Meinung

Kommentar zum Luther-Wochenende: Mut machen

Claudia Wössner

Beim Fernseh-Gottesdienst am Sonntag hat sich Kirchenpräsident Volker Jung deutlich gegen die Vereinnahmung Martin Luthers durch Querdenker und Corona-Leugner ausgesprochen....

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Beim Fernseh-Gottesdienst am Sonntag hat sich Kirchenpräsident Volker Jung deutlich gegen die Vereinnahmung Martin Luthers durch Querdenker und Corona-Leugner ausgesprochen. Wie wichtig das war, hat sich am Wochenende in Worms gezeigt: Am Samstag beriefen sich erst Rechtsextreme auf Luther, am Sonntag dann Querdenker. Sie alle wollten in Worms stehen und konnten nach eigenem Bekunden nicht anders. Ob man aber in 500 Jahren über sie sagen wird, dass sie außerordentlichen Mut gezeigt haben und mit ihren Ideen die Welt revolutioniert haben? Ganz bestimmt nicht. Und nein, sie haben zwar Unruhe in die Stadt gebracht, aber der Stadt Worms haben sie ihr Luther-Wochenende damit nicht kaputtgemacht. Das Einzige, was den Veranstaltern und Machern einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, war die Corona-Krise. Bei den Festlichkeiten waren keine Besucher zugelassen. Und das war vor allem bei der Multimedia-Inszenierung des „Luther-Moments“ auf dem Marktplatz ausgesprochen schade. Die Wände der Dreifaltigkeitskirche wurden zum Wackeln und Beben gebracht – auf positive Art und Weise. In dieser Hinsicht erinnerte die Inszenierung an „Siegfrieds Erben“, das umjubelte Stück der Nibelungen-Festspiele aus dem Jahr 2018. Damals wackelte dank eindrucksvoller technischer Effekte der Dom, diesmal war es die Dreifaltigkeitskirche. Was ist dein Luther-Moment? Das wurden die Zuschauer am Ende gefragt – und einen dieser Luther-Momente können wir alle in der Corona-Krise haben: Mutig sein und den Corona-Leugnern und Querdenkern klarmachen, dass das, was sie sagen, oft ziemlicher Unsinn ist; zugleich aber auch den Mut zu haben, sich in der Krise Fragen und sachlicher Kritik zu stellen und anderen Mut zu machen, die in diesen Tagen den Mut schon lange verloren haben.