Ausstellung zum „vergessenen Krieg“

Das Kriegerdenkmal mit der Statue der „Germania“ auf dem alten Friedhof im Albert-Schulte-Park erinnert an den Krieg. Foto: Stadtarchiv Worms

Wormser Stadtbibliothek im Haus zur Münze zeigt Exponate zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

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WORMS. (red). Im Juli 1870 zogen Hunderttausende in einen Krieg, der die Landkarte Europas verändern sollte. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 war der letzte der drei „Einigungskriege“, mit denen Otto von Bismarck ein Deutsches Reich „aus Blut und Eisen“ schmiedete. Bis zum Ende des Krieges starben fast 200 000 Menschen; zirka 41 000 auf deutscher und 139 000 auf französischer Seite. Im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ist der Deutsch-Französische Krieg von der Erinnerung an die Weltkriege beinahe vollständig überlagert worden. Dabei erinnern bis heute in zahlreichen deutschen Städten und Dörfern Weißenburg(er)straßen, Sedanplätze, Metzer Straßen wie in Rheindürkheim sowie Kriegerdenkmäler für die Gefallenen und die Veteranen an den Krieg – allein zehn in Worms und seinen Stadtteilen und ein Ehrenfeld auf dem Friedhof Hochheimer Höhe. Die Wormser Kriegerdenkmäler werden in der Ausstellung der Stadtbibliothek, die bis zum 2. Oktober im Haus zur Münze gezeigt wird, in alten Ansichtskarten und in historischen Zeichnungen aus dem Stadtarchiv vorgestellt.

Das Kriegerdenkmal mit der Statue der „Germania“ auf dem alten Friedhof im Albert-Schulte-Park erinnert an den Krieg. Foto: Stadtarchiv Worms
Lazarettbaracke der Heyl’schen Lederwerke. Foto: Stadtarchiv

Neben Berichten aus der Wormser Zeitung 1870/71 werden auch zeitgenössische Karikaturen sowie in der Zeit des Kaiserreichs veröffentlichte illustrierte Bücher und Karten über den Kriegsverlauf, Kriegspredigten, Kriegsgedichte und Reden zu Sedan-Feiern gezeigt.

In Worms äußerte sich der Patriotismus, der hier in der nationalliberalen bürgerlichen Führungsschicht im Umkreis der Familie Heyl verankert war, etwa darin, dass man Bismarck und Generalfeldmarschall Moltke bereits am 11. Dezember 1870 die Wormser Ehrenbürgerschaft antrug, als diese noch während der Belagerung von Paris im Hauptquartier zu Versailles weilten. Dies wird in der Ausstellung in zeitgenössischen Quellen aus dem Stadtarchiv dokumentiert wie auch die in Gedichten und Liedern besungene „Großtat“ des nach dem Krieg 1871 in Worms stationierten Infanterie-Regiments Prinz Carl (4. Großherzoglich Hessisches) Nr. 118: die handstreichartige Erstürmung von Schloss Chambord am 9. Dezember 1870.

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Die einstige „Erbfeindschaft“ am Rhein hat sich – vor 150 Jahren unvorstellbar – nach dem Zweiten Weltkrieg in eine Freundschaft gewandelt. Die Ausstellung im Haus zur Münze ist bei freiem Eintritt montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Eine Voranmeldung zur Besichtigung ist nicht erforderlich.