In der Kaiser Passage Worms entstehen Skulpturen aus Sand

Centermanager Jens Buschbacher macht symbolisch den „First Cut“  an dem späteren Leuchtturm. Unter anderem arbeitet Montserrat Custean an dieser Skulptur. Foto: BK/Christine Dirigo

Sand, so heißt es, rinne einem durch die Finger. Ja, bestimmt, wenn man nicht weiß, wie man daraus haltbare Skulpturen formen kann. In Worms zeigen sie, wie es geht.

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WORMS. „Viele meinen, wir spielen da im Sand. Dem ist nicht so. Da gehört ein bisschen mehr dazu.“ Benno Lindel von der Düsseldorfer Künstlergruppe „Sandcity“ weiß, wovon er spricht. Wie viel mehr dazu gehört, davon können sich die durch die Kaiser Passage Flanierenden die nächsten Wochen ein Bild machen. Die Kaiser Passage Worms zeigt nämlich bis zum 29. August Sandskulpturen unter dem Motto: „Sommer, Sonne, Sand und Mee(h)r“. Das Besondere an dieser Ausstellung: Die Besucher können zusehen, wie die Kunstwerke entstehen, sagt Centermanager Jens Buschbacher. Zumindest mit den Augen sind sie eingebunden in den laufenden Prozess, der am ersten Tag der Sommerferien seinen Anfang genommen hat und gut zwei Wochen dauern wird. 34 Tonnen Sand werden zu Urlaubsimpressionen verarbeitet: von einem Leuchtturm angefangen über ein Unterwasserriff bis hin zum Fischerboot.

Mit ins künstlerische Boot hat Benno Lindel die Sandskulpturenkünstler Montserrat und Sergi aus Katalonien sowie Lucas aus den Niederlanden geholt. Die drei haben zum Teil auch schon an der vom Guinness-Buch zertifizierten Weltrekord-Höhe von 16,68 Meter in Duisburg 2017 mitgewirkt. Die künstlerische Leitung hatte damals ebenfalls Lindel. Dieser Rekord wurde allerdings zwei Jahre später auf Rügen mit 17,66 Meter von einem anderen Team geknackt. Doch zurück nach Worms: Die Skulpturen in der Kaiser Passage werden eine Höhe von rund 2,20 Meter erreichen und aus jeweils sechs bis zehn Tonnen Sand geformt. Der Sand wird in hölzernen Verschalungen zunächst stark komprimiert. Der somit entstandene „Sandblock“ entwickelt so die notwendige Festigkeit, damit die Skulpturen für längere Zeit erhalten werden können. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung ist Sand nämlich ein dauerhafter Baustoff – falls nicht gewaltsame Eingriffe die Figuren zerstören. „Oder die Sprinkleranlage“, scherzt Lindel.

Den offiziellen „Ersten Schnitt“ an einer der Sandskulpturen hat Jens Buschbacher vollzogen. Ganz vorsichtig ritzt er in den Sand hinein. „Da passiert nichts“, wird er von den Profis beruhigt. Doch offenkundig besteht Respekt vor dem vermeintlich fragilen Werkstoff, aus dem nun beeindruckende Kunst wachsen wird.

Von Martina Wirthwein