Wormser Spiele-App „schaz“ kann genutzt werden

Und Krawumm! Der Drache fliegt noch. Der Stein hat ihn verfehlt. Stattdessen segelt er in Richtung des Herrnsheimer Schlosses. Die meisten Wände des Prachtgebäudes dürften...

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WORMS. Und Krawumm! Der Drache fliegt noch. Der Stein hat ihn verfehlt. Stattdessen segelt er in Richtung des Herrnsheimer Schlosses. Die meisten Wände des Prachtgebäudes dürften mittlerweile eingerissen sein. Schließlich kommen von allen Seiten Steine mit voller Wucht angerauscht. Und noch lange nicht jeder der „schaz“-Spieler hat den Bogen raus, wie er mit seinem Stein den Drachen vom Himmel holt.

Seit Freitag können die ersten Spiele der „schaz“-App heruntergeladen werden, die beim Rheinland-Pfalz-Tag Anfang Juni die Massen begeistern soll. Die ersten Wormser haben sich noch am selben Tag mit ihrem Smartphone gleich durch die Stadt gespielt, begleitet vom Entwicklerteam der Hochschule. Das gibt bei dem Termin auch Einblicke in Spiele, die erst in den nächsten Wochen noch freigeschaltet werden.

Eine Station ist der Siegfriedstein vor dem Dom. Der schwere Felsbrocken liegt auf dem Platz der Partnerschaft. Der Sage nach soll Siegfried diesen Stein mit einer Lanze über den Dom geworfen haben. Auch gibt es die Variante, dass Siegfried den Stein vom Rosengarten aus vor den Dom geschleudert hat. So wie Siegfried werfen auch die „schaz“-Spieler mit einem schweren Brocken um sich. Und da Siegfried eben der Drachentöter war, versuchen sie, mit ihrem persönlichen Siegfriedstein Drachen zu erschlagen. Die Viecher fliegen über die Rheinpromenade, das Herrnsheimer Schloss.

Wie das sein kann? Die Spieler haben alle ein Smartphone in der Hand, die „schaz“-App ist aufgerufen und vor dem Dom taucht auf dem Display Siegfried auf, der zur Drachenjagd bläst. Wenn die Spieler sich mit ihrem Handy um die eigene Achse drehen, sehen sie, wie die Drachen durchs Bild auf dem Smartphone fliegen. Sie werden mehr und mehr. Drückt der Spieler auf seinem Handy einen Button und zielt gut, wirft er mit dem Stein und trifft damit den Drachen. Oder wirft eben daneben. Das Entwicklerteam um die Professoren Dr. Jan Drengner und Dr. Werner König hilft weiter, wenn es mit dem Zielen überhaupt nicht klappt. „Da oben links können Sie auf dem Display sehen, wie viele Drachen auf diesem Level zu erlegen sind“, sagt Damian Belter vom „schaz“-Team.

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Auf dem Platz der Partnerschaft wird viel gelacht. Die Spieler vollführen Drehungen und Wendungen wie auf dem Tanzparkett. Sie fühlen sich ein bisschen wie Hulk oder Obelix. Voller Kraft. Unbezwingbar. Gestärkt für alle Spiele, die bei der virtuellen Schatzsuche auf sie warten. Wer zum Premierentag am Freitag mit der „schaz“-App durch die Stadt geht, kann den Tresor der Sparkasse plündern. Auf Kaiser Karl V. im Heylshofpark treffen und in den riesigen Luther-Schuhen stehen. Oder die Stimme von Mario Adorf hören. Der Schauspieler spricht nämlich den Prolog zur Spiele-App, die sich am Nibelungenlied orientiert. Die mittelalterliche Sprache des Nibelungenlieds begründet auch den Namen der App „schaz – Wormser Schätze neu entdecken“. So heißt es beispielsweise im Nibelungenlied „die wîle hete Hagene den schaz vil gar genomen“.

Wer mit Details aus der Wormser Geschichte vertraut ist, wird an der App seine Freude haben. Denn dann kann er viele Fragen richtig beantworten und hört oft dieses wunderbare Geräusch, wenn es für die richtige Antwort auf dem Handy-Display Goldstücke regnet. Wer nicht ganz so sattelfest ist in der Wormser Geschichte, hat aber auch Chancen. Dann muss der Spieler auf seiner Schatzsuche nur ein bisschen mehr lesen, die Augen offen halten – und beim Spaziergang durch den Heylshofpark lernen, wo die Bismarck-Büste in Worms früher stand. Auch wenn der Reichskanzler nicht wie der Siegfriedstein durch Worms geschleudert wird, zahlt es sich für den Nutzer aus, wenn er den früheren Standort kennt.

Von Claudia Wößner