Im Herzen lebendig: Wormser Initiative "Sternengeflüster"...

Jaqueline Pieper (l.) und Klaudia Grischowsky engagieren sich in der Initiative "Sternengeflüster". Foto: photoagenten/Ben Pakalski

Die Initiative "Sternengeflüster" erinnert an Kinder, die im Verlauf der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Für die "Achterbahn der Gefühle§ gibt es...

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WORMS. Sie tragen unterschiedliche Kosenamen. Engel, Zuckerschnute, Pünktchen und die Große sind nur einige Beispiele. Doch die Kinder, um die es in dieser Geschichte geht, werden niemals darauf hören – denn sie leben nicht mehr. Sie kamen vor dem errechneten Geburtstermin nicht lebensfähig zur Welt, starben im Verlauf der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt am plötzlichen Kindstod. Aber sie haben gelebt, denn auch wenn sie tot geboren wurden, schlug ihr Herz im Bauch ihrer Mutter.

„Sie wurden geliebt“, sagt Klaudia Grischowsky. Sie ist eine jener Mütter, die sagt: „Unser Kind ist zu den Sternen gegangen.“ Sie und ihr Mann sind Sterneneltern und gehören der Initiative „Sternengeflüster“ an, die Vanessa Ross im Januar 2015 in Frankenthal gegründet hat. Vor einigen Monaten zog die Gruppe in den Wormser Stadtteil Horchheim um. In der evangelischen Gustav-Adolf-Gemeinde waren die engagierten Eltern auf Birgit Volk, eine diesem Thema gegenüber sehr aufgeschlossene Pfarrerin, getroffen.

"Trauer hat eine enorme Kraft"

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Das WZ-Gespräch findet im weihnachtlich geschmückten Essbereich im Zuhause von Jacqueline Pieper statt; sie ist ebenfalls eine Sternenmutter. Es ist sichtbar das Zuhause einer Familie. Ein Kinderhochstuhl steht am Tisch, das eine und andere Spielzeug hat es vom Kinderzimmer ins Wohnzimmer geschafft und ein Fotoständer gibt Aufschluss über vergnügliche Unternehmungen, die bildlich festgehalten worden sind. Im Herzen stets dabei: Leon und Celine. Sie sind die Sternenkinder der Familie Pieper und somit die Geschwister zweier „Folgewunder“, wie Jacqueline Pieper ihre 2012 und 2016 gesund geborenen Kinder bezeichnet.

Klaudia Grischowskys Sternenkind heißt Anni. Das 580 Gramm leichte Zwillingsmädchen durfte 13 Tage am Leben bleiben, ehe es für immer die Augen schloss. Schwesterchen Lina überlebte nach mehrmonatigem Kampf und ist heute ein gesunder vierjähriger Wirbelwind. Beide Frauen sind froh über die Gründung von Sternengeflüster. „Trauer hat eine enorme Kraft. Sie will gelebt und gefühlt werden. Dafür bieten wir einen geschützten Rahmen, den wir als Betroffene in der Gesellschaft nicht haben“, sagen Pieper und Grischowsky.

Floskeln wie "Ihr könnt es doch wieder versuchen" schmerzen

Sie wissen um die „Don’ts“ im Umgang mit diesen Eltern. Floskeln wie „Ihr könnt es doch wieder versuchen“ oder „Ihr seid doch noch jung“ schmerzen. Oft stoßen Sterneneltern im Umfeld auf Unverständnis und teilweise unwissentlich verletzende Aussagen. Respektlos und traurig finden beide Mütter auch die Festlegung, dass es sich bei Beendigung der Schwangerschaft vor der 24. Schwangerschaftswoche und einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm um eine Fehlgeburt handelt. Erst ab einem Geburtsgewicht von 500 Gramm spricht man von einer Totgeburt. „Viele Leute vergessen, dass es Kinder sind, die wir zur Welt gebracht haben. Auch wir sind Eltern“, zeigt Klaudia Grischowsky Unverständnis ob dieser Gesetzeslage.

Die Sterneneltern treffen sich einmal monatlich im Gustav-Adolf-Saal in Horchheim. Es wird gebastelt, es wird geredet; es wird geweint, aber auch gelacht. Je nachdem, wo sich die Achterbahn der Gefühle gerade befindet. Hilfe und Unterstützung in Akutsituationen sind eine Selbstverständlichkeit. Noch ist es eine lose Zusammenkunft. Doch im nächsten Jahr ist eine Vereinsgründung geplant, unter anderem, damit die Gruppe auf rechtssicherem Boden steht und durch Spenden das kostenfreie umfangreiche Angebot erweitern kann. Zum Beispiel durch 3D-Hand-und Fußabdrücke aus Gips.

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Von Martina Wirthwein