Von Eva Fauth
FERNSEHEN 3sat überträgt Premiere der Nibelungen-Festspiele
Das Fernsehen sitzt bei der Premiere in der ersten Reihe. Der ZDF-Theaterkanal und 3sat haben sich in diesem Jahr schon früh Platz zwischen Promis und Premerienpublikum gesichert, um ihre Kameras zu postieren. 3sat wird "Das Leben des Siegfried" ab 21.30 Uhr live übertragen. Schließlich sollen bei den Nibelungen-Festpielen am 31. Juli auch die Fernsehzuschauer in der ersten Reihe sitzen.
Nicht zum ersten Mal richten die Mainzer Fernsehmacher ihren Blick auf die Bühne am Wormser Dom. Im Festspiel-Premierenjahr 2002 flimmerten Moritz Rinkes "Nibelungen" auf dem Zweiten über den Bildschirm. Seitdem gehört das ZDF zu den Medienpartnern und packt auch bei den Produktionen immer wieder mit an. "Unsere Einspielfilme, die wir bei den Inszenzierungen hatten, kamen immer vom ZDF", berichtet Dieter Wedels Assistent Joern Hinkel. Dass der ZDF-Theaterkanal nun im achten Nibelungen-Jahr zum zweiten Mal live übertrage, bezeichnet er als "große Ehre": "Wir freuen uns riesig."
Geplant war das nicht. Erst als bekannt war, dass das sagenhafte Spektakel in diesem Sommer als Stoff von John von Düffel inszeniert wird, das Trauerspiel sich zur Posse wandelt, klingelte bei Dieter Wedel das Telefon. Wolfgang Bergmann, Leiter des ZDF-Theaterkanals, bekundete Interesse und bat darum, das Stück zu lesen. Bergmann war auch im Jahr 2002 für die Übertragung verantwortlich. "Seitdem habe ich verfolgt, was in Worms passiert", sagt er. Jedes Jahr Nibelungen im Fernsehen, das sei kein Thema gewesen, "da ist die deutsche Theaterlandschaft zu vielfältig". Als Bergmann allerdings von Düffels Stück las, war er begeistert ("Mir hat die Idee gefallen, mit einem Augenzwinkern ins Rheingold zu blicken") und überzeugt: Diese Nibelungen ganz neu sind eine zweite Übertragung wert - und zwar live. "Das ist die mutigere, aber spannendere Variante", so Bergmann. Man hätte sich die Premiere auch erst einmal anschauen und dann entscheiden können: Wollen wir das zeigen? Doch gemeinsam mit Wedel war er sich schnell einig: 3sat geht am Premierenabend live auf Sendung. Mit allen Risiken. Dazu gehört das Wetter genauso wie Pleiten, Pech und Pannen - oder der Erfolg beim Publikum.
Einfluss auf die Inszenierung hat das Fernsehen nicht. Erst eine Woche vor der Premiere kommt das TV-Team samt Technik nach Worms. 45 Fernsehleute mit zehn Kameras mischen sich unters Nibelungenvolk - von der Redaktion, über Kameraleute, Ton- und Bildtechniker bis hin zur Kabelhilfe. Rund eine viertel Million Euro, schätzt Bergmann, wird die Produktion am Ende kosten.
Zunächst schaut sich der Bildregisseur die Proben an, schreibt ein "Drehbuch", in dem die Einstellungen Szene für Szene festgelegt werden. Bei den letzten Proben werden die Fernsehkameras dann zum ersten Mal mitlaufen, um zu sehen, ob das Konzept funktioniert. Die Generalprobe des Nibelungen-Ensembles ist dann auch schon die Generalprobe fürs Fernsehen. "Dieter Wedel wird dabei sein, wenn sich die Regisseure - Theater und Fernsehen - austauschen und hat sogar angeboten, sich mit den den Übertragungswagen zu setzen und Tipps zu geben", berichtet Joern Hinkel.
Mit 30 Minuten Verspätung geht 3sat am 31. Juli auf Sendung. Warum das? "Um die Premiere nicht zu beschädigen", erklärt Theater-TV-Macher Bergmann. "Es gibt nichts schlimmeres, als das Premierenpublikum mit dem Drohfinger des Fernsehens auf ihre Plätze zu scheuchen." Dann ist da noch die Pause: Im Theater verfliegt die Zeit bei Sekt und Plaudern schnell - im Fernsehen muss diese Zeit, oft 45 Minuten, gefüllt werden. "Diese Pause vekürzen wir", erklärt Bergmann. Es gibt Promi-Interviews und Bilder vom roten Teppich. Und beginnt die zweite Hälfte des Stücks, wird dann wirklich live gesendet.
Einmal waren die Fernsehkameras übrigens schon für die Nibelungen im Einsatz. Unter der Regie von Dieter Wedel wurden Nibelungen-Werbespots fürs ZDF gedreht. Die Stars der Inszenierung - Christoph Maria Herbst, Nina Petri und Gustav Peter Wöhler - werben in achtsekündigen Filmen, die derzeit im ZDF zu sehen sind, für die Festspiele. "Das ist schon was", findet Joern Hinkel. "Wann gibt es schon mal im Fernsehen Werbung für Theater?"
