Mobilfunk-Betreiber wollen wieder auf Osthofener Schill-Turm

Der Mastenwald auf dem Schill-Turm ist ein gewohnter Anblick. Auch nach dem Umbau zum Wohnturm könnte von dort aus der Mobilfunk gesichert werden. Dann aber genügt ein einziger Mast für 18 Antennen plus Richtschüsseln.

Während des Umbaus sollen provisorische Masten in der Neuen Mitte errichtet werden, um die Netze zu sichern. Über den künftigen Standort diskutierte jetzt der Bauausschuss.

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Osthofen. Die Funkmasten auf dem Schill-Turm waren gefühlt immer da. Die meisten, die ganz selbstverständlich zum Smartphone greifen, haben sich vermutlich nie damit beschäftigt, was es bedeuten würde, wenn die Masten runter müssten vom Turm. Doch das müssen sie für den Umbau. Aber was dann? Und wohin sollen sie danach? Eine Frage, die jetzt erneut den Ausschuss für Bau, Planung und Stadtentwicklung beschäftigte. Nachdem die Fraktionen mehrere Experten angehört hatten, empfahlen sie nun bei einer Enthaltung dem Stadtrat, einer Ausnahmegenehmigung zuzustimmen. Denn nur dann könnte ein zwölf Meter hoher Mobilfunkmast auf dem künftigen Wohnturm platziert werden – ein neu zu errichtender Funkmast würde sonst dem geltenden Bebauungsplan widersprechen, da eine Gebäudehöhe von 60 Metern überschritten würde.

Auch ICE-Strecke und Klinikum werden von Osthofen aus bedient

Nachdem alle Fakten auf dem Tisch lagen, skizzierte Marc-Peter Berkes (CDU) nüchtern die Alternativen: „Entweder wir haben Osthofen ohne Mobilfunk. Oder wir haben den Schill-Turm, wo wir die Antennen gewohnt sind. Oder wir haben mehrere Standorte in der ganzen Stadt, die aber erst hergerichtet werden müssen.“ Und, auch das legten Experten in der Sitzung dar: Sämtliche bereits geprüften Alternativen wären nicht so gut geeignet wie der Schill-Turm – wenngleich es keineswegs der einfachste Weg sei, den Mast für drei Betreiber auf dem künftigen Wohnturm in der Neuen Mitte zu errichten.

Auch die Investorengruppe „Neue Mitte Osthofen“ habe erst während der Planungen festgestellt, wie wichtig der Standort ist, gestand Harry Käfer. Vom Schill-Turm aus werden nicht nur die Kunden der drei Betreiber versorgt, sondern auch Datenpakete über Richtfunk 20 bis 30 Kilometer weit verschickt. Unter anderem wird von hier aus auch die ICE-Strecke abgedeckt oder das Klinikum Worms bedient. Nachdem sich verschiedene Standorte, darunter das Gesundheitszentrum Osthofen, als nicht realisierbar erwiesen hätten, sei die jetzige Idee entstanden: Während die oberen Stockwerke des Schill-Turms zurückgebaut und der Rohbau für das künftige Wohngebäude erstellt wird, sollen die Antennen auf zwei temporären Masten angebracht und auf einem Grundstück in der Neuen Mitte platziert werden, das zuletzt bebaut werde, sagte Harry Käfer.

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Auf neuem Turm wird „aufgeräumt”

So schnell wie möglich soll der Funkmast dann auf dem neuen Turm auf den Fahrstuhlschacht draufgesetzt werden – denn da die kranartigen Masten des Provisoriums gemietet sind, werde jeder Monat richtig teuer, erklärte Klaus Otto von der Deutschen Funkturm GmbH (DFMG). Klar ist auch: Der jetzige Mastenwald auf dem Turm wird dann verschwinden, es wird „aufgeräumt“. Der quadratische Gitterträger bietet Platz für 18 Antennen, sechs pro Betreiber, sowie die erforderlichen Richtfunk-Schüsseln. Die DFMG wolle den Betreibern – und damit auch den Nutzern – zukunftsfähige Bedingungen bieten, betonte Otto.

Aufgrund seiner Höhe könne der Turm die gesamte Umgebung abdecken, erklärte Klaus Harksel von der Deutschen Telekom, der von einer „Schirmzelle“ sprach. „Je niedriger ein Standort ist, desto schmaler der Winkel – und umso höher ist dann die Dämpfung durch ein Gebäude.“ Auch der sogenannte Gebäudeschatten war ein Punkt, warum andere Standorte weniger geeignet seien. Und: Auf „normalen“ Dächern wäre maximal Platz für zwei Betreiber gewesen. Dann aber wären mindestens sechs Standorte in ganz Osthofen benötigt worden.

Zwar könne man Funkmasten auch auf Windrädern oder Strommasten anbringen, diese könnten aber aufgrund ihrer Entfernung von der Wohnbebauung nur Lücken schließen, erklärte Harksel. Gleiches gelte für Fassadenlösungen, sogenannte Small Cells, die etwa in engen Altstadtgassen den Empfang verbessern könnten, wo der Gebäudeschatten zu groß sei. Deshalb scheide für den Schill-Turm auch ein Antennenkranz um die Spitze, wie ihn Jürgen Vatter (FWG) ins Spiel gebracht hatte, aus – er wäre laut Harksel und Otto nicht leistungsfähig genug.

Bleibt noch die Frage nach den Emissionen – und damit dem Schutz der künftigen Bewohner. Jeder Standort bekommt eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung. Aus den jeweiligen Parametern wie Antennentypen oder Funkarten berechnet die Bundesnetzagentur den erforderlichen Sicherheitsabstand. Bei einem zehn Meter hohen Träger plus einem zwei Meter hohen Aufsatz seien das 2,30 bis 2,50 Meter – genügend Puffer also, wie Harksel prognostizierte. „Und wenn Sie in dem Haus wohnen, sind Sie ohnehin unter dem Schirm, denn wir funken ja vom Gebäude weg.“ Die Betondecke dämpfe die Strahlung zudem enorm, doch auch die geplanten Dachterrassen seien weit genug weg, betonte der Telekom-Experte.