Urteil im Fall Susanna: Lebenslange Freiheitsstrafe für Ali...

aus Der Fall Susanna

Thema folgen
Ali Bashar vor Gericht. Foto: dpa

"Lebenslang" lautet die Entscheidung des Gerichts: Im Mordfall Susanna ist am Mittwoch in Wiesbaden das Urteil verkündet worden.

Anzeige

WIESBADEN. Im Prozess um den Mord an der 14 Jahre alten Schülerin Susanna aus Mainz hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Wiesbaden am Mittwoch den Angeklagten Ali Bashar Ahmed Zebari zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest, die Sicherungsverwahrung bleibt vorbehalten. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der jetzt 22-jährige Iraker in der Nacht zum 23. Mai 2018 die Schülerin in der Gemarkung Wiesbaden-Erbenheim vergewaltigt hat.

Anfang Mai war der Angeklagte gegenüber Susanna schon einmal übergriffig geworden, das Mädchen hatte seither Angst. Seit diesem Übergriff verfolgte der Iraker nach Überzeugung des Gerichts den Plan, Susanna zum Sex zu zwingen. Weil das Mädchen nach dem Verbrechen in der Nacht des 23. Mai mit der Polizei gedroht habe, sei bei dem Täter der Entschluss gefallen, Susanna zu töten. Die Leiche war erst am 6. Juni 2018 verscharrt in einem Erdgrab gefunden worden.

Anzeige
Großer Andrang bei der Urteilsverkündung im Mordfall Susanna. Fotos: Nicholas Matthias Steinberg, Wolfgang Degen
Großer Andrang bei der Urteilsverkündung im Mordfall Susanna. Fotos: Nicholas Matthias Steinberg, Wolfgang Degen
Großer Andrang bei der Urteilsverkündung im Mordfall Susanna. Fotos: Nicholas Matthias Steinberg, Wolfgang Degen
Großer Andrang bei der Urteilsverkündung im Mordfall Susanna. Fotos: Nicholas Matthias Steinberg, Wolfgang Degen
Die Staatsanwältin äußert sich nach dem Prozess gegenüber der Presse.
Susannas Mutter äußert sich nach dem Prozess gegenüber der Presse.

Der Iraker war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Deutschland. Acht Mitglieder der Familie hatten sich Anfang Juni in den Irak abgesetzt, in die Autonome Region Kurdistan. Von dort waren sie im Oktober 2015 nach Deutschland gekommen, als angeblich Verfolgte. Die Kurden nahmen den Gesuchten fest, der dann am 9. Juni von der Bundespolizei nach Deutschland zurückgebracht wurde. Der Fall hatte eine bundesweite Debatte über die Flüchtlingspolitik ausgelöst.

Das Töten der Schülerin hatte der Iraker wiederholt gestanden, auch am ersten Prozesstag im März 2019. Die Vergewaltigung hatte er bestritten. „Es fügt sich alles nahtlos“, sagte Vorsitzender Richter Jürgen Bonk in seiner sehr umfassenden mündlichen Urteilsbegründung. Das Gericht sieht zwei Mordmerkmale erfüllt: die Verdeckungsabsicht der zuvor erfolgten Vergewaltigung, und die Heimtücke, weil das Mädchen arg- und wehrlos gewesen sei. Das Gericht hat nach Bonks Worten einen Angeklagten ohne innere Hemmschwelle erlebt, einen völlig empathielosen Menschen, der nur auf die Befriedigung eigener Bedürfnisse fixiert gewesen sei. Der Angeklagte sei kaltblütig, herzlos und menschenverachtend. Bis zuletzt habe er Anzeichen von Reue vermissen lassen.

Anzeige

Man habe es mit einem hochgefährlichen Täter zu tun, bei dem weitere schwerste Gewalt- und Sexualstraftaten drohen. Ein solcher Hang sei sehr wahrscheinlich, deswegen sei der Vorbehalt der Sicherungsverwahrung unumgänglich. Das Motiv der Verbrechen sei in der Persönlichkeitsstruktur begründet, die Verbrechen hätten nichts damit zu tun, dass dieser Angeklagte als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war.