Die Gedankenwelt des Reformators

aus 500 Jahre Reformation

Thema folgen
In dem knapp einstündigen Stück wurde der Reformator in 20 kurzen Szenen vorgestellt.Foto: pa/Pakalski  Foto: pa/Pakalski

In Thomas Stallers Stück „Martin Luther in Worms und die Folgen“, das das Theater-Ensemble Szene9 im Lincoln-Theater zeigte, spielte der Reichstag zu Worms eine...

Anzeige

WORMS. In Thomas Stallers Stück „Martin Luther in Worms und die Folgen“, das das Theater-Ensemble Szene9 im Lincoln-Theater zeigte, spielte der Reichstag zu Worms eine entscheidende Rolle.

Staller, der auch das Bühnenbild entworfen hatte, eine Art Tempel mit vier Säulen, und Regie führte, stellte den Reformator in 20 kurzen Szenen vor. Dabei kam es ihm offensichtlich nicht nur darauf an, seine Zuschauer mit den Ereignissen dieser Zeit, sondern auch mit dem Charakter und der Gedankenwelt Luthers bekannt zu machen. Recht geschickt komprimierte der Autor die Zusammenhänge zu knappen, gut verständlichen Dialogen. Seinem Hauptdarsteller (David Heilig) legte er dabei manches Zitat in den Mund, was dem Stück Authentizität verlieh.

Mit Verkauf von Ablässen beginnt Geschichte

Anzeige

Die Geschichte beginnt mit dem Verkauf von Ablässen durch vier junge Frauen (Karoline Rößler, Lena Leidemer, Julia Schöttle und Julia Kryssenko). Aufgebracht versucht der Augustinermönch sie davon zu überzeugen, dass weder Ablässe noch gute Werke die Menschen vor Gott gerecht machen, sondern allein die Gnade (sola gratia). Einig weiß sich Luther dabei mit Georg Spalatin (Jonathan Schulz), der im Stück eine wichtige Funktion als engster Freund und Gesprächspartner Bruder Martins erhält. Spalatin hatte in der Tat eine einflussreiche Position am Hof Kurfürst Friedrichs des Weisen, die es ihm ermöglichte, Luther zu unterstützen. Drei der 95 Thesen, die in aller Munde, aber kaum bekannt sind, werden von zwei Frauen aus dem Volk vorgelesen und diskutiert, unter anderem die These eins, dass nach Jesu Willen das ganze Leben des Gläubigen Buße sein solle. Beim Reichstag wird Luther von Johannes von Eck (Torben Hebing) aufgefordert, seine Schriften zu widerrufen. David Heilig, der bisher das ungestüme, aber auch belehrende Wesen Luthers gut dargestellt hat, zeigt ihn nun als festgefügte, glaubensgewisse Persönlichkeit und zitiert – nach der zugestandenen Bedenkzeit – die berühmte Antwort mit Würde. Kaiser Karl V. (Konstantin Reichelt) wird in diesen Szenen in großem Prunk auf seinem Thron präsentiert, vielleicht, um zu demonstrieren, wie groß die Macht ist, mit der sich Martin Luther anlegt. Man findet den Reformator dann auf der Wartburg, wo er das Neue Testament übersetzt, und erlebt seine Auseinandersetzung mit Thomas Müntzer (David Zerfaß) über die Not der Bauern.

Die weiche Seite Luthers

Später darf er dann – verhältnismäßig ausführlich – auch seine weiche Seite zeigen, als die Nonne Katharina von Bora (Clara Leidemer) sich ihm als Ehefrau empfiehlt. Als dann Söhnchen Johannes geboren wird, hängt für Martin Luther der Himmel voller Geigen. Mit dem berühmten Satz vom Apfelbäumchen, der allerdings wohl nicht von Luther stammt, endet das knapp einstündige Stück.