RMF: Stehende Ovationen für die „Carmina Burana“ der...

Stehende Ovationen und Jubel wie bei Rockkonzerten gab es am Ende der Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ in der Basilika von Kloster Eberbach. Beim Rheingau Musik...

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ELTVILLE. Stehende Ovationen und Jubel wie bei Rockkonzerten gab es am Ende der Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ in der Basilika von Kloster Eberbach. Beim Rheingau Musik Festival war die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt zu Gast. Der Hochschulchor der HfMDK, Gastsängerinnen und Gastsänger des Figuralchors Frankfurt, der Frankfurter Kantorei und der Kantorei St. Jakob sowie der Kinderchor des Kammerchors Ars Antiqua Aschaffenburg hatten das Werk unter Winfried Toll einstudiert. Es spielte das Hochschulorchester der HfMDK, die Gesamtleitung hatte der griechische Dirigent Vassilis Christopoulos inne.

Beifall für den Mann in Schwarz

Die Basilika von Kloster Eberbach ist freilich ein besonderer Ort für die „Carmina Burana“, in Erinnerung ist noch die großartige Interpretation unter Thomas J. Frank, die man im Juni vergangenen Jahres dort erleben konnte. Kurz wehte der Geist Loriots durch das Bauwerk: Der unvergessene Humorist hatte als einer Fliege nachjagender Klaviertransporteur einmal die Berliner Philharmoniker durch Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre geleitet. Nachdem Intendant Michael Herrmann seine Begrüßungsworte gesprochen und Vassilis Christopoulos angekündigt hatte, schritt ein schwarz gewandeter Herr in Richtung Bühne. Beifall brandete auf – es war jedoch nicht der Maestro, sondern ein Helfer, der das Mikrofon abholte. Ein heiterer Moment.

Zuerst erklang Modest Mussorgskis „Johannisnacht auf dem Kahlen Berge“. Die russischen Extreme wurden nicht voll ausgekostet. Direkt schloss sich die machtvolle Eröffnung der „Carmina Burana“ an, der Chor „O Fortuna“ brach herein. Eine hypnotische Wirkung ging von ihm aus, die durch das Flackern der Kerzen in der Basilika verstärkt wurde. Beschwörend geriet „Veris leta facies“, hier umkreisten die Klänge aus Chor und Orchester einander, zarte Flötentöne stiegen auf. Im Tanz vermittelte das Orchester unter Christopoulos eine spielerische Ekstase. Orffs Komposition verbindet die Musik des Mittelalters mit dem zwanzigsten Jahrhundert; in den betörend eingängigen Melodien schwingt Kündendes wie Unheimliches mit. Gleitend sang der Chor den Reigen.

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Glanzlichter setzten die Solisten, allen voran der chinesische Bariton Yang Li: Anmutig fesselnd gestaltete er seine Partie, lebhaft eröffnete er den „In taberna“ betitelten Teil. Die Sopranistin Ye Eun Choi überzeugte mit klarem Timbre, schön gerieten die Passagen mit dem Kinderchor.

Komödiantisch untermalte der Tenor Theodore Browne die Klage des in die Fänge des Kochs geratenen Schwans.