Quintett Anima sind in der evangelischen Kirche in...

Das Ensemble Anima aus St. Petersburg gab Lobgesänge und auch weihnachtliche Lieder zum Besten. Foto: photoagenten/Christine Dirigo  Foto: photoagenten/Christine Dirigo

Am Ende ertönten sie dann doch, „Die Abendglocken“, das in Deutschland wohl beliebteste russische Volkslied, an dessen Popularität der berühmte Ivan Rebroff und die...

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WORMS. Am Ende ertönten sie dann doch, „Die Abendglocken“, das in Deutschland wohl beliebteste russische Volkslied, an dessen Popularität der berühmte Ivan Rebroff und die zahllosen Kosakenchöre, die seit Jahrzehnten durch die Lande touren, sicherlich nicht unschuldig sind. Man würde dem Quintett Anima schwer Unrecht tun, die Herren aus St. Petersburg nur auf populäres Liedgut zu reduzieren. Das einstündige Konzert in der Neuhausener evangelischen Kirche war eine tiefgründige Präsentation geistlicher russisch-orthodoxer Kirchenmusik, die eine Jahrhunderte alte Tradition hat und gerade im Choral und später auch im polyfonen Gesang erhebliche Wandlungen erfuhr.

Der Einfluss westlicher Musik, vor allem aus Italien, führte dann zu einer Verfärbung, wenn man will auch Verwässerung, des ursprünglichen Gesangs. Gesang ist gleich Gebet, so lautet das archaische Credo dieser Musikform. Insofern ist die Kirche nicht nur wegen des wunderbaren Klangkörpers ein willkommener Raum für derartige Konzerte.

Umso mehr freute sich Pfarrer Erik Lindstedt in seinen Begrüßungsworten, ein so hochkarätiges Ensemble begrüßen zu dürfen. Anima sind mittlerweile jährlicher Traditionsgast im Wormser Vorort. Private, freundliche Kontakte ermöglichten diesen Abend, an dem der hervorragend Deutsch sprechende Leiter Victor Smirnov durch ein inhaltlich zweiteiliges Konzert führte.

Der erste Teil war von geistlicher Musik geprägt, von Lobgesängen, die doch das Wesen der russisch-orthodoxen Musik begründen. Drei Tenöre, ein Bass und ein Bariton sorgten für einen warmen, homogenen Klang. Selten bekommt man so eine technische Brillanz geboten, die ohne Effekthascherei auf all diese kleinen Emotion schürenden Tricks verzichtet.

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Smirnov führte mit leichter Hand durch die erste halbe Stunde des anspruchsvollen Materials, wobei es ab und an auch weihnachtlich wurde, etwa beim berühmten „Carol of the bells“, eigentlich ein ukrainisches Volkslied. Tenor Egor Nikolaev präsentierte die meisten Soli in diesem homogenen Ensemble, das mit guter Atemtechnik und enormer Leichtigkeit diesen Abend bestritt. Alexej Buzakin ist der Bariton, der neben den Soli zusammen mit Sergei Pieschak für den sogenannten „Isan“, den tiefen Grundton sorgte. Dieser schwebte auf einer Tonhöhe und legte so den Tenorsolisten, so auch Inokenti Jaroslawski, einen Klangteppich aus.

Nach Peter Tschaikovsky und Nikolas Kredov stand die zweite halbe Stunde unter der strengen Prämisse der Traditionsbewahrung. Das „Hau Ruck“-Lied (die Wolgaschlepper) oder „Die Glocken läuten“ wurden kitschfrei interpretiert. Letzteres konnte nur von dem Original-17-Uhr-Kirchengeläut übertroffen werden.

Beim unverwüstlichen „White Christmas“ von dem ursprünglich aus Odessa stammenden Irving Berlin schafften es die allesamt studierten Musiker, ein Arrangement zu wählen, das nach dezent angejazztem 40er-Jahre-Sound klang.

Eine vollgepackte Stunde, die mit „Guten Abend, gute Nacht“, Glühwein und Schmalzbroten ausklang und die das Können von Anima zeigte. Man hofft auf ein Wiedersehen in 2018.