„Die Viecher sind überall“

Bäumen können sie meist nicht viel anhaben, doch beim Menschen können sie gefährliche allergische Reaktionen hervorrufen: Die Raupen des Eichen-Prozessionsspinners. Ihre feinen Haare können bis zu hundert Meter weit fliegen und finden sich auch häufig in Stadtparks.Archivfotos: dpa, Fotolia

Forstamt Rheinhessen: Eichen-Prozessionsspinner breitet sich rasant aus. Die Stadt Worms sprüht Gift gegen den Schädling, der auch im Wäldchen zu finden ist.

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WORMS. Jedes Jahr wieder sorgt er für Probleme in stadtnahen Wäldern: der Eichen-Prozessionsspinner. Die Raupen des Spinners befallen – wie der Name bereits verrät – Eichen und bilden ab dem dritten Larvenstadium feine Brennhaare, die mit Widerhaken versehen sind und eine giftige Substanz enthalten. Diese kann beim Menschen schmerzhafte Hautausschläge und sogar asthmatische Reaktionen auslösen. Die Härchen können vom Wind bis zu 100 Meter weit verbreitet werden und auf Rasenflächen landen, wo sie auch Monate später noch Reaktionen auslösen können. Laut Stadt sei insbesondere der Stadtpark und das angrenzende Wäldchen von dem Schädling betroffen, da sich hier besonders viele Eichen befänden. „Gleichzeitig sind Park und Wald zusammen das beliebteste Naherholungsgebiet für die Wormser Bevölkerung“, teilte Angela Zimmermann von der städtischen Pressestelle mit, „deshalb sind hier gezielte Maßnahmen besonders wichtig.“

Bäumen können sie meist nicht viel anhaben, doch beim Menschen können sie gefährliche allergische Reaktionen hervorrufen: Die Raupen des Eichen-Prozessionsspinners. Ihre feinen Haare können bis zu hundert Meter weit fliegen und finden sich auch häufig in Stadtparks.Archivfotos: dpa, Fotolia

Wie das Forstamt Rheinhessen berichtet, hat die Zahl der Eichen-Prozessionsspinner in den letzten Jahren zugenommen. „Anfang der 2000er waren sie noch eine seltene Erscheinung, man fand sie hauptsächlich an alten Eichen“, erzählt Pressesprecher Joscha Erbes. Mittlerweile stellten seine Kollegen nahezu täglich einen Befall fest. Nach Angaben der Stadt Worms seien Weinbaugebiete wie Rheinhessen aufgrund ihres milden Klimas von dem Schädling besonders betroffen. Dennoch habe der Spinner sich mittlerweile im gesamten Bundesgebiet stark ausgebreitet.

„Der Eichen-Prozessionsspinner profitiert vom Klimawandel und den gestiegenen Temperaturen“, begründet Erbes den Anstieg, „die Viecher sind überall verbreitet.“ Für den Baum stellten die Raupen in der Regel keine Gefahr dar: „Sie fressen die Blätter, aber sie zerstören den Baum nicht.“ Trockenheit oder Maikäfer schadeten den Bäumen mehr. Im Wald werde daher auch nichts gegen den Eichen-Prozessionsspinner unternommen: „Er gehört eben zu den typischen Gefahren des Waldes und ist dort eigentlich auch nicht gefährlich, außer man greift mit der Hand rein. Dann sollte man zum Arzt.“

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Anders sei es in stadtnahen Wäldern oder in der Nähe von Kindergärten, wo die Gefahr eines Kontakts mit den Raupen bestehe. Dann werde auch Gift verwendet – obwohl dieses laut Joscha Erbes auch Nützlinge mit abtötet.

In Worms musste entlang des Radwegs zwischen Herrnsheim und Abenheim Gift gesprüht werden, damit dieser wieder gefahrlos nutzbar sei, teilte die Stadt mit. Auch an 300 Eichen an Straßen sowie in Grünanlagen sei gespritzt worden. „Die Ausbringung des Präparates erfolgt mittels Sprühkanonen von einem Fahrzeug aus“, beschreibt Angela Zimmermann den Vorgang. Als Pflanzenschutzmittel komme ein biologisches Präparat zum Einsatz, das auch in der Schädlingsbekämpfung in der Land- und Forstwirtschaft sowie zum Abtöten von Schnaken entlang der Rheinauen verwendet werde. „Für Menschen, Säugetiere, Fische und Vögel ist das Präparat völlig ungiftig und darf daher ohne Auflagen auch entlang von Gewässern wie Badeseen und Bächen eingesetzt werden“, erklärt sie. Zudem sei das Mittel ungefährlich für Bienen.