Ärger über SB-Filiale

Ab 15. Januar wird aus der Zweigstelle eine SB-Filiale. Vor allem ältere Kunden sehen das kritisch.Archivfoto: pa/Pakalski  Foto:

Die Sparkasse wandelt ihre Zweigstelle in der Gaustraße ab 15. Januar in eine SB-Filiale um. Dies bedeutet, dass es für die Kunden keinen Ansprechpartner vor Ort mehr geben...

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NEUHAUSEN. Die Sparkasse wandelt ihre Zweigstelle in der Gaustraße ab 15. Januar in eine SB-Filiale um. Dies bedeutet, dass es für die Kunden keinen Ansprechpartner vor Ort mehr geben wird und sie dort nur noch Geldautomaten, Kontoauszugdrucker und Überweisungsterminal zur Verfügung haben werden. Das sehen vor allem viele Ältere kritisch. Auf Wunsch des Ortsbeirats hatte Ortsvorsteher Uwe Merz eine Informationsveranstaltung organisiert, in der Sparkassen-Pressesprecher Volker Rathay das zukünftige Serviceangebot des Kreditinstitutes vorstellte.

Rathay hatte keinen leichten Stand. In der mitunter hitzigen Debatte am Donnerstagabend in der Ortsverwaltung warfen ihm vor allem ältere Sparkassen-Kunden vor, ihre Bedürfnisse zu vernachlässigen. „Der Rückgang von Geschäftsstellenbesuchen für Beratungen ist deutlich spürbar. Zudem ändert sich das Kundenverhalten durch die zunehmende Digitalisierung. Mit der Umwandlung der Filiale reagieren wir auf diese Entwicklung“, begründete Rathay die Umwandlung. Filialen seien weiterhin wichtig, doch viele Aktivitäten wie Kundengespräche und Bankgeschäfte fänden heute auch schon online oder per Telefon statt. Immer weniger Menschen suchten deshalb Filialen auf. Etwa 60 Prozent der Privatkunden verfügten über ein Online-Konto. Diese Entwicklung werde sich in den kommenden Jahren noch verstärken, sodass Vorstand und Verwaltungsrat einstimmig der Beschluss zur Umwandlung in eine SB-Filiale gefällt hätten, erläuterte Rathay Ortsbeiratsmitgliedern und Anwohnern, zusammen gut ein Dutzend Menschen.

Die Sparkasse wolle mit der Umstrukturierung nicht sparen, sondern sich zukunftsfähig machen und die Kundenbetreuung konzentrieren auf sieben Beratungscenter. Unterm Strich werde sich das Angebot, etwa durch das Internetserviceangebot mit Live-Chat werktags von 8 bis 20 Uhr, sogar verbessern. Auch Besuche beim Kunden zuhause seien möglich. Diese Argumente überzeugten die Anwesenden jedoch nur zum Teil. „Die Schließung kommt so plötzlich und überrascht mich“, ärgerten sich Senioren, die mit der Digitalisierung wenig anfangen können. Die Sparkasse habe gerade in Neuhausen viele ältere Kunden, die nicht auf Online-Banking zurückgreifen könnten oder wollten. Die hätten jetzt das Nachsehen. Man wünsche sich das Fortbestehen der Filiale.

„Für die Senioren ist die Hürde zu hoch, ihre Bankgeschäfte ab sofort übers Internet abzuwickeln“, kritisierten auch Dieter Horst und Gernot Lahr vom Seniorenbeirat. Das sei allerdings auch nicht notwendig, da ja weiterhin SB-Geräte in der Filiale zur Verfügung stünden, entgegnete Rathay. Der einzige jüngere Kunde im Zuhörerkreis trägt die Umwandlung mit Fassung und zeigte sogar Verständnis: „In der Nullzinsphase und durch die geringe Frequenz in der Filiale ist so etwas halt ein Kostenfaktor. Das ist sehr bedauerlich, aber was will man machen?“

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Von Karl M. Wirthwein