Rheinland-Pfalz-Tag in Worms: Sicherheit ist im Budget der...

Der Aufbau der Sicherheitsvorkehrungen in Worms hat begonnen: Container stehen an der Ecke Lutherring/Kriemhildenstraße bereit. Foto: photoagenten / Ben Pakalski

Am Freitag geht er los, der Rheinland-Pfalz-Tag 2018 in Worms. Bis dahin wird überall zwischen Hauptbahnhof und Rhein noch gewuselt, gewerkelt, geschraubt und gewienert. Und...

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WORMS. Sogar die Parkbänke zu Füßen des großen Reformators Martin Luther werden schnell noch neu gestrichen, damit sich die Stadt zum Rheinland-Pfalz-Tag wirklich von ihrer besten Seite zeigt. Überall zwischen Hauptbahnhof und Rhein wird gewuselt, gewerkelt, geschraubt und gewienert. Der Pfingstmarkt ist wohl noch nie so schnell abgebaut worden wie in diesem Jahr, um Platz für die RPR-1-Bühne und die Blaulicht-Organisationen zu schaffen, die sich hier ab Freitag präsentieren werden. Am Dom-Südplatz ist die große Freitreppe gerade noch rechtzeitig fertig geworden, die letzten Bauzäune sollen bis zum Start des Festes auch noch verschwunden sein.

Der Aufwand für das dreitägige Spektakel, zu dem 300.000 Besucher erwartet werden, ist immens. Das gilt auch für die Kosten. Während das Landesfest vor zwei Jahren in Alzey am Ende einen kommunalen Zuschuss von exakt 228.007,27 Euro brauchte, wie der dortige Kämmerer nach dem Schlussstrich unter der Endabrechnung erklärte, rechnet die Stadt Worms mit Kosten von 1.002.000 Euro, also etwas mehr als einer Million Euro. Die tatsächlichen Gesamtkosten sind dies allerdings nicht.

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Vielzahl an städtischen Mitarbeitern

So sind in diesem Betrag die Personalkosten für die vielen städtischen Mitarbeiter, die seit Wochen und Monaten für das Fest arbeiten, nicht enthalten. Auf Nachfrage der WZ erklärte OB Kissel dazu, dass die Vorbereitung im laufenden Betrieb der Verwaltung umgesetzt werde. Eine separate Zeiterfassung finde dabei nicht statt. Kissel: „Ich bin glücklich und stolz, dass unsere Mitarbeiter sich neben ihren originären Aufgaben mit solchem Engagement der Planung des Rheinland-Pfalz-Tages gewidmet haben und dies auch immer noch tun.“

Auch während der Veranstaltung von Freitag bis Sonntagabend ist eine Vielzahl von städtischen Mitarbeitern als Helfer eingesetzt. Dieser Einsatz werde als Arbeitszeit gutgeschrieben. Das werde aber nicht finanziell ausgeglichen, sondern die Überstunden würden dann abgebaut, „unter Einhaltung des geordneten Dienstbetriebes.“ Deshalb geht Kissel davon aus, dass die Aufarbeitung der Großveranstaltung sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen, den laufenden Betrieb in der Stadtverwaltung jedoch nicht spürbar beeinträchtigen werde.

Präventive Sicherheitsmaßnahmen

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Nicht enthalten in dem städtischen Zuschuss sind die Kosten für die Polizei, da deren Einsatz eine hoheitliche Aufgabe ist und damit nicht der Kommune anzulasten. Sehr wohl aber muss der Einsatz etwa des THW, das mit seiner Küche die ganzen Einsatzkräfte versorgt, bezahlt werden. Überhaupt: Dass der Wormser Rheinland-Pfalz-Tag die Stadt fünfmal so teuer kommt wie in Alzey, liegt zum einen natürlich an der Größe. Zum anderen und vor allem aber: Nach dem Alzeyer Landesfest gab es den Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Seither sind die Kosten für Sicherheitsmaßnahmen geradezu explodiert.

In Worms entstehen jetzt nach Angaben der Stadt alleine für präventive Sicherheitsmaßnahmen Kosten in Höhe von 430.000 Euro. Für die Infrastruktur des Festes mit seinen 13 Bühnen und 32 Aktionsflächen sind weitere 470.000 Euro veranschlagt, wobei ein großer Teil davon erneut eben durch das Sicherheitskonzept bedingt oder beeinflusst wird, etwa für Beschilderung, Verkehrsführung, Notdienste, elektronische Infrastruktur und anderes mehr. Marketing, Programm, Reinigung und anderes kosten dann noch einmal 663.000 Euro.

Zieht man nun die bislang bekannten Einnahmen in Höhe von 561.000 Euro durch Sponsoring, Spenden, Standgebühren und Zuschüsse ab, kommt man auf die rund eine Million Euro städtischen Zuschuss. Aus Sicht von Oberbürgermeister Michael Kissel gibt es dazu keine Alternative: „Wir waren uns von Anfang an darüber einig, dass wir in puncto Sicherheit keine Abstriche machen würden.“

"Vorbereitungen haben Stadtstolz erzeugt"

Wenn ein kleines Städtchen wie das pfälzische Annweiler am Trifels, wo das Landesfest im kommenden Jahr gefeiert werden wird, dies stemmen soll, darf man das getrost als große Herausforderung betrachten. Clemens Hoch, Chef der Staatskanzlei, hat dazu schon angekündigt, dass eben wegen der veränderten Sicherheitslage in der Konzeption des Landesfestes und der Art der Zusammenarbeit Veränderungen notwendig seien.

Auch wenn davon die Stadt Worms nicht mehr profitieren wird: Keine Frage ist es für Oberbürgermeister Michael Kissel, dass sich dieser ganze Aufwand lohnt. Gegenüber der WZ betont er: „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Rheinland-Pfalz-Tag alle Anstrengungen wert ist!“ Grundsätzlich sei das Landesfest eine tolle Möglichkeit, die Stadt auch nachhaltig touristisch zu stärken.

Vor allem aber nehme er eine starke, identitätsstiftende Wirkung nach innen wahr: „Seit Monaten bereitet sich eine Vielzahl an ehrenamtlichen Akteuren intensiv darauf vor, ihre Heimatstadt Worms mit all ihren wunderbaren Facetten zu präsentieren. Die Vorfreude und die gemeinsamen Vorbereitungen haben hier ein Zusammengehörigkeitsgefühl und einen Stadtstolz erzeugt, der sicherlich nachwirken wird.“ Diese Begeisterung wirke auch auf die Bevölkerung ansteckend, meint der OB.