Nicht nur an Halloween liegen Elfen und Feen im Trend

Von Julia Anderton
Mitarbeiterin Lokalredaktion Wiesbaden

WIESBADEN - Rund um Halloween begegnet man auf den Straßen, in Filmen und Büchern allerhand schaurigen Gestalten. Sie bekommen allerdings zunehmend Konkurrenz durch sanftere Fantasiewesen. „Sehr lange war der Protagonist der schillernde Vampir, der die dunkle und helle Seite in sich vereinte und zum Schwärmen anregte. Das verlagert sich gerade etwas auf andere Wesen“, bestätigt Vera Anna von der Buchhandlung „Buch vor Ort“ in Bierstadt. „Heldinnen aus sagenumwobenen Königreichen wie Elfen, Feen oder auch Einhörner bieten in ihrer Reinheit und Unschuld – wobei Feen und Elfen ja nicht immer gut sind – einen schönen Gegenpol zur vielleicht manchmal beängstigenden Realität. Sie werden gejagt, aber letztendlich gewinnen sie.“ Der Anteil der Romane mit romantischer Fantasy wachse rasant und werde von Mädchen und erwachsenen Frauen nahezu verschlungen: „In ihnen kann man wunderbar seinen Eskapismus ausleben und die Ambivalenz von Romantik und Gefahr ist ausgesprochen faszinierend.“ Aktuell empfiehlt sie Holly Blacks „Elfenkrone“ oder Victoria Aveyard mit der „Farben des Blutes“-Saga.

Jutta Leimbert von der Buchhandlung Vaternahm weist darauf hin, dass Fantasy-Romane häufig als Reihe mit mindestens fünf Bänden erscheinen, viele Anhänger hat etwa Brandon Sanderson mit der „Mistborn“-Serie und den „Die Sturmlicht-Chroniken“. Die Elfen sind besonders stark im Kommen, beispielsweise in Sarah J. Maas’ siebenbändiger „Throne of Glass“-Saga. „Im Gegensatz zu Vampiren, die eher erotisch besetzt sind, sind Einhörner, aber auch Elfen oder Feen, vorwiegend Bestandteil von Kinder-Fantasy-Büchern, finden sich aber durchaus auch in der klassischen Mythologie und Literatur, etwa bei Shakespeare oder in griechischen Sagen“, erklärt Leimbert. „Wir glauben, dass die Attraktivität der Fantasiewelten darin liegt, dass sie eine Welt beschreiben, in der alles möglich ist.“

Erholung von der realen Welt

Sandra Lentzen von der Wiesbadener Akademie für Psychotherapie kann diese Faszination durchaus nachvollziehen. „Wer möchte nicht gerne einen magischen Spiegel wie Alice im Wunderland besitzen? Ein Denkarium wie Professor Dumbledore, in dem störende Gedanken ausgelagert werden können? Oder einen Patronus-Zauber wie Harry Potter, der einen beschützt? Es sind Welten, die wir beseelen, die wir kontrollieren können – und die gut enden. Diese Welt kann eine Erholung von der realen Welt mit finanziellen, materiellen und persönlichen Themen sein“, führt die Psychotherapeutin aus. An Halloween, aber auch in Rollenspielen wie dem Cosplay-Trend verwandeln sich Jugendliche und Erwachsene mit viel kreativem, zeitlichem und finanziellem Einsatz möglichst originalgetreu in ihre Idole.

Wo sollte eine Grenze gezogen werden, bevor sich Fantasie und Realität zu sehr vermischen? „Ein Superman-Kostüm kann eine Flucht vor der Realität darstellen, muss aber nicht, auch wenn dies den Betroffenen oft im Sinne von Weltfremdheit vorgeworfen wird“, so Lentzen. Die Frage sei, ob das Versinken in Rollenspielen einen Ausgleich zur täglichen Routine oder eine Flucht aus einem gescheiterten Dasein darstellt. „Die Grenze ist dann zu ziehen, wenn das tägliche Leben zu sehr beeinträchtigt wird, weil die Fantasiewelt der überwiegende Teil der Lebenszeit ist und reale Verpflichtungen vernachlässigt werden.“

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