Classic Gala zeigt Oldtimer in Schwetzingen

Dieser Mercedes-Oldie im Vordergrund ließ die Herzen der Besucher höher schlagen.Foto: Gerold  Foto: Gerold

Lagonda, Jaguar, Ferrari, Rolls-Royce, Maserati. Klangvolle Namen, die bei Liebhabern von Oldtimern Gänsehaut erzeugen. Ein Benz Velo von 1896, das noch stark an seine...

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SCHWETZINGEN. Lagonda, Jaguar, Ferrari, Rolls-Royce, Maserati. Klangvolle Namen, die bei Liebhabern von Oldtimern Gänsehaut erzeugen. Ein Benz Velo von 1896, das noch stark an seine Kutschenvorgänger erinnert. Ein zebragestreifter Grade-Rennwagen von 1921, der bei der Eröffnung der Avus-Rennstrecke dabei war. Ein roter DeDion Bouton von 1908, der als treuester Teilnehmer am Schwetzinger Concours d’Elegance ausgezeichnet wurde. An all diesen Perlen der Automobilgeschichte kommen wir vorbei auf unserem Weg zu unseren Lieblingen: Zündapp Janus, BMW Isetta, Goggomobil und Lloyd. Und vielen anderen Kleinwagen der 1950er und 1960er Jahre.

Auch Fahrzeuge für den kleinen Mann

Am Samstagvormittag müssen die Besucher der Classic Gala Schwetzingen mit rund 150 gezeigten prächtigen Oldtimern noch die ein oder andere Pfütze auf dem Kiesweg umgehen. Die Besitzer der Oldtimer putzen und polieren derweil jeden Tropfen von ihrem historischen Lack und glänzenden Chrom. Regen, Rost und neugierige Besucher, die ihre Finger nicht im Zaum halten können, zählen bei jeder Oldtimergala zu den schlimmsten Feinden der Aussteller. Doch um die Mittagszeit hat der Wettergott ein Einsehen und lässt die Sonne ein bisschen durch die Wolken blinzeln.

Ein Borgward Kleinlaster Pritschenwagen von 1959 eröffnet den Reigen der Fahrzeuge für den kleinen Mann. Von einem Fiat Topolino mit offener Ladepritsche aus dem Jahr 1951 existieren vermutlich weniger als zehn dieser Autochen. In Brindisi hat er Steine und Zement geschleppt, ein späterer Besitzer hat Fische an Gaststätten damit ausgeliefert. Einem Framo-Kleinlaster aus der ehemaligen DDR ging es mit seinen sieben PS nicht viel besser.

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Elvis ist am Hirschbrunnen des Schlossgartens, wo die Kleinwagen aufgereiht sind und die amerikanischen Straßenkreuzer aus derselben Zeit direkt nebenan folgen, nicht zu überhören. Zeitlich passt das ja. Die Stimmung ist gut, hier feiert die Zeit der Rock’n’Roll Ära zünftige Urstände. Auch im Automobilbau. In Deutschland sind dabei Autos herausgekommen wie die BMW Isetta oder der Messerschmitt Kabinenroller, in den USA die Heckflügler von Cadillac oder den Chrysler Lettercar 300G, an dessen Heckflossen man sich vorsichtig vorbeimogelt, so spitz und gefährlich wirken die.

Der Kontrast zu den wenige Schritte entfernten Nachbarautos könnte gar nicht größer sein. Runder und kleiner geht es gar nicht mehr als beim Brütsch Zwerg von 1955. Der winzige Einsitzer, dessen Name nur noch wenigen eingeweihten Fans bekannt ist, wurde 1955 gebaut und mit einer der ersten Glasfaserverstärkten Kunststoffkarosserie gebaut. Mit sieben PS schaffte der an einen Autoscooter vom Rummel erinnernde, flitzende Zwerg 95 Stundenkilometer.

Sonnenblenden wie angeklebte Wimpern

Wer aus der älteren Generation erinnert sich nicht an den Zündapp Janus, den man durch Heck- und Fronttür besteigen musste. Fahrer und Beifahrer schauten nach vorn auf die Straße, die beiden Mitfahrer blickten nach hinten durch die Heckscheibe auf den nachfolgenden Verkehr. Putzig und sympathisch kommen die Gesichter der Messerschmidt-Kabinenroller daher. Die in Schwetzingen gezeigten Varianten tragen an ihren winzigen Frontscheinwerfern Sonnenblenden, die angeklebten Wimpern ähnlich, dem Auto ein feminines Gesicht geben.

Was hat fünf Buchstaben und drei Räder? Der Tempo Kleinlaster. Dreiräder mit nur einem Vorderrad waren in den Fünfzigern in Deutschland schwer in Mode – weil Dreiräder ab 1929 eine Steuerbefreiung erhielten und eine Zeit lang sogar ohne Führerschein gefahren werden durften. Bei solchen Vorteilen stiegen auch andere Hersteller ein wie Goliath oder Vespa.

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Von Harald Berlinghof