Bariton und Pianistin präsentieren in Dittelsheim-Heßloch...

Pianistin Britta Elschner und Joscha Zmarzlik boten eine anerkennenswerte künstlerische Leistung.               Foto: photoagenten/Christine Dirigo  Foto: photoagenten/Christine Dirigo

(fbe). Die „Winterreise – ein Zyklus schauerlicher Lieder“, mit diesen Worten hatte Franz Schubert (1797-1828) seinen Freunden im Jahr 1828 ironisch sein neues und...

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DITTELSHEIM-HESSLOCH. (fbe). Die „Winterreise – ein Zyklus schauerlicher Lieder“, mit diesen Worten hatte Franz Schubert (1797-1828) seinen Freunden im Jahr 1828 ironisch sein neues und zugleich letztes großes Oeuvre präsentiert, und tatsächlich kam es bei diesen zunächst gar nicht gut an. Nur der berühmte „Lindenbaum“ fand Anklang.

Wahrscheinlich waren die Freunde erschrocken ob der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung am Leben, gepaart mit einer guten Portion Selbstmitleid, die ihnen da aus den Noten entgegensprang. Metapher über Metapher, viele davon uns heute nur noch nach Befragung entsprechender Literatur verständlich, will vom geneigten Zuhörer aufgenommen werden in 24 Liedern von „Gute Nacht“ bis zum „Leiermann“.

Mit Blick aufs Winterende passt das Thema durchaus

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An diesen großen, letzten Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller wagten sich die beiden Solisten des Abends, Joscha Zmarzlik, Bariton, und Britta Elschner am Klavier in der Dittelsheimer Heidenturmkirche. Für die Fastnachtszeit ein eher düsteres Unterfangen, im Hinblick auf das baldige Winterende und mit der Hoffnung auf die große Erneuerung im Frühling aber durchaus passend.

Joscha Zmarzlik und Britta Elschner sind gleichermaßen im Opern- und Liedrepertoire zuhause und boten den Zuhörern eine schlüssige Interpretation dieser „schweren Kost“. Einfühlsam und stets technisch überlegen, begleitete die Pianistin mit einer weiten dynamischen Bandbreite. Da vergaß man schnell, dass in der Heidenturmkirche leider kein Konzertflügel zur Verfügung steht, sondern nur ein mehr oder weniger klangfreudiges „normales“ Klavier.

Die „Winterreise“ verlangt von den Interpreten einen großen Spannungsbogen über fast zwei Stunden und dass sie sich nicht anstecken oder gar verschlingen lassen von der großen Depression, die aus den Liedern klingt. Das gelang Joscha Zmarzlik mit seinem sonoren Bariton. Drama und Verzweiflung wechselten sich ab, und er schaffte es, aus diesem Zyklus, der ja eigentlich keinen Handlungsverlauf hat außer dem, dass am Ende alles im Tode mündet, ein schlüssiges Ganzes zu machen.

Vom Publikum, das sich trotz Fastnacht in der Heidenturmkirche eingefunden hatte, gewann man den Eindruck, dass es sich bewusst zu diesem Konzertbesuch entschlossen hatte und die „Winterreise“ nicht zum ersten Mal hörte.

Entsprechend honorierte es die künstlerische Leistung der beiden Interpreten mit viel Applaus. Wieder einmal zeigte sich, dass die Heidenturmkirche ein Konzertort ist, der Künstlern die Möglichkeit bietet, auch Konzertprogramme darzubieten, die weder dem Mainstream angehören, noch das große Geld bringen.

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Kammermusik und Liedkunst war wegen des recht hohen Anspruchs an die Vorbildung der Zuhörer schon immer für einen eher kleineren Kreis interessant. Dieses Publikum gibt es, aber das entsprechende Angebot wird immer kleiner, weil es sich für Konzertveranstalter „nicht rechnet“.

Unschätzbarer Beitrag zur Pflege klassischer Musik

Daher ist es der evangelischen Kirchengemeinde in Dittelsheim-Heßloch hoch anzurechnen, dass sie immer wieder den Kirchenraum zur Verfügung stellt und mit den Kammerkonzerten nicht nur Leben in die Heidenturmkirche bringt, sondern einen unschätzbaren Beitrag zur Pflege der klassischen Musik leistet.