Neue Lkw-Abfertigungsanlage der BASF in Ludwigshafen

Die BASF verfügt über ihre neue Lkw-Abfertigung. Seit Mittwoch können 1200-Brummifahrer die Anlage nutzen. Foto: BASF-SE/Yan de Andrés

Die Verkehrssituation in Ludwigshafen ist schwierig. Die Situation der sanierungsbedürftigen Hochstraßen und der Rheinbrücken haben das Unternehmen zum Handeln gezwungen.

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LUDWIGSHAFEN. Drei, zwei, eins: Pressesprecherin Valeska Schößler zählt den Countdown herunter, dann drücken Werkleiter Dr. Uwe Liebelt und Frankenthals Oberbürgermeister Martin Hebich gemeinsam auf den roten Buzzer-Knopf. Ein Brummton ertönt, die Ampeln springen an und zeigen grüne Pfeile. Und dann geht am Mittwochnachmittag die neue Lkw-Abfertigung der BASF offiziell in Betrieb.

Die BASF verfügt über ihre neue Lkw-Abfertigung. Seit Mittwoch können 1200-Brummifahrer die Anlage nutzen. Foto: BASF-SE/Yan de Andrés
Die BASF verfügt über ihre neue Lkw-Abfertigung. Seit Mittwoch können 1200-Brummifahrer die Anlage nutzen. Foto: BASF-SE/Yan de Andrés

Liebelt mochte die exakten Baukosten nicht nennen, er sprach stattdessen von einem „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“, den man auf dem werkseigenen Gelände neben der BASF-Kläranlage investiert habe.

Der Lkw sei mit einem Anteil von rund 50 Prozent der wichtigste Verkehrsträger, um die Kunden mit BASF-Produkten zu versorgen. Die Situation der sanierungsbedürftigen Ludwigshafener Hochstraßen und der Rheinbrücken mit der Aussicht auf jahrelange Verkehrsbeeinträchtigungen hätten das Unternehmen zum Handeln gezwungen. „Mit der Inbetriebnahme der modernen Abfertigung Nord sichern wir diese exzellente Anbindung für Lastwagen und kompensieren so eine mögliche Beeinträchtigung durch die Baumaßnahmen im Stadtgebiet. Ich bin stolz, dass wir die Abfertigung nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit heute in Betrieb nehmen können“, sagte Liebelt vor zahlreichen Pressevertretern.

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Bis zu 2500 Lkw sind täglich auf dem Werksgelände unterwegs. Bislang benutzten sie zur Einfahrt die Tore 11 und 15. Das wird sich bis September ändern: Denn alle Lastwagen, die bisher an Tor 11 abgefertigt wurden, werden künftig die neue Anlage benutzen – etwa 1200 Lkw täglich. BASF rechnet mit einer Zeitersparnis von 30 Prozent. Außerdem sollen die Bewohner der Innenstadt deutlich entlastet werden.

Was die Brummi-Fahrer erwartet, erläuterte Projektleiter Philipp Wotke bei einem Rundgang. Über ein in Echtzeit arbeitendes Parkleitsystem mit automatischer Schranke werden die ankommenden Fahrzeuge auf einen der rund 200 Parkplätze gelotst. Ein ehemaliges Pförtnerhäuschen ist bereits umgebaut, dort wird künftig Großbäcker Görtz Mitarbeiter und Fahrer versorgen. Hinzu kommen entsprechende Sanitäreinrichtungen. „Das war uns ein wichtiges Anliegen, denn wir wollten unserer sozialen Verantwortung gegenüber den Fahrern gerecht werden“, betonte Wotke. Auf dem Areal befindet sich auch eine Starkstromladestation, wo zwei E-Laster „tanken“ können. „Sollte der Bedarf größer sein, können wir die Kapazitäten kurzfristig erhöhen“, versicherte der Projektleiter.

Im neuen Abfertigungsgebäude melden sich die Fahrer an. Am schnellsten funktioniert das, wenn sie die Formalitäten vorher online erledigt haben. Es geht allerdings auch alles manuell. Bis 2024 will die BASF die Lkw-Abfertigung über eine Cloud, Anmelde-App und QR-Code voll digitalisiert haben. 54 Mitarbeiter kümmern sich um die Abwicklung. Ist alles erledigt, dürfen die Fahrer zum Check unter das Dach der fünf Fahrspuren aufweisenden, offenen Halle fahren. Hier prüft der Werksschutz, ob die leeren Lastwagen, aber auch die Brummi-Lenker alle Sicherheitsauflagen erfüllen. Das gilt auch für Packmittel wie Kisten, Paletten oder Fässer. Erst dann dürfen sie über Tor 15 aufs Werksgelände fahren. Über dieses Tor verlassen sie dann auch wieder den Standort, nach einer kurzen Sichtprüfung.

Liebelt betonte, dass man sich vom Nabu habe beraten lassen. Immerhin mussten viele Bäume gefällt und Sträucher ausgerissen werden. Die BASF hat als Ausgleich rund um die Kläranlage über 350 Bäume nachgepflanzt sowie eine neue Teichanlage angelegt. Dass der Chemieriese neben Bahn und Schiff weiter stark auf Lastwagen setzt, begründete der Werkleiter damit, dass nicht jeder Kunde über einen Gleisanschluss verfüge und die Bahn logistisch nicht in der Lage sei, mehr Transporte zu übernehmen. BASF arbeite allerdings intensiv an Lösungen, damit die Lkw-Flotte klimafreundlicher unterwegs ist. Dabei hält Liebelt mit Batterie betriebene Laster nicht für geeignet, auf Nachfrage ließ er durchblicken, dass man eher auf Wasserstoff setzt. „Wir wollen bis 2050 Netto-Null-Standort werden, dazu gehören auch die Spediteure. Wir sind deshalb mit den Lkw-Herstellern im Gespräch“, versicherte Liebelt.

„Die Chemie hat gestimmt“: Frankenthals OB Hebich lobte die gute Zusammenarbeit mit BASF. Das Unternehmen, das über 38 000 Menschen beschäftigt, darunter auch viele Frankenthaler, habe für Naturschutz und Ökologie mehr gemacht als gesetzlich gefordert. Stadt und Stadtrat waren involviert, da sich die Lkw-Abfertigung auf Frankenthaler Gemarkung befindet.