In Frankfurt beginnt die Lichtkunstmesse Luminale

Die Fassade der Alten Oper wird für die Luminale zur Projektionsfläche für das Mailänder Designkollektiv Karmachina. Simulation: dpa  Foto:

Jeder Mensch eine Lichtgestalt: Das ist die Verheißung der Luminale, die am Sonntag in Frankfurt eröffnet wird. Um 19.30 Uhr knipsen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD)...

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FRANKFURT. Jeder Mensch eine Lichtgestalt: Das ist die Verheißung der Luminale, die am Sonntag in Frankfurt eröffnet wird. Um 19.30 Uhr knipsen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Lichtkünstler Philipp Geist den Strom an und verwandeln den Römerberg in einen „urbanen Lichtraum“. Rathausfassade und Vorplatz werden, untermalt von atmosphärischen Klängen, mit Videoprojektionen gestaltet und leuchtenden Wortkaskaden überschüttet. Diese Wörter sind Geist, der sich als Farbmaler bezeichnet, nach einem Aufruf von den Frankfurtern zugesandt worden. Er hat dabei, sagt er bei der Vorstellung des Programms, auch ein bisschen hessisch gelernt.

Die Künstler sollen in das Stadtgeschehen eingreifen

Wer sich an der künstlerischen Wortschöpfung beteiligt hat, kann also auf dem Römerberg in den eigenen Gedanken baden, die sich zu einer begehbaren Installation verdichten – und darüber hinaus selbst zu einer Lichtgestalt werden, wie Feldmann es beschreibt. Das Strahlen des Oberbürgermeisters, das ihm die triumphale Wiederwahl ins Gesicht gezaubert hat, könnte gewiss auch unter den Programmpunkten der Luminale aufgeführt werden – alle anderen sind aufgerufen, mit Lichtobjekten aller Art das multimediale Kunstwerk anzureichern: mit Taschenlampen, Lampions, Kerzen, Knicklichtern oder leuchtenden Schnürsenkeln.

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Zum neunten Mal wird die Luminale in diesem Jahr in Frankfurt und Offenbach ausgetragen. Sie war ursprünglich als Begleitveranstaltung zur Fachmesse „Light and Building“ gedacht. Das ist sie immer noch, hat sich aber unterdessen zu einer Kunstschau von Rang entwickelt. Gut 200 000 Besucher kamen in den vergangenen Jahren regelmäßig, und von jetzt an soll der Horizont der Luminale, die sich nun Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung nennt, nochmals erweitert werden. Man wolle nicht nur Lichtkunst zeigen, sondern in das Stadtgeschehen eingreifen und sich mit technologischen Entwicklungen und gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigen, sagt Festivaldirektorin Isa Rekkab. „Wie wollen wir in unserer Stadt leben? Wie wollen wir sie gestalten?“ Das sind die Fragen, die Iris Jeglitza-Moshage von der Messegesellschaft Frankfurt beschäftigen, dem Hauptsponsor der Luminale.

Eine Antwort darauf sollen beispielsweise Beleuchtungsprojekte am Ben-Gurion-Ring im Stadtteil Bonames geben. Dort gibt es einige Orte, die von Anwohnern nachts als „Angsträume“ empfunden werden.

Die Festivalbesucher werden es schätzen, dass in diesem Jahr zahlreiche der insgesamt 149 Lichtkunstwerke in der Innenstadt konzentriert sind. Zwei Routen verbinden die Installationen. Startpunkt der dreieinhalb und zweieinhalb Kilometer langen Wege ist jeweils die Hauptwache. „Spätestens alle 500 Meter stoßen Sie auf ein neues Lichtkunstwerk“, sagt Festivalleiterin Rekkab.

Deutlich wahrnehmbare Lichtzeichen setzt natürlich die Illumination markanter Frankfurter Bauten, darunter die Westendsynagoge, Kirchen, die Europäische Zentralbank, der Hauptbahnhof, der Eiserne Steg und die Alte Oper, auf deren Fassade die Geschichte des Gebäudes vom Ursprung in der Kaiserzeit über die Zerstörung im Krieg bis zum Wiederaufbau erzählt wird. „Die Wahrzeichen Frankfurts leuchten“, sagt Rekkab. Sie hofft, dass viele Bilder der Kunstwerke in den sozialen Medien geteilt und damit in alle Welt hinausgetragen werden.

Von Rainer H. Schlender