Wissenschaftlichee Beirat für die Ausstellung zum Wormser...

Markus Formann bei archäologischen Ausgrabungen im alten Kreuzgang des Andreasstifts. Foto: photoagenten/Ben Pakalski  Foto: photoagenten/Ben Pakalski

Der wissenschaftliche Beirat für die große Reichstags-Ausstellung 2021 ist zum ersten Mal zusammengekommen und hat im Andreasstift fast einen ganzen Tag lang das Thema Luther...

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WORMS. Der wissenschaftliche Beirat für die große Reichstags-Ausstellung 2021 ist zum ersten Mal zusammengekommen und hat im Andreasstift fast einen ganzen Tag lang das Thema Luther und die Reformation und die Frage, wie dies in eine Ausstellung münden kann, diskutiert. Dabei ist die Grundlage das von Dr. Katharina Kunter im Auftrag der Stadt erarbeitete Grundkonzept. Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek zeigte sich nach dieser ersten Sitzung überzeugt davon, dass die Mitglieder des Beirates „alle Experten auf dem höchsten Niveau“ sind. Das Gremium sei zudem international besetzt mit Vertretern aus den verschiedensten Disziplinen, wodurch auch die unterschiedlichsten Aspekte von Luthers Auftreten beim Reichstag 1521 in Worms beleuchtet werden könnten.

„Freiheit, Gewissen, Toleranz – der Wormser Reichstag 1521“, so lautet der Arbeitstitel für die Ausstellung, die vor allem im Andreasstift stattfinden soll. Bis dahin soll das städtische Museum saniert und umgebaut sein. „Der Bauantrag dazu ist gestellt, im Herbst dieses Jahres soll es losgehen“, berichtete Dr. Josef Mattes, Vorsitzender des Altertumsvereines, der hier als Bauherr auftreten soll. Neben dem Kirchenraum und dem heutigen „weißen Saal“ werden dann die derzeit noch als Verwaltungsräume genutzten Flächen im Erdgeschoss für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. Auch der Kreuzgang wird sich verändern, dort ist aktuell das Grabungsteam der Landesarchäologie aktiv. Gefunden wurden rund zehn Gräber, was in Kreuzgängen durchaus häufiger der Fall sei, so Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie. Genauere Datierungen sind bislang noch nicht möglich. Noch ist auch nicht klar, ob Fundamente des ursprünglichen Kreuzganges auftauchen. Der soll nämlich rekonstruiert werden, sodass tatsächlich wieder an allen vier Seiten (und nicht wie bislang an zwei Seiten) ein Wandelgang existiert.

Zum Sprecher des wissenschaftlichen Beirates wurde Professor Dr. Thomas Kaufmann gewählt, ein ausgewiesener Fachmann für die Reformationsgeschichte. Er zeigte sich zunächst sehr erfreut darüber, dass die Stadt Worms mit so viel Optimismus an das Projekt herangehe. In der Ausstellung werde es natürlich auch um das Ereignis selbst gehen, also den Reichstag, aber insbesondere um die Rezeptionsgeschichte und ihre Wirkung bis in die Neuzeit, etwa zu Martin Luther King. Kaufmann machte dabei unter anderem deutlich, dass Luther selbst dem Reichstag im Nachhinein wenig Bedeutung zugemessen habe, wie etwa ein Brief von ihm an Lucas Cranach zeige. Zugleich allerdings wurde seine Widerrufs-Verweigerung zu einem „Medienereignis“ von bis dahin nie da gewesener Intensität.

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Die Grundlinien des Ausstellungskonzeptes sollen bis Ende dieses Jahres festgelegt sein. Bis Ende des Jahres 2018 soll dann die Liste der Objekte stehen, die gezeigt werden können – das muss zunächst eine „Wunschliste“ sein. Ab 2019 können dann konkrete Leihanfragen in den Museen und Institutionen laufen, die diese Objekte besitzen. Noch 2018 soll es zudem eine Tagung zu den Themensträngen der Ausstellung geben, kündigte Dr. Katharina Bunter an, diese werde öffentlich sein.

Auch wenn die inhaltlichen Details noch ausgearbeitet werden, klar ist, dass die Ausstellung multimedial sein wird, mit Audioguides auch speziell für Kinder und Jugendliche. Es solle ein gelungener Mix aus Originalzeugnissen als auch neuen Medien sein, so Dr. Olaf Mückain, Leiter der Wormser Museen.

Das städtische Museum im Andreasstift soll Mittelpunkt der Ausstellung sein, aber andere Orte einbezogen werden. Der Besucher wolle natürlich wissen, „wo war das alles eigentlich“, so Kaufmann. Aber auch das Reformationsdenkmal könne eingebunden werden. Das wurde im Übrigen 1868 enthüllt, was sich also im kommenden Jahr zum 150ten Male jährt.