Einzelcoaching des Caritasverbandes schafft neue Perspektiven

Chibuogu Onoh ist angehende Kauffrau für Büromanagement. Im Mai hat sie ihre Abschlussprüfung. Foto: Thomas Schmidt

Chibuogu Onoh ist alleinerziehende Mutter. Eine Trennung warf sie aus der Bahn, doch individuelle Betreuung verhalf ihr zu einem Ausbildungsplatz als Kauffrau für Büromanagement.

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INGELHEIM/GENSINGEN. Chibuogu Onoh nutzt jede freie Minute, um sich in ihre Lehrbücher zu vertiefen. Bis zur Abschlussprüfung im Mai muss noch einiges an Stoff gebüffelt werden. Doch die angehende Kauffrau für Büromanagement ist optimistisch, dass das Pensum zu schaffen ist. Und das, obwohl der Alltag der alleinerziehenden Mutter auch ohne Lernen gut ausgefüllt ist. Die Arbeit in der Verbandsgemeindeverwaltung Sprendlingen-Gensingen und ihre drei Kinder (fünf, neun und zehn Jahre alt) sorgen dafür, dass Langeweile gar nicht erst aufkommen kann.

Chibuogu Onoh ist angehende Kauffrau für Büromanagement. Im Mai hat sie ihre Abschlussprüfung. Foto: Thomas Schmidt

Trennung wirft Nigerianerin zunächst aus der Bahn

Dank der Ausbildung bei der Verbandsgemeinde hat Chibuogu Onoh eine berufliche Perspektive, die vor Jahren noch völlig außer Sicht war. Eine Trennungssituation hatte die gebürtige Nigerianerin aus der Bahn geworfen. Plötzlich war sie mit den Kindern auf sich allein gestellt und musste ihre Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten abbrechen. „Ich war ganz verzweifelt“, erinnert sich Chibuogu Onoh, wie ihr die Probleme damals über den Kopf wuchsen.

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Dann aber öffnete sich ein Türchen. Das Jobcenter Mainz-Bingen bot ihr die Teilnahme an einem Einzelcoaching an, das der Caritasverband im Landkreis anbietet. Das Coaching unterstützt langzeitarbeitslose Menschen bei der Bewältigung von Krisen und hilft ihnen dabei, neue Perspektiven zu entwickeln. „Beim Einzelcoaching kann man sehr individuell auf die Probleme eingehen“, erklärt Silke Kleinschmitt, die als systemisch lösungsorientierte Beraterin für das Caritaszentrum St. Antonius in Bingen tätig ist. „Wir bieten das Einzelcoaching im ganzen Landkreis an, auch im Caritaszentrum St. Laurentius in Ingelheim.“

Die individuelle Betreuung ist hilfreich, weil die Betroffenen nicht nur Arbeit suchen, sondern oft ein ganzes Bündel an Problemen mit sich herumschleppen. Mal sind es gesundheitliche Einschränkungen, mal finanzielle Schwierigkeiten, mal eine Trennung- oder Scheidungssituation. So war es auch bei Chibuogu Onoh, die mit der Situation als alleinerziehende Mutter erst mal klar kommen musste. Da blieb zunächst wenig Raum für eigene Pläne.

„Ich wollte unbedingt wieder an die Uni gehen“, erzählt die 35-Jährige, die in Nigeria Tiermedizin studiert, aber nicht abgeschlossen hatte. Doch spätestens mit der Scheidung war dieser Traum geplatzt. Chibuogu Onoh musste sich und ihr Leben neu organisieren. Dabei half ihr die Coachingmaßnahme des Caritaszentrums. „Zuerst war ich skeptisch, ob es etwas nutzt“, bekennt die angehende Kauffrau für Büromanagement. Doch die Skepsis war bald verflogen. Durch die individuelle Betreuung gelang es ihr, Struktur in ihr neues Leben zu bringen und sogar beruflich wieder Fuß zu fassen.

Das allerdings war kein leichtes Unterfangen, wie Silke Kleinschmitt berichtet. Denn die landläufige Meinung, wenn man sich nur genügend anstrenge, dann finde man schon etwas, gelte längst nicht für jeden. Viele Arbeitgeber hätten Vorbehalte, Leute einzustellen, die schon länger auf Jobsuche seien. Und für eine alleinerziehende Mutter mit drei kleinen Kindern öffnen sich auch nicht sofort alle Türen. Daher musste Chibuogu Onoh erst mal Dutzende von Absagen verkraften, bevor es ein Erfolgserlebnis gab. Mit viel Geduld und Unterstützung ihrer Beraterin gelang es schließlich, einen Ausbildungsplatz zu finden.

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Seit vier Jahren bietet der Caritasverband das Einzelcoaching für langzeitarbeitslose Menschen an. Zirka 70 Klienten hat Silke Kleinschmitt seither betreut und begleitet. Darunter etliche, die an einer Eingliederungsmaßnahme im Ingelheimer Caritaszentrum St. Laurentius teilgenommen hatten. Gut zehn Prozent der Klienten konnten direkt in eine Ausbildung oder einen Job vermittelt werden. Doch auch bei anderen Teilnehmern habe der Prozess Früchte getragen, berichtet die Beraterin. Die persönliche Situation konnte stabilisiert, neue Motivation geschaffen und ein Anstoß gegeben werden. In einigen Fällen hat Silke Kleinschmitt Monate nach dem Coaching erfahren, dass ein früherer Klient einen Praktikumsplatz oder eine Ausbildungsstelle gefunden hat. Dank der Hilfsmaßnahme hatten die Betroffenen neuen Mut gefasst und sich selbst auf den Weg gemacht.