Haus in Wormser Rheinstraße nach Verpuffung beschlagnahmt

Viel Arbeit für das THW: Nach der Verpuffung in Worms muss es die Außenwand zum Nachbarhaus abstützen.  Foto: BilderKartell/ Andreas Stumpf

Eine Verpuffung in einem Gebäude sorgte im Februar für einen hohen Schaden. Nun hat die Polizei die Ursache gefunden - doch ist noch unklar, ob fahrlässiges Handeln im Spiel war.

Anzeige

WORMS. Nach einer heftigen Verpuffung Mitte Februar hat die Polizei jetzt das Haus in der Rheinstraße/Ecke Haspelgasse beschlagnahmt. Hintergrund ist, dass die Ermittler zwar die Ursache für die Verpuffung klären konnten: Es war eine Spraydose, die im Bereich eines Heizstrahlers abgelegt war und zu heiß wurde. Offen bleibt allerdings gleichwohl eine wesentliche Frage: Wurde die Spraydose fahrlässig dort abgestellt?

Es hatte sich in der Wohnung zur Zeit der Verpuffung nur eine Person aufgehalten, diese blieb unverletzt. Die Polizei betonte am Montag aber ausdrücklich, dass „zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Verdacht einer ursächlichen, strafbaren Handlung besteht.“ Wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind, würden die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft übergeben, so die Polizei.

Sachschaden von 100.000 Euro entstanden

In der Badewanne hatten Ermittler und eine Gutachterin eine stark deformierte 0,5 Liter-Spraydose gefunden. Die Rekonstruktion der Ereignisse ergab laut Polizei, dass besagte Dose im Bereich des Heizstrahlers abgelegt war. In Folge von Überhitzung dehnte sich das darin befindliche Gas aus. Das Dosendach mit dem Sprühkopf hielt dem Druck nicht stand – das Treibgas trat schlagartig aus, entzündete sich an dem eingeschalteten Heizstrahler und führte zur Verpuffung.

Anzeige

Die Dose selbst wurde durch den Gasaustritt ähnlich einer Rakete beschleunigt, flog gegen eine Wand, wurde dort gestaucht und landete dann in der Badewanne. Darüber hinaus wies die Zündgasleitung des Durchlauferhitzers im Bad ein kleines Leck auf. Inwieweit diese Beschädigung im Moment der Verpuffung bereits vorhanden war und ausgetretenes Gas die Verpuffung noch zusätzlich begünstigt hat, bedürfe noch weiterer Untersuchungen, so die Polizei.

Am Haus war ein Sachschaden von 100.000 Euro entstanden, es ist weiterhin nicht bewohn- oder nutzbar. Die Polizei spricht von Einsturzgefahr. Zwar hatte das THW das Gebäude nach der heftigen Verpuffung gesichert, doch ist es noch nicht wieder freigegeben. Direkt nach der Verpuffung hatte die städtische Bauaufsicht das Gebäude in Augenschein genommen und gegenüber dem Eigentümer des Gebäudes eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Diese beinhaltete auch die Sicherungspflicht gegenüber den Nachbargebäuden, die hier in der Altstadt dicht an dicht stehen. Deshalb auch der sofortige Einsatz des THW.

Wie aber geht es jetzt weiter? Aus Sicht der Bauaufsicht kann das zweieinhalbgeschossige Haus, in dem bislang im Erdgeschoss Büroräume und in den oberen Geschossen Wohnungen waren, erst wieder genutzt werden, wenn der Eigentümer eine Bescheinigung eines Statikers vorlegt. Diese muss bestätigen, dass gegen die weitere Nutzung keine Bedenken bestehen. Eine solche Bescheinigung ist bislang nicht vorgelegt worden, so die Stadt auf Nachfrage dieser Zeitung. Eine weitere Begehung seitens der Bauaufsicht sei nicht erfolgt.

Eigentümer muss Gebäude nicht wieder herrichten

Allerdings muss unter Umständen die Untere Denkmalschutzbehörde das Gebäude in Augenschein nehmen. Das Haus an sich stehe zwar nicht unter Denkmalschutz, was zumindest für die neueren, sichtbaren Teile des Gebäudes gilt. Allerdings gibt es einen sogenannten Umgebungsschutz, da sich das Gebäude in derselben Flucht wie die Stadtmauer und das alte Rheintor befindet. Bauliche Veränderungen an dem Haus oder gar ein Abriss wären somit genehmigungspflichtig, so die Stadt. Zudem bestehe die Möglichkeit, dass im Gebäudebereich noch bauliche Reste der Stadtbefestigung vorhanden sind.

Das Haus stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert und war, wie so viele andere auch, im Zweiten Weltkrieg von einer Bombe getroffen worden. 1949 wurde es notdürftig wieder aufgebaut, um 1953 dann aufgestockt. Aus jener Zeit stammt wohl auch das große Erkerfenster zur Rheinstraße hin. Dort ist in einem Verbindungsstück zwischen den Fenstern die Jahreszahl 1937 zu lesen. Diese hat jedoch nichts mit dem Haus zu tun, sondern ist ein wiederverwendetes Stück Baumaterial, nicht aus diesem Haus, aber mit einer Verbindung zu ihm.

Anzeige

Trotzdem ist der Eigentümer nicht verpflichtet, das Gebäude wieder herzurichten, sagt die Stadt. Im Sinne der Gefahrenabwehr darf davon lediglich keine Gefahr drohen für die Nachbarn oder die Öffentlichkeit. Was allerdings für den Besitzer auch wirtschaftlich einen Sinn ergibt, ist eine andere Frage.