Monteverdis „L‘Orfeo“ ab 8. September in Darmstadt

Als Studienleiter hat Joachim Enders das Staatstheater im Sommer verlassen, als Gastdirigent kehrt er zurück. Foto: Theater

„L’Orfeo“ geht zurück an den Anfang des Musiktheaters, als dessen Erfinder Monteverdi gilt. Gastdirigent Joachim Enders steht damit vor seiner ersten eigenen Darmstädter Premiere.

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DARMSTADT. An einem einzigen Wochenende misst das Darmstädter Staatstheater die Spannweite der Operngeschichte aus. Am Sonntag hat mit Messiaens Franziskus-Oper das ambitionierteste Werk dieser Gattung aus dem 20. Jahrhundert Premiere. Tags zuvor geht die Premiere von „L’Orfeo“ in den Kammerspielen ganz zurück an den Anfang des Musiktheaters, als dessen Erfinder Claudio Monteverdi gilt, auch wenn Jacopo Peri ein paar Jahre früher war. Der Riesenapparat feiert einen Heiligen in selbstgewählter Armut, in den Kammerspielen aber tritt die Welt der Götter prunkvoll in Erscheinung, und der Regisseur Andreas Bode will mit einer opulent ausgestatteten Erzählung die barocke Theaterlust vermitteln.

Fünf Renaissance-Posaunen und zwei Cembali

Bei den Proben aber hat das Team erst einmal nur den Text gelesen. Denn Wort und musikalischer Ausdruck sind in dieser Komposition sehr eng aufeinander bezogen, einer der Gründe, warum dieses Stück bis heute so ausdrucksstark wirkt. Und die Partitur ist durchzogen von Signalen der musikalischen Textdeutung. Man muss sie nur finden. Oder erfinden, denn die Aufführung des Werkes verlangt hunderte von Entscheidungen. Das fängt mit der Besetzung an; bei der Uraufführung sollen es 41 Musiker gewesen sein, Andreas Bode hat das Stück schon mit fünf Sängern und acht Instrumentalisten aufgeführt und war zufrieden.

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Joachim Enders, viele Jahre Studienleiter, jetzt Gastdirigent am Staatstheater, hat ein Ensemble zusammengestellt, dessen Besetzung zur Größe der Kammerspiele passt. Zwei Theorben sind dabei, ein Regal, das mit seinen schnarrenden Tönen für die Effekte der Unterwelt zuständig ist, die außerdem von zwei Trompeten und fünf Renaissance-Posaunen beschallt wird. Zwei Cembali, eine Truhenorgel – und eine Harfe, die in der Mitte des Stückes ein großes Solo spielen wird. Enders hat die Stimme komplett notiert, wie überhaupt das Material für diese Aufführung von ihm erarbeitet werden musste. Und wenn er davon erzählt, spürt man, wie viel Spaß ihm die Arbeit mit diesem Material gemacht hat. Welches Instrument spielt wann mit, welche Akkorde wählt man, welche Phrasierungen und Effekte? Mit den Antworten auf diese Fragen entwickelt jede Aufführung des Werkes eine eigene musikalische Handschrift, die sich im Laufe der Einstudierung auch noch verfeinert.

Enders lässt sich von Fragen der musikalischen Dramaturgie leiten, es ist ja ein Stück, das seine Expressivität durch Nuancen erreicht. Der Chor wird von den Solisten gebildet, hinzu kommt ein abseits postierter fünfstimmiger Madrigalchor. Auch durch die verteilten Positionen der Instrumentalisten soll die Raumwirkung der Musik verstärkt werden. Und weil Wort und musikalische Rhetorik Hand in Hand gehen, werden auch die Grenzen zwischen Singen und Sprechen erreicht, ganz im Sinne Monteverdis, der sich ein singendes Sprechen wünschte.