Schülerforschungszentrum im BIZ besteht seit zwei Jahren

Zwei der talentierten Nachwuchsforscher: Emanuel Bauer (l.) und Linus Klopsch. Foto: BilderKartell/Ben Pakalski

Nach Herzenslust naturwissenschaftlich experimentieren – das dürfen Gymnasiasten und IGS-Schüler im gut ausgestatteten Labor. Aber nur, weil die Wirtschaft als Sponsor auftritt.

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WORMS. Ein Kühlschrank, der ganz ohne Strom auskommt. Ein elektrischer Türöffner, der mit programmierter Chipkarte und Lichtschranke tadellos funktioniert: Viele Schüler, die freiwillig und außerhalb der Schulzeit im „Forschungszentrum“ des Bildungszentrums (BIZ) experimentieren, hatten im Flur vor dem Labor die Ergebnisse ihrer Tüfteleien ausgestellt, um sie den zahlreichen Besuchern stolz zu präsentieren. Das hatte natürlich seinen Grund: Das Schülerforschungszentrum besteht jetzt zweieinhalb Jahre. Zeit für die dort kooperierenden Schulen Gauß-, Rudi-Stephan- und Eleonoren-Gymnasium sowie seit Kurzem auch die Nelly-Sachs-IGS, den Sponsoren aus der Wirtschaft Dank zu sagen, aber gleichzeitig intensiv darum zu werben, diese von allen Seiten sehr gelobte Einrichtung weiter am Leben zu erhalten.

Warum das extrem wichtig ist, bewiesen Linus Klopsch und Emanuel Bauer. Sie entziehen Blättern und Gräsern die darin enthaltenen grünen Farbpigmente, das Chlorophyll. Dann beobachten sie Bakterienkulturen, fügen Chlorophyll hinzu und wollen dann untersuchen, ob sie dadurch das Bakterienwachstum hemmen können. „Wenn ja, könnte man daraus eventuell ein Heilmittel entwickeln“, erläutern die beiden 16-jährigen Gauß-Gymnasiasten. Ob es klappt? Linus und Emanuel wissen es nicht. „Aber es macht uns einfach Riesenspaß. Im Forschungszentrum haben wir die Zeit und die Freiheit zum Experimentieren, die im normalen Unterricht sonst fehlt.“

„Wir wollen naturwissenschaftliches Denken fördern. Denn wir brauchen Leute, die naturwissenschaftliches Verständnis haben und sich dadurch auch als mündige Bürger einbringen können“, betonte Rudi-Schulleiter Dr. Burkhard Keilmann bei der Begrüßung. Er wie seine Kollegen Gerrit Mennecke (Gauß) und Rita Lodwig (Elo) lobten die Arbeit im Forschungszentrum über alle Maßen. In ganz Rheinland-Pfalz sei diese von Industrie und Banken kräftig geförderte Einrichtung ein Novum. „Es gibt nichts Vergleichbares“, strich Mennecke heraus und erinnerte dabei auch an den leider früh gestorbenen Initiator, den ehemaligen stellvertretenden Gauß-Chef Volker Maurer. „Ohne ihn hätte es das Zentrum nicht gegeben, es ist sein Lebenswerk.“ 2014 haben sich die genannten Schulen beworben, im November 2016 wurde Eröffnung gefeiert. Dienstags, mittwochs und freitags darf seitdem nach Herzenslust unter Anleitung engagierter Lehrer getüftelt werden. „Wir sind noch in der Aufbauphase. Unser Ziel ist es, dass an jedem Nachmittag geöffnet ist. Dazu könnten wir allerdings noch einige Helfer brauchen“, sagte Elo-Leiterin Lodwig. Sie wünscht sich außerdem, Kooperationen mit Unis aufzubauen.

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BASF-Vertreter Dr. Joachim Wünn betonte, dass sein Unternehmen gerne einen Beitrag geleistet habe, weil es an Schulen solche Labore leider nicht gebe. „Der Erfolg gibt uns recht“, urteilte Wünn mit Blick auf die IGS, die gerade bei „Jugend forscht“ zwei Preise abgeräumt habe.

„Es muss knallen, stinken, rauchen“: Schüler müssten eigene Erfahrungen machen können, dann sei naturwissenschaftlicher Unterricht gut, lobte Schuldezernent Waldemar Herder das mit Hilfe von Unternehmen und Banken geförderte „tolle“ Projekt, das die „leider hinterher hinkende, klamme“ Stadt im Rahmen ihrer bescheidenen Mittel ebenfalls gerne und „wohlwollend“ unterstütze. „Für andere Probleme gibt es sicher auch noch Lösungen“, merkte Herder an, ohne die von den BIZ-Gymnasien lange geforderte, aber immer noch nicht terminierte Generalsanierung der naturwissenschaftlichen Räume namentlich anzusprechen.