Mittlerin zwischen Mitarbeitern und Krisenstab

aus Coronavirus-Pandemie

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Das Studium neuer Bestimmungen ist für Edith Banciu Tagesgeschäft - in der aktuellen Krise noch mehr als sonst. Die Umsetzung der Vorschriften bringt sie dann den Mitarbeitern nahe. Foto: Rohde

Hygienefachkraft Edith Banciu konstatiert in der Corona-Krise einen erhöhten Beratungsbedarf bei den Beschäftigten des Gesundheitszentrums Wetterau.

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. Wetteraukreis (red). Das Wissen um die Ursachen für die Verbreitung von Seuchen und Epidemien ist eine der großen medizinischen Errungenschaften der heutigen Zeit. In den Hospitälern des 18. Jahrhunderts starb unter anderem wegen der aus heutiger Sicht unzureichenden hygienischen Bedingungen noch jeder fünfte Patient, Amputationen überlebten sogar vier von fünf Betroffenen nicht. Ab 1850 entwickelte sich die Hypothese von einer mit krankmachenden Mikroben belasteten Luft. Die Nutzung von Mitteln wie Karbol zur Desinfektion von Wunden, Geräten und Händen führte im Folgenden zu einer drastischen Senkung der Infektionsrate in den Krankenhäusern.

Auch in modernen medizinischen Einrichtungen wird der inzwischen ungleich höhere Hygienestandard permanent überarbeitet und neuen Erkenntnissen angepasst. Das Ziel: die Zahl der nosokomialen (im Krankenhaus oder während einer stationären medizinischen Maßnahme erworbenen) Infektionen weiter zu senken. Für Edith Banciu ist der Umgang mit Hygienebestimmungen Alltagsgeschäft. Als eine von drei Hygienefachkräften im Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) ist sie verantwortlich für die Umsetzung der Standards im Tagesgeschäft. Während der Corona-Krise konstatiert sie einen erhöhten Beratungsbedarf bei den GZW-Beschäftigten.

Regelmäßig überwacht sie die Einhaltung der Vorgaben durch Pflegekräfte, Ärzte und Reinigungskräfte auf den Stationen, in den Funktionsbereichen und natürlich auch im OP. "Inzwischen sind die Bestimmungen so umfangreich und detailliert, dass ihre Umsetzung im Alltag eine Herausforderung darstellt. Außerdem gibt es ständig Neuerungen, die natürlich geschult werden, in der Praxis aber immer wieder konkrete Fragen aufwerfen", beschreibt die Hygienefachfrau einen wesentlichen Teil ihres Aufgabengebiets.

Seitdem vor zwei Jahren mit der abteilungsweisen Sanierung von Bettentrakten im Bürgerhospital Friedberg sowie im Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim begonnen wurde, ist ein wichtiges Tätigkeitsfeld hinzugekommen: die Baustellenkontrolle. Hier geht es vor allem um die Vermeidung von Staubbelastung in angrenzenden Fluren und Patientenzimmern. Dazu müssen etwa die Staubwände intakt sein und die zur Baustelle führenden Türen konsequent geschlossen bleiben.

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Dritter wesentlicher Aufgabenbereich der Hygienefachkräfte ist die Infektionsüberwachung. Dazu gehört das Eingangsscreening bei Patienten besonderer Risikogruppen auf eventuell vorhandene MRSA- oder MRGN-Keime und im Befundfall die Anordnung von Isolationsmaßnahmen - und dazu gehören jetzt natürlich auch sämtliche Maßnahmen, die zur Diagnostik und Behandlung von Corona-Patienten getroffen werden.

Seit dem Beginn der Corona-Krise dreht sich Edith Bancius Beratungstätigkeit vorwiegend um die praktischen Auswirkungen im klinischen Alltag. Die 60-Jährige ist schon lange im Haus und dementsprechend bekannt. "Ich bin die Verbindungsstelle zwischen den Mitarbeitern, dem GZW-Corona-Krisenstab und den Behörden, mit denen wir auch in der Krise sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten", erläutert sie. Sie erklärt den einzelnen Mitarbeitern auf Anfrage Details der ständig aktualisierten Bestimmungen und den praktischen Umgang damit.

Ein heißes Thema ist die Nutzung der Schutzmasken. Die klassischen OP-Masken haben derzeit Hochkonjunktur. "Sie sind aber ein Einwegprodukt, durchfeuchten und schützen dann nicht mehr", sagt Banciu. Im Gegensatz zu den mit Filtern ausgestatteten Einweg-FFP2- oder -FFP3-Masken schützen sie ohnehin nicht den Träger, sondern ausschließlich dessen Gegenüber. "Die FFP-Masken sind im Alltag nicht notwendig. Man sollte sie den Ärzten und Pflegekräften überlassen, die Kontakt mit vermuteten oder tatsächlichen Covid-19-Infektionsfällen haben", betont die Fachfrau.

Auch sie hält für nichtmedizinische Bereiche und das private Umfeld die selbst genähten Mund-Nase-Bedeckungen aus Baumwolle für eine gute Alternative. Wichtig hierbei: "Auch diese Bedeckungen durchfeuchten nach einer gewissen Zeit und könnten dann schnell zu Virenschleudern werden. Dagegen hilft, sie abends bei mindestens 60 Grad und mit einem Vollwaschmittel in der Waschmaschine (mit-)zuwaschen oder im Topf auf dem Herd mit etwas Waschpulver etwa zehn Minuten lang zu kochen. Danach trocknen lassen und am nächsten Morgen sind sie wieder zu benutzen."