Jobwahl: Was sind die aussichtsreichsten Berufe?

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Der Traumjob ist oft nur ein Vorstellungsgespräch weit entfernt. Foto: https://pixabay.com/de/photos/traumjob-bewerbung-stelle-gesuch-2904780/

Es gibt Zukunftsbranchen – aber keine Garantie, dass ein bestimmter Job absolut krisensicher ist. Dazu existieren zu viele Unwägbarkeiten.

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WIESBADEN/MAINZ. Wer Schule oder Studium beendet, will nicht nur einen Job, der Spaß macht, sondern auch einen, der aussichtsreich ist und gute Zukunftschancen bietet. Also macht man sich auf die Suche im Internet. Doch das ist schwieriger als gedacht. In die Suchmaschine die Worte „die aussichtsreichsten Berufe“ eingegeben, spuken Computer und Smartphone eine kaum zu überblickende Fülle an Portalen und Links aus. Die Einträge sind so vielfältig und individuell wie die Jobsuche und die Präferenzen der Menschen.

Besonders viele Einträge finden sich im Internet zu den bestbezahlten Berufen. Wahlweise unterschieden zwischen akademischen und Ausbildungsberufen. Doch ist Geld bekanntlich nicht alles. Cool sollen die Jobs sein – und krisensicher. Übersichten dazu verlieren sich jedoch mitunter in Allgemeinplätzen und Nischenberufen. Wer hat zum Beispiel das Zeug dazu, Virologe oder Virologin zu werden? Und natürlich sind Pflegejobs und Stellen für Erzieher/innen krisensicher – doch leider nicht gut bezahlt, obwohl sehr anspruchsvoll.

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Und natürlich bieten E-Commerce und Digitalisierung beste Perspektiven. So werden als krisensichere und zukunftsträchtige Jobs zum Beispiel Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce, Category-Manager, Performance Marketing Manager für den Online-Vertrieb, Software-Entwickler, Entwickler von Computerspielen oder Cloud-Architekten genannt. Aber auch – wegen des zunehmenden Gesundheitsbewusstseins – Lebensmitteltechniker. Aufgeführt werden überdies Datenwissenschaftler, Suchmaschinenoptimierer (SE O-Manager), UX-Designer (für Benutzeroberflächen von Webseiten oder Apps), Flachglas- oder Mikrotechnologen, Supply-Chain-Manager (Lieferketten), App- und Social-Media-Manager, IT-Security-Spezialisten oder Netzplaner für die Fabriken der Zukunft. Aber auch Klassiker wie Mechatroniker und Hörakustiker gehören dazu.

Das Dekra-Institut ermittelt jedes Jahr die Top Ten der gefragtesten Berufe, die übrigens mehr als ein Viertel der Stellenangebote ausmachen. Auch im diesjährigen Dekra-Arbeitsmarktreport rangieren Elektronikerinnen und Elektroniker sowie Fachkräfte für die Gesundheits- und Krankenpflege vorne (siehe Grafik). Besonders gefragt sind aber auch Kundenbetreuer und -berater, Sales Manager, Produktionshelfer sowie Lagerlogistik- und Personal-Berufe.

Doch wie gut lassen sich die Perspektiven überhaupt abschätzen? Zwar würden in sehr vielen Branchen neue Mitarbeiter händeringend gesucht, dürfte in Zukunft bei Hoch-Qualifizierten Vollbeschäftigung herrschen, grundsätzlich sei jedoch die Nennung von einzelnen Berufsbildern schwierig, meinen Experten. Es gebe keine Garantie, Prognosen verschiedener Institute und Experten ließen lediglich zu, Trendszenarien zu entwerfen, heißt es zum Beispiel bei digitale-talente.com. Beleuchtet werden müssten vielmehr Branchen und Wirtschaftszweige.

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Doch auch manche Branchenbetrachtung hat ihre Schwächen. So listet das Portal karrierebibel.de eine Reihe von Branchen auf, die, wie es heißt, Untersuchungen zufolge Stellenzuwachs erwarten ließen. Dazu gehört die Baubranche, die chemische, Elektro- und Ernährungsindustrie, Feinmechanik und Optik, Glasindustrie, der Groß- und Außenhandel, allgemein das Handwerk, Schiffbau und Meerestechnik, die Logistik und die Textil- und Modeindustrie. Genannt werden aber auch die Autoindustrie sowie der private Rundfunk und Telemedien. Beides Branchen, die in einem tiefgreifenden Wandel stecken und daher mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Und in der Baubranche ist es mit den nun wieder steigenden Zinsen zumindest nicht unwahrscheinlich, dass der Bauboom nachlässt.

Hinzu kommt, dass sich die Arbeitswelt derart schnell wandelt, dass es in zehn Jahren wahrscheinlich Berufe mit guten Aussichten gibt, die wir heute noch nicht einmal erahnen können. Oder dass sich die Lage wesentlich schneller und tiefgreifender ändert als erwartet. „Die Arbeitswelt der Zukunft wird von Künstlicher Intelligenz geprägt sein, doch was das im Detail für Unternehmen, Beschäftigte und Sozialpartner bedeutet, ist noch unklar“, schreibt die „Denkfabrik“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Fest stehe jedoch, dass KI „das Potenzial hat, die Arbeitswelt stärker zu verändern als bisherige Technologien“. Und dass sie „neue Qualifikationsbedarfe“ bringe.

Das Verständnis von Arbeit ändert sich

Zudem ist zu erwarten, dass sich unser Verständnis von Arbeit und Beruf grundlegend wandelt – mit entsprechenden Konsequenzen für das Jobangebot. „Wir befinden uns in einer Zeit des Übergangs zur Postwachstumsgesellschaft“, schreiben die Zukunftsforscher Matthias Horx und Harry Gatterer auf der Website ihres Zukunftsinstituts. „Die kapitalistisch geprägten Vorstellungen von Karriere und Erfolg treten sukzessive in den Hintergrund. An ihrer Stelle nehmen Werte Platz, die nicht mehr unbedingt an harte Faktoren wie Einkommenshöhe und Status gekoppelt sind, sondern die mit weichen Faktoren wie Sinnhaftigkeit, Gestaltungsmöglichkeiten und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verbunden sind.“