Gimbsheim/Guntersblum: Frühjahrsfähre statt Christmas-Kahn

Die Fähre zwischen Guntersblum und Kühkopf soll bald einem E-Boot weichen. Archivfoto: Felix Krömker  Foto:

Aus dem Christmas-Kahn wird eine Frühjahrsfähre, aber noch geben sich die Verantwortlichen entspannt. Dass die Kühkopffähre, wie VG-Bürgermeister Klaus Penzer im Februar...

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GIMBSHEIM/GUNTERSBLUM. Aus dem Christmas-Kahn wird eine Frühjahrsfähre, aber noch geben sich die Verantwortlichen entspannt. Dass die Kühkopffähre, wie VG-Bürgermeister Klaus Penzer im Februar hoffnungsfroh angekündigt hatte, an Weihnachten auf dem Gabentisch in Guntersblum liegen würde, war ohnehin ein sehr ambitionierter Zeitplan gewesen. Nun ist indes klar: Das Elektroboot wird sicher erst 2019 ausgeliefert.

Penzer: „Planung liegt einige Wochen hinter Zeitplan“

„Die Planung liegt einige Wochen hinter dem Zeitplan zurück, das Büro wird mit der Ausschreibung nicht so schnell fertig, wie das vertraglich vereinbart war“, sagt Penzer, nicht nur Chef der Verbandsgemeinde, sondern auch Vorsitzender des eigens gegeründeten Zweckverbandes Elektrofähre-Rheinhessen, auf Anfrage dieser Zeitung. Die Hamburger iYacht-GmbH sollte die europaweite Ausschreibung für den Bootsbau eigentlich schon abgeschlossen haben, so dass der Bau Anfang Juli hätte beginnen können. Das ist jedoch nicht der Fall. „Es kam eine Schwierigkeit nach der anderen, aber alle Probleme sind lösbar“, erklärt Claudia Bläsius-Wirth, Guntersblumer Ortsbürgermeisterin und als Vorsitzende des Fördervereins seit Jahren treibende Kraft hinter der Kühkopffähre. Offensichtlich wollen VG, Zweckverband und Planungsbüro – vielleicht auch aufgrund der vielen politischen Diskussionen in den vergangenen Monaten – jeden Patzer bei dem komplizierten Ausschreibungsverfahren vermeiden. „Man kann da tausend Fehler machen“, meint Bläsius-Wirth. „Wir haben großen Respekt vor der EU-Ausschreibung, da darf überhaupt kein Fragezeichen bleiben. Bevor nicht alles wasserdicht ist, gehen wir nicht in die Ausschreibung.“

Der ambitionierte Termin Weihnachten sei auch nicht entscheidend für den künftigen dauerhaften Betrieb. „Das Ziel ist der Anfang der nächsten Fährsaison, also April 2019. Das ist unsere eigentliche Deadline.“ Bis dahin muss das neue Boot, ausgelegt für 35 Personen plus Fahrräder, den Probebetrieb bewältigt haben. „Deshalb sind wir noch ganz entspannt.“

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Die Sponsoren, sagt Bläsius-Wirth, seien über die Verzögerung informiert worden. Es bestehe überhaupt keine Gefahr, dass einer der Geldgeber abspringe. Rund 350 000 Euro kostet das Schiff, es wäre die erste permanent fahrende Elektrofähre auf einem fließenden Gewässer in Europa. Neben Leader-Förderung in Höhe von 168 000 Euro gibt es eine 54 000-Euro-Zusage der Allianz Umweltstiftung und 50 000 Euro von einem Energieversorger. Die VG gibt einen Kredit von 72 000 Euro hinzu.

56 000 Euro muss der Förderverein beisteuern, der seit Jahren bei Fährtagen mit einem älteren Boot Spenden sammelt. 26 000 Euro hat er dem Zweckverband bereits zur Verfügung stellen können. „Die ersten drei Fährtage in diesem Jahr sind sehr erfolgreich verlaufen“, sagt Bläsius-Wirth und hofft, dass man mit zusätzlichen Einnahmen die Elektrofähre noch etwas „aufpeppen“ kann. Eine zweite Toilette an Bord wäre zum Beispiel nicht verkehrt.

Wenn alles glatt läuft, soll die Fähre von April bis Oktober an allen Sams-, Sonn-, Feier- und Brückentagen von 10 bis 18 Uhr vier Mal pro Stunde zwischen dem Guntersblumer Rheinanleger und dem Kühkopf pendeln. Da man für die Fähre mehrere Kapitäne im Schichtbetrieb braucht, möchte die Gemeinde laut Bläsius-Wirth gern selbst Nachwuchs am Steuerruder auf dem neuartigen Boot ausbilden.

Von Ulrich Gerecke