Von Roland Keth
Jetzt geht's los: Am Montag begann Regisseur Gil Mehmert mit der Probenarbeit für die Nibelungen-Festspiele, die am 31. Juli mit der Premiere der Komödie “Das Leben des Siegfried³ am neuen Spielort, dem Westchor des Domes, starten. Gestern Mittag präsentierte Intendant Dieter Wedel das neue Ensemble im bekannten Probendomizil, der Bootshalle von “Skipperman's Friends" in der Alzeyer Straße.
Christoph Maria Herbst (Hagen), Mathias Schlung (Seefred), André Eisermann (Siegfried) und Susanne Bormann(Kriemhild) posierten geduldig für die zahlreich angereisten Fotographen und Fernsehteams und gaben jede Menge Interviews. Der Rest der illustren Truppe Nina Petri (Brünhild), Gustav Peter Wöhler (Hagen), Inga Busch (Frigga) sowie Gennadi Vergerov (Tuborg) hatte gestern noch “probenfrei".
“Das ist schon ein Risiko, eine Komödie auf so einer Riesenfläche zu spielen", bekannte Wedel mit Blick auf das Bühnenmodell, das die Technik an der Seite aufgebaut hatte. Bei Regisseur Gil Mehmert sei die knifflige Sache jedoch in “besten Händen", lobte der Altmeister seinen jüngeren Kollegen, hielt sich ansonsten aber erkennbar zurück, um dem neuen “Chef" nicht die Schau zu stehlen. Gil Mehmert wiederum präsentierte sich als kompetenter, offener Gesprächspartner, der bereitwillig auch Sonderwünsche der Fotografen erfüllte, etwa, als er den Bühnenaufbau am Modell erläuterte.
Die dürfte selbst alteingesessene Wormser überraschen, so gekonnt ist der hoch aufragende Westchor in die 25 mal 16 Meter große Bühne integriert. Prägend ist eine mächtige Freitreppe vor Dom und Kreuzgang, davor hat Bühnenbauer Jens Kilian eine Fahrrinne gesetzt, in der bei den 17 Aufführungen allabendlich ein Wikingerschiff mit dem symbolträchtigen Namen “Teutonic" kreuzen wird. “Könnten Sie das Schiffchen gerade mal im Graben bewegen?", baten die Fotografen. Susanne Bormann sollte derweil den an einem gespannten Metallfaden hängenden Mond aufgehen lassen.
Ein weiterer Gag: In die Spielfläche integriert ist eine Eislaufbahn mit speziellem Kunststoffbelag. Rechts der Bühne vor dem Liobahaus erhebt sich ein Turm, der Ähnlichkeiten mit dem Westchor aufweist, links in Richtung Schlossplatz können Recken und Komödianten durch eine Wald-Schonung schlendern.
Am Montag hatten die Schauspieler das Stück lediglich angelesen. “Dabei hatten wir alle Riesenspaß", berichtete André Eisermann. Folglich konnte Gil Mehmerts Team gestern noch keine fertige Spielszene zeigen. Dafür präsentierte der Regisseur aber die “Hals- und Beinbruch-Stelle" im Stück mit seinen beiden “Raben".
Die Riesenvögel werden später mit passendem Federschmuck über die Bühne gleiten. Gestern taten es noch Sturzhelm und Jeans. An die Füße geschnallt hatten sich Mark Weigel und Thorsten Krohn so genannte “Power-Strider" Fitnessgeräte, die wie gebogene Stelzen aussehen und wippende, weit ausholende Bewegungen erlauben. “Das ist unser Bänkelsänger-Duo", schmunzelte Mehmert und forderte gleich “mehr action".
Dass die beiden Schauspieler schon seit vier Wochen im Training sind, merkte man an den schon recht sicher wirkenden Hopsern. Unterstützt von Akkordeonspieler Karsten Schnack gaben sie anschließend eine erste gesangliche Kostprobe auf “Lalala" und begleiteten sich dabei mit Concertino und Mandoline. Eine Szene, die Lust auf mehr machte...
Die Uraufführung des Stückes ist am 31. Juli.
