Auf der letzten Rille
13.09.2010 - WORMS
Von Reiner Philipp Koch
NIBELUNGENLAUF Stilgenbauer steigt beim Halbmarathon aus / Vuckovic wird Zweiter
Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Nicht die erklärten Favoriten und potenziellen Sieganwärter Stephan Vuckovic (10 km) und Vorjahressieger Jürgen Stilgenbauer (Halbmarathon) haben den 7. Nibelungenlauf am Sonntag dominiert, sondern zwei andere Protagonisten, die allerdings mit entsprechenden Empfehlungsschreiben in die Nibelungenstadt angereist waren. Über die kürzere „Sprintdistanz“ setzte sich der Heilbronner Holger Freudenberger bei seinem ersten Start in Worms in 32:55 Minuten souverän durch, während Louis McDonagh, der Sieger 2009 über die zehn Kilometer, diesmal in 1:13:27 Stunden nach den 21,1 Kilometern im Ziel jubeln durfte.
Was war mit Lokalmatador Stilgenbauer? Der 27-Jährige, der vor dem Startschuss auf dem Festplatz in Begleitung seiner Freundin Nina („Meine Mentaltrainerin“) noch ganz entspannt und locker wirkte, hatte keinen guten Tag erwischt und stieg bei der Hälfte des Rennens, das erstmals in diesem Jahr zwei Mal durch die Innenstadt führte, entkräftet aus. Zu diesem Zeitpunkt lief Louis McDonagh („Ich hatte gehofft, nicht allein zu bleiben - leider hat der Jürgen aufgehört“) von der Spitze weg ein einsames Rennen. Was sich bis zum Zielstrich auch nicht mehr änderte.
„Ich hatte ein hartes Frühjahr, das mit den beiden Siegen bei den Halb-Ironmanwettkämpfen in Linz und Wien und dem dritten Platz beim Tri-Star in Worms hervorragend lief“, führte Stilgenbauer den frappierenden Kräfteschwund auf die Strapazen der ersten Jahreshälfte zurück. „Ich hatte keinen Trainingsrhythmus mehr, die Muskeln machten Probleme“. Jetzt will der junge Wormser nur noch regenerieren. Sowie: „Schlafen und essen.“
Irgendwie scheint Holger Freudenberger - die 10-km- und die Halbmarathonläufer starteten zeitgleich - geahnt zu haben, dass Stilgenbauer so seine Schwierigkeiten bekommen würde. Der spätere Sieger über die kürzere Distanz war, da alle Favoriten anfangs noch gleichauf lagen, etwas erstaunt, als er auf seine Uhr blickte, die gerade mal 2:50 Minuten nach dem ersten Kilometer anzeigte. „Hoffentlich überzockt er nicht“, war der Heilbronner über das hohe Einstiegsstempo des Wormsers verwundert. Am Ende sollte sich seine Prognose erfüllen. Für Stilgenbauer war‘s ein schwarzer Tag - trotz des tollen Spätsommerwetters.
Freudenberger lag ich Ziel eine knappe Minute vor Stephan Vuckovic, dem Triathlon-Silbermedaillengewinner von Olympia 2000 in Sydney. Für den in Stuttgart wohnenden Profi, lief es, obwohl ihm noch den Ironman von Kanada (3. Platz) vor zwei Wochen in den Knochen steckte, auf der Kurzstrecke „besser als gedacht“. Vuckovic, der Mann mit dem Piratentuch auf dem markanten Schädel, kam nach eigenem Bekunden („ ... bis mein Diesel mal warm wird“) etwas langsam auf Touren. „Und die letzten zwei Gänge gingen nicht rein“. Aber in Worms hat es ihm so richtig gut gefallen: „Eine schöne Strecke durch die Stadt mit den alten Gebäuden - sonst rennen wir ja nur durch den Wald“. Bei Freiburg trainieren er, Daniel Unger und auch Jürgen Stilgenbauer („Im Winter flüchten wir auf Lanzarote“) in einer Gruppe. Für Vuckovic steht im Oktober die Ironman-WM auf Hawaii an: Bei seiner sechsten Teilnahme will er unter den ersten zehn finishen.
