Wolfsheim: Weingut Bernhard

Sie haben gut lachen: Jörg und Sabine Bernhard mit Tochter Martina. Foto: Wolfgang Blum

Auf dem Weingut Bernhard in Wolfsheim arbeiten drei Generationen mit. Hier sind die Weine nach einem Vier-Stufen-Modell klassifiziert: Literweine, Gutsweine Premiumweine und...

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Wolfsheim. Der Slogan macht neugierig: „Ausgezeichnete Weine von außergewöhnlichen Menschen". Was die Weine betrifft, kann Jörg Bernhard Zeugen benennen. Das Wolfsheimer Weingut zählt unter anderem zu den Top 100 der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft.

Was aber ist mit den Menschen? Auf den ersten Blick nichts Besonderes: Ein Familiengut, das sich vom landwirtschaftlichen Mischbetrieb zum Weingut entwickelte. Heute wirken dort drei Generationen: Jörg und Sabine Bernhard, die das Weingut seit 1995 führen; Max Bernhard und seine Frau Marliese, die es aufbauten; und Martina, die kurz vor der Mittleren Reife steht und danach eine Winzerlehre beginnt.

Weine nach dem Vier-Stufen-Modell

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Sie ist trotz ihrer Jugend schon seit zwei Jahren „unser sensorisches Herz". Spätestens jetzt wird man hellhörig: Da räumt ein gestandener Weinbautechniker ganz gelassen ein, dass seine 16-jährige Tochter die bessere Zunge hat als er. Solche Väter gibt es nicht viele.

Die bessere Zunge bringt uns zurück zum Wein. Der ist bei Bernhards nach einem Vier-Stufen-Modell klassifiziert. Die Literweine sind einfache Zechweine. Als Gutsweine gelten rebsortentypische Weine zum Genießen. Premiumweine heißen die trocken ausgebauten Spitzenweine. Sie haben allesamt mindestens Spätlesequalität, ohne dass dies auf dem Etikett vermerkt ist.

Innerhalb dieser Linie sticht die Edition Martina heraus. Je ein weißer und ein roter Wein werden nach den sensorischen Vorstellungen der ältesten Bernhard-Tochter zum Spitzenwein ausgebaut. Prädikatsweine sind Weißweine, die lieblich oder edelsüß ausgebaut sind. Außer im Liter-Sektor werden alle Bernhard-Weine absolut rebsortenrein ausgebaut . Die roten Weine reifen allesamt im Holzfass, die weißen sämtlich im Stahl- oder Kunststofftank.

Wenn Bernhard von seinen Weinen spricht, bezeichnet er die gärenden Moste gern als „meine Babys". Seine Nachbarn sehen oft noch nachts Licht im Keller, wenn Bernhard am Gärröhrchen guckt. Er schwört auf temperaturgesteuerte Vergärung unter intensiver Beobachtung, gern auch mehrmals täglich oder erst weit nach Mitternacht.

Rheinhessische Schmankerln im Winterhalbjahr

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Ob er ein Weinfreak ist? „Ja, sicher!", räumt Bernhard ein. Und wo fühlt er sich wirklich am wohlsten? „Mehr Spaß macht es im Keller, aber weit wichtiger ist die Arbeit im Weinberg." Das ist einer der Gründe, warum er trotz 25 Hektar Betriebsgröße den kompletten Rebschnitt und viele andere Arbeiten ohne fremde Hilfe erledigt.

Die gute Seele in der Gutsschänke ist Sabine Bernhard. Die Hauswirtschaftsleiterin präsentiert ihren Gästen dort während des Winterhalbjahres rheinhessische Schmankerln. Die neue Reihe „Mittwochs in Wolfsheim" gibt Gästen neuerdings ganzjährig Gelegenheit, Weine und Leckereien zu probieren.

Jörg Bernhard liebt diese Abende. Dabei wird nicht nur über Wein gesprochen, sondern über Gott und die Welt. „Die ist gut, solange der Wein gut ist", philosophiert Bernhard – und spätestens nach dem letzten „Prost!" weiß man, dass er mit seinem Slogan nicht übertrieben hat.