Worms: Martin Luther schätzte Wein aus Pfeddersheim

aus 500 Jahre Reformation

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„Darf unser Herr Gott guten Rheinwein schaffen, so darf ich wohl trinken ... “ Luther hat gern gegessen und getrunken. Seine Feinde versuchten, ihm daraus einen Strick zu...

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WORMS. „Darf unser Herr Gott guten Rheinwein schaffen, so darf ich wohl trinken ... “ Luther hat gern gegessen und getrunken. Seine Feinde versuchten, ihm daraus einen Strick zu drehen, und setzten das propagandistische Zerrbild des fressenden und saufenden Reformators in die Welt.

Mathesius, der längere Zeit im Lutherhaus gelebt hat, weiß anderes zu berichten: „Ob er wohl einen ziemlichen Leib hatte, aß und trank er wenig und selten etwas Besonderes, ließ sich an(all)gemeiner Speise genügen.“ Dank der rührigen Werbemanager des Einbecker Brauhauses weiß so ziemlich jeder, dass Luther gerne Bier trank, und das aus Einbeck eben am liebsten. Beides ist richtig. Käthe Luther hat auch nach Einbeck geschrieben. Nämlich die Mitteilung, dass sie in Zukunft nur noch das Bier zu bezahlen gedenke, welches sie selbst bestellt habe.

Angesichts schlechter Trinkwasserversorgung war Bier in der Reformationszeit Volksgetränk. Selbst Kinder und Kranke erhielten Dünnbier. Das Braurecht hatten nicht Privatpersonen, sondern es war als Privileg an Häuser gebunden. So konnte die Lutherin brauen, weil auf dem Luther übereigneten Augustinerkloster Braurecht ruhte. War im Hause Luther Bier Käthes Angelegenheit, so galt Wein als Chefsache. So schrieb der gerade in Weimar weilende Luther im Juli 1540 seiner Frau, sie solle den Famulus Wolf den Wein abziehen lassen. Aus dem Jahre 1544 ist ein Auftrag Luthers an Antonius Lauterbach (Pirna) bekannt, durch den der Reformator 600 Weinpfähle bestellte. Offensichtlich wollte er einen Weingarten mit 600 Rebstöcken anlegen. Mit anderen Worten: Luther betätigte sich als Winzer. Dabei scheint er wichtige Entscheidungen zu zeitlichen Abläufen beim Ausbau sowie dem Umfang von Produktion sich selbst vorbehalten zu haben.

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Anno 1521 fand in Worms jener Reichstag statt, auf dem Luther Weltgeschichte machte. Und selbstverständlich gibt es auch ein paar Weinhistörchen, die damit verbunden sind. Da ist zunächst das Arbeitsfrühstück beim Erzbischof von Trier, in dessen Verlauf Luther das Glas am Mund zerspringt. Dann die Sache mit den Juden, die Luther aufsuchen, mit ihm Fragen des Alten Testaments diskutieren wollen und ein Weinpräsent überreichen. Schließlich jener Bericht des päpstlichen Nuntius’ Aleander über die Abreise des Verhassten, den er Malvasier trinkend und Brot zur Marschverpflegung röstend als dem „Trünke in hohem Grade ergeben“ schilderte. Interessanterweise ist Aleanders Zerrbild diffus und verblasst, aber vielfach noch in Erinnerung. Man sogar im Malvasier Luthers „Lieblingswein“ zu sehen.

Das ist falsch, denn besagter Südwein wurde Luther auf Anordnung seines Kurfürsten zur Stärkung vor der Reise zugeschickt. Aber dieser Unsinn verstellt den Blick auf eine vor allem für Worms wichtige weitere Quelle. Die stammt von Johannes Mathesius, der längere Zeit im Lutherhaus gelebt hat. Er berichtet, Luther habe sich im Herbst 1540 von einem in unserer Gegend ansässigen und bei ihm studierenden jungen Edelmann gute 60 Liter neuen Wein aus Pfeddersheim mitbringen lassen. Der stand dann – möglicherweise zum Geburtstag des Hausherrn – auf dem Tisch des Reformators. Der wiederum war begeistert. „Wie gefällt euch der Pfeddersheimer?“, fragte er und fügte hinzu: „Unser Herr Gott will der Welt einen guten Trunk zur Letzt einschenken.“ Das Jahr 1540 hatte einen heißen Sommer und gilt als ausgezeichnetes Weinjahr. So hat man wohl schon früh gelesen. Der Tropfen auf Luthers Tisch war vielversprechend und wie ihn der Reformator offensichtlich schätzte: vollmundig, angenehm, mit feiner ausgewogener Säure.

Von Alfred Pointner