?

Die Branche verzeichnet rückläufige Anzeigenumsätze und rückläufige Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Printprodukte. Gleichzeitig sehen sie sich der Konkurrenz durch das Internet und Technologieriesen wie Google, Amazon oder Facebook ausgesetzt. Die ziehen Werbeerlöse in Milliardenhöhe ab, nutzen die Inhalte der Verlage, ohne sich um das Urheberrecht zu kümmern, und sind keinerlei Regulierung unterworfen. Ein unfairer Wettbewerb.

Die Nutzergewohnheiten haben sich aber auch verändert. Selbst junge Leute, in deren Elternhaus es noch eine Zeitung gibt, sind lieber digital unterwegs …

Die jüngeren Menschen suchen Informationen und Unterhaltung in sozialen Netzwerken, bei Bloggern und Youtubern. Es gibt heute viele verschiedene Wege und Kanäle, um an Informationen zu kommen. Die klassische Zeitung verliert aber auch grundsätzlich ihre Funktion als „Schwarzes Brett“, nicht nur bei jungen Leuten. Institutionen, Vereine, Dienstleister, sogar die Politik verbreiten mittlerweile auf ihren eigenen Kanälen ihre Informationen. Auch darauf müssen wir reagieren – mit Qualitätsjournalismus und relevanten Themen.

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Trotzdem kennen junge Leute ja noch regionale oder auch überregionale Zeitungstitel.

Und da müssen wir ansetzen! Aktuelle Studien belegen, dass das Vertrauen in klassische Medien ungebrochen hoch ist. Gerade regionale Tageszeitungen haben eine hohe Glaubwürdigkeit, während soziale Medien in der Vertrauensskala auf dem letzten Platz landen, auch bei der Gruppe der jüngeren User zwischen 18 und 34 Jahren. Dennoch sind die Einnahmen aus dem Verkauf der gedruckten Zeitung rückläufig. Die Menschen rufen Informationen zunehmend auf mobilen Endgeräten ab.

Digitales Engagement ist deshalb wichtig ...

Ja, aber wir müssen als Absender, als seriöse Quelle, auch erkennbar sein. Die große Herausforderung für Verlage ist: Wir dürfen die Printprodukte nicht vernachlässigen, müssen aber gleichzeitig in die digitale Entwicklung investieren – obwohl in diesem Bereich mit journalistischen Inhalten noch wenig Erlöse erzielt werden. Wenn die jüngeren Menschen nach regionalen und lokalen Inhalten suchen, landen sie zu über 70 Prozent auf unseren digitalen Angeboten. Das macht Mut für die Zukunft.

Studien belegen auch, dass die Zeitung das unangefochtene Informationsmedium Nummer Eins ist, wenn es um Informationen über lokale und regionale Themen geht. Ein Pfund, mit dem ein regionaler Verlag wie die VRM wuchern kann und muss?

Die Zukunft des Journalismus liegt im Lokalen. Diese Themen betreffen das Leben der Leser und User direkt. Wir müssen bei der lokalen und regionalen Berichterstattung noch mehr Hintergrundberichte, Meinung und Analyse bieten und bei der Themenauswahl und der Art der Berichterstattung die Leserperspektive im Blick haben. Dabei spielt es keine Rolle, über welchen Kanal die Menschen erreicht werden.

Die VRM hat 2018 und 2019 das Projekt „Lesewert“ durchgeführt, bei dem jeweils rund 400 Zeitungsleser drei Monate lang täglich ihr Leseverhalten dokumentiert haben.

Die Leser haben uns wertvolle Hinweise darauf gegeben, welche Themen sie interessieren und welche Darstellungsformen sie schätzen. Diese Ergebnisse sind Ansporn für die Journalisten, die Qualität der Inhalte stetig zu verbessern – sowohl für die Berichterstattung in Print als auch digital.

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Von Alexandra Eisen