Zwei junge Syrier machen bei ASB-Programm „Fit für den Job...

Bestanden: Stolz zeigen die beiden aus Syrien stammenden Flüchtlinge Aida Ali (li.) und Nadeem Sherbatji ihre Zeugnisse. Sie haben erfolgreich das ASB-Projekt „Fit für den Job für Flüchtlinge“ absolviert. Foto: BilderKartell/Andreas Stumpf

Eine Ausbildung finden, fit für den Job machen. Das war das Ziel eines ASB-Projekts in Worms. Zwei Asylbewerber berichten von Herausforderungen und Wünschen für die Zukunft.

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WORMS. Wie können anerkannte Asylbewerber und Menschen mit ausländischen Wurzeln in Deutschland gut integriert werden? Darüber wird viel diskutiert – und so manches Projekt verwirklicht, zum Beispiel das des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Der ASB-Kreisverband Worms/Alzey hat bis vor Kurzem das Programm „Fit für den Job für Flüchtlinge“ angeboten. 26 Teilnehmer aus Syrien, Somalia und dem Iran machten mit und schlossen es erfolgreich ab. Gefördert wurde es durch das rheinland-pfälzische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie.

Zu den Teilnehmern gehörten unter anderen Aida Ali und Nadeem Sherbatji. Beide kommen ursprünglich aus Syrien, haben wegen des Krieges vor drei Jahren ihre Heimat verlassen.

Aida Ali macht seit August ein freiwilliges soziales Jahr im Klinikum der Nibelungenstadt. Sie möchte danach eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin machen und anschließend am liebsten in der Kinderstation arbeiten. „Ich will Menschen gerne helfen. Ich freue mich, wenn ich mich kümmern kann“, sagt die 21-Jährige in gutem Deutsch. Nadeem Sherbatji absolviert zurzeit beim Unternehmen Kieback & Peter in Ludwigshafen eine Einstiegsqualifizierung zum Elektroniker, Fachrichtung Automatisierungstechnik. Auch er möchte nach der Qualifizierung im Betrieb bleiben und eine Ausbildung beginnen, danach sogar noch studieren. In Syrien begann der 24-Jährige ein Studium zum Elektrotechnikingenieur.

Ali und Sherbatji haben also den ersten Einstieg ins Berufsleben geschafft. Ein Start, der alles andere als einfach war. Neues Land, neue Umgebung, neue Sprache und viele Herausforderungen – bei denen der ASB mit seinem Programm unterstützt hat.

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Ein Jahr dauerte das Projekt, das von Gertrud Bartsch geleitet wurde. Dabei standen in der Asylbewerber-Unterkunft auf dem Salamandergelände ganz viele Deutschstunden, anderer Schulunterricht, Bewerbungstraining, ein Sanitäterlehrgang und der Besuch von Ausbildungsmessen auf dem Plan. Das Ziel des Ganzen: Die Asylbewerber so weit befähigen, dass sie nun im Berufsleben durchstarten können.

„Wenn man einen direkten Einstieg macht, gibt es massiv Probleme, vor allem in Sachen Verständigung“, sagt Projektleiterin Bartsch. Der Austausch klappt mit Aida Ali und Nadeem Sherbatji nun ordentlich. Die deutsche Sprache zu erlernen, sei schwierig gewesen, berichten die beiden. „Das war nicht leicht. Man braucht viel Geduld“, sagt Ali. Ob es da auch mal Tage gab, an denen man keine Lust auf das Projekt hatte? „Klar“, antwortet Sherbatji und ergänzt: „Es war aber eine schöne Zeit hier.“

Das sieht auch Sozialpädagogin Bartsch so. Als Ali und Sherbatji auf die gemeinsamen Monate zurückschauen und die Projektleiterin dafür loben, bei allen möglichen Anliegen da gewesen zu sein, kämpft Bartsch mit den Tränen. Sie sagt, auch vor dem Hintergrund vieler aktueller Diskussionen zum Thema Flucht: „Die beiden waren geduldig. Man muss die Hintergründe berücksichtigen. Für die Menschen ist es eben nicht so, wie wenn man hier aufwächst.“

Zu den Hintergründen gehört etwa, dass Nadeem Sherbatji lange in Syrien blieb. „Ich habe mir immer wieder gesagt, es wird alles bald besser“, sagt er. Doch es wurde nicht besser. Und so drängte ihn 2015 sein Vater, sich auf den Weg zu machen, von Aleppo in den Libanon, weiter nach Izmir in der Türkei und mit dem Boot nach Griechenland. Das, was er auf dem Schlepper-Boot erlebt habe, möchte er nie wieder erleben, berichtet der 24-Jährige, der nach vielen Stationen schließlich Deutschland erreichte.

Ob er irgendwann mal in die Heimat, wo seine drei Geschwister noch leben, zurückkehren möchte? „Dort gelte ich als Verräter, könnte mein Studium nicht weitermachen.“ Eine Rückkehr ist also eher unwahrscheinlich. Sherbatjis Wunsch für die Zukunft lautet deshalb: „Hier studieren und mich weiterbilden, eine Familie aufbauen, ein ganz normales Leben eben.“

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Von Bastian Hauck