RLF: Jan Seghers stellt seinen sechsten...

Richtig neugierig auf seinen neuen Marthaler-Krimi macht Autor Jan Seghers im Gespräch mit Heiner Boehncke. Foto: RLF/Ansgar Klostermann  Foto: RLF/Ansgar Klostermann

Eine Krimilesung, abgebrochen an einer extrem spannenden Stelle – und dann kein Büchertisch dazu, an dem man das Werk erwerben und weiterlesen kann. Das ist für Autor und...

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JOHANNISBERG. Eine Krimilesung, abgebrochen an einer extrem spannenden Stelle – und dann kein Büchertisch dazu, an dem man das Werk erwerben und weiterlesen kann. Das ist für Autor und Publikum recht unbefriedigend, aber in diesem Fall ging es nicht anders. Die Fans von Kommissar Robert Marthaler müssen sich halt noch bis Anfang November gedulden, bis der sechste Band der Serie von Jan Seghers – Pseudonym des Frankfurter Autors Matthias Altenburg – erscheint.

Basis ist der Mord an dem 13-jährigen Tristan Brübach

Der Titel: „Menschenfischer“ – was es mit der biblischen Metapher auf sich hat, erläuterte der Schriftsteller bei der Lesung des Rheingau Literatur Festivals auf Burg Schwarzenstein aber nicht. Nur, dass er lange nach einem passenden Titel suchte: Origineller als der erste Vorschlag „Der Mann im Nebel“ ist „Menschenfischer“ allemal. Mit Moderator Heiner Boehncke, den Gastgeber Michael Herrmann in einem viel belachten Versprecher kurz mal zum „Intendanten des Rheingau Musik Festivals“ werden ließ, konnte sich Seghers in der voll besetzten Halle eines kundigen Gesprächspartners sicher sein. Boehncke, wie auch augenscheinlich die meisten Besucher, hatte die ersten fünf Marthaler-Bände samt ihrer ZDF-Verfilmungen sehr präsent. Seghers bedient sich gerne bei tatsächlich existierenden Kriminalfällen und hat sich hier einen besonders furchtbaren, bis heute unaufgeklärten Kindermord zum Thema gewählt: den Fall Tristan Brübach. Ende des vergangenen Jahrtausends wurde die grausam zugerichtete Leiche des 13-Jährigen in einem Tunnel in Frankfurt-Höchst gefunden; die Umstände ließen Kannibalismus und einen Ritualmord vermuten. Es begann eine der größten Polizeiaktionen der Nachkriegszeit, doch der Täter wurde nie gefunden. 2016 versuchte man, den Mord einem Serientäter, der mehrere Prostituierte ähnlich bestialisch getötet hatte, mit in die Schuhe zu schieben, doch es bestehen nach wie vor Zweifel an der Täterschaft des Jazzmusikers und Familienvaters aus Schwalbach am Taunus, der zwischenzeitlich an Krebs starb.

Diese Wendung, sagte Seghers, habe ihn beim Schreiben des Krimis gehemmt: Er hatte nämlich eine andere Handlung im Sinn. Doch die Kurve scheint er gekriegt zu haben, auch wenn er, wie er kokett bekannte, „die letzte Seite erst heute Morgen“ geschrieben hat: Verschiedene Verzögerungen persönlicher Natur ließen den Krimi verspätet fertig werden. So ist die Spannung auf das fertige Werk jetzt groß, und Seghers verstand es auch, sie auf Burg Schwarzenstein noch ordentlich anzuheizen. Großer Beifall und viele interessante Zuhörerfragen für Literatur-Festival-Stammgast Seghers, der fast alle seine Marthaler-Krimis hier schon vorstellen konnte.