Freunde liehen Luther keinen Pfennig mehr

aus 500 Jahre Reformation

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Eigentlich hätte Martin Luther ein sehr, sehr wohlhabender Mann sein müssen. Er war der Star-Professor seiner Universität, den weder die Universität noch die Stadt oder gar...

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WORMS. Eigentlich hätte Martin Luther ein sehr, sehr wohlhabender Mann sein müssen. Er war der Star-Professor seiner Universität, den weder die Universität noch die Stadt oder gar die Landesregierung verlieren wollten. Man verdoppelte daher bei der Eheschließung sein Gehalt und legte später nochmals etwas obendrauf.

Der kurfürstliche Hof lieferte Naturalien, die Stadt Baumaterial. Aber Luthers Haushalt war groß. Verwandte, Gäste und dann noch das Gesinde – eine stattliche Hausgenossenschaft. Das kostete! Umgekehrt hatte der Hausherr Skrupel, seine finanziellen Rechte wahrzunehmen. So verzichtete Luther auf die Steuerfreiheit, die auf seinem Hause lag. In seinen Vorlesungen drängten sich die Studenten, er nahm keine Kolleggelder. Er nahm auch keine Honorare von den Druckern, weil es ihm um die Sache ging und er daher an seinen Büchern nichts verdienen wollte. Predigt und Seelsorge stellte er ebenfalls nicht in Rechnung. Dabei war er selbst freigiebig bis zum Ruin und wurde prompt immer wieder ausgenutzt.

Anno 1527 hatte Luther 100 Gulden Schulden. Das war die Hälfte seines Jahresgehalts. Nein, mit Geld konnte er nicht umgehen. Wer den Ablasshändlern und großen Geschäftemachern an den Kragen will, kann eben kein Banker sein. Welches Glück, dass seine Frau Käthe die Groschen zusammenhielt! Ohne sie wäre Luther finanziell nie auf einen grünen Zweig gekommen.

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Lutherin managt großen Haushalt

Katharina von Bora stammte aus einem völlig verarmten Rittergeschlecht. Sie wurde Nonne im Kloster Nimbschen. Das war bekannt für seinen großen Grundbesitz und auch dafür, dass es auf eine Aufnahmegebühr verzichtete. Dieses Kloster wurde von einer Tante der kleinen Katharina geleitet und es spricht viel dafür, dass diese nicht nur für eine sorgfältige Bildung der Nichte sorgte, sondern diese auch zur Hilfe bei Verwaltungsaufgaben heranzog.

Auf alle Fälle wusste die Lutherin, wie man einen großen Haushalt managt und zu einem profitablen Betrieb ausbaut. Sie richtete ein Studentenheim ein, begann eine Schweinezucht. Kühe kamen in den Stall, Federvieh wurde angeschafft.

Konzentration auf Grunderwerb

Bargeld war knapp. Käthe konzentrierte sich auf Grunderwerb. Gärten, Felder und zuletzt Gut Zülsdorf warfen etwas ab und waren darüber hinaus vor der großherzigen Gebefreudigkeit des Hausherrn einigermaßen sicher. Wenn nämlich Luther meinte, helfen zu müssen, so vergriff er sich auch ohne Bedenken am mühsam durch Burse oder Landwirtschaft erarbeiteten Wirtschaftsgeld, nur um Bittsteller, die oft auch Betrüger waren, zu bedenken. Lukas Cranach und der Goldschmied Döning, zwei wirklich reiche Männer und auch gute Freunde Luthers, liehen diesem keinen Pfennig mehr.

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Sie fürchteten, er würde sich und die Seinen mit gepumpter Mildtätigkeit zugrunde richten. Käthe sah dies auch so. Andere ebenfalls. Wollte man – beispielsweise im Rathaus – der Familie Luther unter die Arme greifen, so wartete man jeweils auf eine der häufigen Reisen des Hausherrn und verhandelte dann direkt mit Käthe. Luther war klug genug, seiner Frau die Schlüsselgewalt im Hause zuzugestehen. Schließlich wusste er wohl: „Ich bin oft betrogen worden von unverschämten Bettlern und Streichern. Ich meinte, alle Leute wären ehrlich wie ich.“

Von Alfred Pointner