Rheinland-Pfalz-Tag: Mit VR-Brille in die Welt der...

Flanieren wie bei den Festspielen und schon mal Atmosphäre schnuppern: Das war im Heylshofpark möglich.Foto: photoagenten/Balzarin  Foto: photoagenten/Balzarin

Einmal als „Star“ bei den Nibelungen-Festspielen über den roten Teppich flanieren und sich lässig den vielen Fotografen präsentieren – davon mag der ein oder andere...

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WORMS. Einmal als „Star“ bei den Nibelungen-Festspielen über den roten Teppich flanieren und sich lässig den vielen Fotografen präsentieren – davon mag der ein oder andere träumen. Wer durch den Heylshofpark flanierte, der durfte nicht nur viel Festspielatmosphäre schnuppern, weil dort alles schon genauso aufgebaut war wie bei den Festspielen. Er konnte auch seinem großen Wunsch ein kleines Stückchen näher kommen, zumindest bildlich mithilfe ausgeklügelter Greenbox-Technik.

Täuschend echt in Festspielkulisse einmontiert

Ein kurzer Griff in die Requisitenkiste, eine Pose vor grünem Hintergrund, zwei, drei Fotoklicks – und nur wenige Minuten später war die Illusion perfekt, denn die Damen einer Kieler Event-Firma montierten den gerade Abfotografierten so geschickt in die Festspielkulisse vor dem Heylshof-Entrée, dass die ausgedruckte Postkarte tatsächlich täuschend echt wirkte. Das begeisterte nicht nur Gudrun Cassel-Pfeiffer, die mit ihren beiden Freundinnen aus Steinwenden bei Ramstein nach Worms gekommen war. „Wir hatten vor drei Jahren den Rheinland-Pfalz-Tag bei uns. Das hat mir sehr gefallen, deshalb sind wir heute hier. Außerdem war ich schon bei den Nibelungen-Festspielen“, berichtete die Pfälzerin, die ganz begeistert war vom vielfältigen Angebot des Landesfestes in Worms. „Wir wollen uns möglichst viel anschauen“, kündigte sie an, nahm sich ihre Postkarte und zog gut gelaunt weiter – wie so viele andere auch.

Gegenüber im großen Zelt, wo während der Festspiele das Restaurant untergebracht ist, hatte Professor Alexander Wiebel mit seinen Studenten drei Virtual-Reality-Stationen aufgebaut. Fünf weitere waren über die Stadt verteilt. „Ich dachte wirklich, ich sitze im Riesenrad“, zeigte sich die zwölfjährige Leonie Hoffmann total begeistert von dem, was sie in ihren siebenminütigen Ausflug in die virtuelle Welt erlebt hatte. „Cool, alles hat total echt gewirkt“, urteilte Fabian von Hasseln (13), als er die dicke Brille abgesetzt hatte.

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Jazz and Joy, Nibelungen-Festspiele, Backfischfest, Spectaculum oder eine Zeitreise: Wer mithilfe der VR-Brille und Hinweisen der an den drei Stationen postierten Studenten durch einen Spiegel in die Scheinwelt eintrat, der konnte Verblüffendes erleben. Etwa, wenn er plötzlich auf der Festspieltribüne sitzt, auf der Bühne in den Zugwaggon der letzten Aufführung „Glut“ zu Hauptmann Klein alias Schauspieler Heio von Stetten steigt oder selbst ins Geschehen eingreift und im Zug das Signal zur Abfahrt geben kann.

„Die Resonanz ist sehr gut, zu 99 Prozent bekommen wir ein positives Feedback“, freute sich Wiebel, dass das mit seinen Studenten entwickelte VR-Projekt so großen Anklang fand. Es ist Teil der großen „schaz“-Projektes, zu der auch die gleichnamige Spiel-App gehört. Die Wormser Zeitung ist als Partner mit von der Partie.

Weil angesichts der faszinierenden Erfahrungen durchaus die Gefahr besteht, Zeit und Raum völlig zu vergessen und sich dann lange Schlangen bilden könnten, habe man den Trip auf sieben Minuten begrenzt, erläuterte Wiebel. „Einige gehen dann zu einer anderen VR-Station in der Stadt und spielen dort weiter“, hat Magnus Eckenfels beobachtet. Er ist Student, Mitglied in Wiebels findiger Truppe und hat bei der Entwicklung wahnsinnig viel gelernt, wie er versichert. Weiterer Vorteil: Er befragt die VR-Tester im Heylshofzelt und erhält dadurch zusätzliches Material für seine Bachelor-Arbeit.

Es gab natürlich auch viele Parkbesucher, die weniger „virtuell“ interessiert waren, sondern ganz real Hunger und Durst hatten. Nicht zuletzt deshalb waren Tische und Stühle an der blutroten Brunnenanlage meist gut besetzt – ganz wie bei den Festspielen.