Philharmonie Merck spielt in Kloster Eberbach

Mit Sinfonien von Haydn und Bruckner in der Basilika von Kloster Eberbach im Rheingau eröffnet die Deutsche Philharmonie Merck die Saison.

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ELTVILLE. Joseph Haydns Orchester-Charme und die mächtigen Klangräume Anton Bruckners prägten die Saisoneröffnung der Deutschen Philharmonie Merck: „Spektrum Sinfonie“ war das Konzert in der Basilika von Kloster Eberbach überschrieben, das zwei große Werke glänzend zur Geltung brachte.

Gemeißelt, mit beinharten Paukenschlägen, mächtig dröhnend, rollen die kompakten Klangmassen durch das große Kirchenschiff. Gespielt wird Anton Bruckners dritte Sinfonie d-Moll, die Richard Wagner gewidmet ist. Ben Palmer und die Deutsche Philharmonie Merck haben sich erfreulicherweise für die Erstfassung aus dem Jahre 1873 entschieden, die sich gegenüber den beiden späteren, formal geglätteten Versionen als weit experimentierfreudiger erweist. Palmer, straff und unprätentiös dirigierend, mit Sinn für klangliche Details und zündende Impulse, lässt zu, was andere Dirigenten oft tunlichst vermeiden. Aber Bruckner selbst hatte es so angelegt: Breitwandpathos, Schwelgen und Schwärmen, Ekstatik mit kulinarischem Eintauchen in massive Klangwogen, elektrisierende Entladungen, zielstrebig angegangene Kulminationen und Lust an harmonischen Reibungen.

Geprägt von Palmers Denken in Farben, Stimmen und Klangschichten gibt es gleitende Übergänge neben harten, gleichsam filmischen Schnitten, wobei in Spannungspausen die hallige Akustik der Eberbach-Basilika für beredten Nachklang sorgt – wie in ferne, ungeahnte Dimensionen entrückt.

Das alles wirkt plastisch und direkt, lebendig und frisch. Die Merck-Instrumentalisten scheinen sich am wohlsten zu fühlen, wenn sie vitale Energien freisetzen können. Dabei geht viel Glanz vom Blech aus, und die Holzbläser bestechen durchweg mit hervorragenden Leistungen. Vor allem bei den dynamischen Steigerungen kann sich der füllige Streicherton weiträumig entfalten.

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Mit Blitzschlägen ins Finale

Die Kontrabässe sind als dunkel tönende Rückfassade hinter den Bläsern postiert, während die Celli im Vergleich zu den übrigen Streichergruppen unterbesetzt scheinen. Mitreißend der Abschluss: Nach den prasselnden Blitzschlägen des Scherzos geht es mit geballter Kraft in die Klimax des Finales.

Nicht minder experimentierfreudig war zu seiner Zeit Joseph Haydn, dessen Sinfonie Nr. 13 in D-Dur, 110 Jahre vor Bruckners Dritter entstanden, zu Beginn des Konzertes zu hören war: Allzu bläserlastig im ersten Satz, mit verschlungenen solistischen Cello-Girlanden im „Adagio cantabile“ und hübschen Flöten-Arabesken im Menuett-Trio. Das Finale schließlich überraschte mit einem prägenden Vierton-Motiv, das auch bei Mozarts „Jupiter“-Sinfonie Verwendung findet.