Wut und Angst wachsen in Aksys-Belegschaft
23.04.2010 - WORMS
Von Roland Keth
AUFHEBUNGSVERTRÄGE Mitarbeiter fühlen sich erpresst / Insolvenzverwalter spricht von unumgänglichen Personalanpassungen
Der weltweit operierende Autozulieferer Aksys mit Sitz in Worms steckt in der Insolvenz. Insolvenzverwalter Tobias Hoefer versucht, den angeschlagenen Konzern zu restrukturieren und ist optimistisch, dass ihm das gelingen kann. "Dabei alle Arbeitsplätze erhalten zu wollen, ist allerdings utopisch", urteilt Hoefer. Er verweist auf die angespannte Lage in der Automobilindustrie und auf Umsatzeinbrüche von 30 bis 40 Prozent im letzten Jahr. Vor diesem Hintergrund seien Personalanpassungen unvermeidlich.
Genau dies sorgt allerdings bei der Belegschaft für große Unruhe. Mitarbeiter klagen gegenüber der WZ darüber, dass viele massiv gedrängt würden, Aufhebungsverträge zu unterzeichnen. Diese Kontrakte seien mit einem Anstellungsvertrag der Firma Consult Personaldienstleistungen GmbH (Frankfurt) gekoppelt, zeitlich befristet und mit gravierenden Gehaltseinbußen sowie anderer Leistungen verbunden. Wer nicht unterschreibt, müsse mit seiner Kündigung rechnen. Die Mitarbeiter fühlen sich erpresst, sie vermissen eine Sozialauswahl und machen sich große Sorgen um ihre Zukunft.
Hoefer kann diese Ängste nachvollziehen. Diesen Weg gehen zu müssen, mache auch ihm "keinen Spaß", versichert der Insolvenzverwalter, sieht allerdings keine Wahlmöglichkeit. "Wir müssen Personal abbauen. Die Alternative wären betriebsbedingte Kündigungen oder gar das Aus für Aksys insgesamt." Consult sei eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, die den Betroffenen befristet eine bezahlte Anstellung sichere. Sie biete die Chance, sich zu qualifizieren und möglicherweise von jenen Unternehmen übernommen zu werden, die Aksys-Sparten aufkaufen. "Dass die Gläubiger ein solches Angebot machen, ist mehr, als sie rechtlich müssten", betont Hoefer und versichert, alles mit Betriebsrat und Gewerkschaft abgeklärt zu haben.
Aksys beschäftigt weltweit rund 2500 Mitarbeiter. Aktuell betroffen von der Consult-Lösung sind laut Hoefer 14 Mitarbeiter aus Worms und Frankfurt in der Entdröhungssparte. Hinzu kommen konzernweit 220 Beschäftigte aus der zentralen Verwaltung, die künftig nicht mehr benötigt werde. Außerdem laufen derzeit Gespräche in den noch "schwierigeren" Bereichen Isolation und Kunststoffe. Auch dort müssten wohl Jobs abgebaut werden, schätzt Hoefer und hofft, "in vier bis sechs Wochen" ein klares Bild zu haben.
