Awo-Affäre: Präsidium des Frankfurter Kreisverbands tritt zurück

Die Awo hat die Entgelte in ihrem Pflegeheim in Bierstadt um 4,3 Prozent erhöht. Symbolfoto: dpa

Bereits seit Wochen steht der Kreisverband in der Kritik, nun ist das komplette Präsidium zurückgetreten. Mit der Neuaufstellung will man die Glaubwürdigkeit wieder herstellen.

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FRANKFURT. Drei Tage nach der Inspektion durch den Awo-Bundesverband hat der ehrenamtliche Vorstand des Frankfurter Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo) geschlossen seinen Rücktritt erklärt. „Ab sofort kann und muss die Awo Frankfurt reorganisiert werden. Wir haben die Weichen gestellt“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung. Ein neuer Vorstand soll am 18. Januar für eine Übergangszeit bis Ende nächsten Jahres gewählt werden.

„Zweifelsohne sind im Kreisverband Frankfurt Fehler gemacht worden“, erklärte der Präsidium genannte Kreisvorstand und fügte hinzu: „Nach allem, was wir bis jetzt wissen, haben einzelne Personen, denen wir in der Vergangenheit vertrauten, wohl Maß und Mitte verloren.“ Der hauptamtliche Geschäftsführer Jürgen Richter hatte sein Amt bereits vor zwei Wochen niedergelegt. Er steht zusammen mit seiner Ehefrau Hannelore und Sohn Gereon, die Geschäftsführer des Kreisverbandes Wiesbaden waren, im Mittelpunkt des Skandals um dubiose Geldströme, Mobbingvorwürfe, überhöhte Gehälter und luxuriöse Dienstwagen. Zudem ermitteln die Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Wiesbaden wegen des Verdachts der Untreue und des Betruges.

Der Awo-Bundesverband reagierte kühl auf die Erklärung des Kreisverbandes und nahm den Rücktritt „zur Kenntnis“. Gleichzeitig bekräftigte er seine Forderung nach rückhaltloser Aufklärung aller Vorwürfe und kündigte an, er werde seine Prüfungen fortsetzen. Der Awo-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler monierte in diesem Zusammenhang auch die fehlende Kollegialität der Verantwortlichen in Frankfurt. Bei dem Kontrollbesuch Anfang der Woche sei nur ein Teil der zu prüfenden Unterlagen vorgelegt worden, bemängelte Stadler. Auch habe man mit Beteiligten nur im Beisein von Anwälten des Kreisverbandes sprechen können.

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Kontrollversagen angeprangert

Vorsitzender des Kreisverbandes war bislang der frühere SPD-Politiker Ansgar Dittmar, der gleichzeitig hauptamtlicher Geschäftsführer des Bezirksverbandes Hessen-Süd der Arbeiterwohlfahrt ist. In dieser Funktion ist er für die Kontrolle der Vorgänge in den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden verantwortlich.

Rücktrittsforderungen wies Dittmar bisher stets zurück, obwohl er als Rechtsanwalt eine Schlüsselrolle in den vom Ehepaar Richter geschaffenen Strukturen mit Sonderverträgen und Awo-nahen Firmen spielte. Stadler hatte nach dem Kontrollbesuch in diesem Zusammenhang von einem „bis jetzt nicht zu durchschauenden Geflecht“ gesprochen und das Kontrollversagen des Bezirksverbandes Hessen-Süd angeprangert.

An der Basis hat das Bekanntwerden der skandalösen Zustände für großes Entsetzen gesorgt. Die Stimmung bei den Beschäftigten in Pflege- und Altenheimen sei bedrückt und verzweifelt, sagte der Vorsitzende des Ortsvereins Nied der Awo in Frankfurt. Die Wiesbadener Awo-Ortsvereine haben in einer gemeinsamen Erklärung scharfe Kritik an den Vorfällen geübt. In Wiesbaden soll am 22. Januar ein neuer Kreisvorstand gewählt werden.

Von Rainer H. Schlender